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Unwetter im Norden : „Nadia“ sorgt für Sturmflut und Hunderte Einsätze

  • Aktualisiert am

Die Gischt der aufgepeitschten Nordsee überflutet bei Sturm den Fähranleger Dagebüll in Schleswig-Holstein. Bild: dpa

Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu knapp 130 Stundenkilometern ist Sturmtief „Nadia“ über Teile Norddeutschlands hinweggefegt. In Brandenburg ist ein Fußgänger ums Leben gekommen.

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          Sturmtief „Nadia“ ist mit gefährlichen Böen über Norddeutschland hinweggefegt und hat mehrere schwere Unglücke verursacht. Im brandenburgischen Beelitz kam ein Fußgänger ums Leben, weil ein Wahlplakat umgeweht wurde und auf ihn stürzte. In Bremen erlitt ein Mensch in einem Park schwere Verletzungen, als ein Baum auf ihn fiel. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu knapp 130 Stundenkilometern fegte „Nadia“ in der Nacht zu Sonntag über viele Teile Norddeutschlands hinweg.

          Die höchste Windgeschwindigkeit wurde auf Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland) mit 127 km/h gemessen, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntagmorgen. In List auf Sylt, Kap Arkona auf Rügen und Glücksburg bei Flensburg wurden Werte von 119 km/h in der Spitze gemessen.

          Motorradfahrer schwer verletzt

          Im Landkreis Vorpommern-Rügen zählte die Rettungsleitstelle etwa 800 Einsätze. Trotz der Verwüstungen durch den Sturm seien keine Menschen zu Schaden gekommen, hieß es in einer Mitteilung. Das Polizeipräsidium in Rostock registrierte wegen der Wettersituation 189 Notrufe. Rettungskräfte mussten immer wieder ausrücken, um umgestürzte Bäume und Äste von den Straßen zu räumen. Vielfach wurden auch parkende Fahrzeuge und Dächer beschädigt. In Neubrandenburg demolierte ein umstürzender Baum gleich fünf Autos. In der Mecklenburgischen Seenplatte verletzte sich ein 16 Jahre alter Motorradfahrer schwer, als er am Samstagabend mit seinem Fahrzeug gegen einen umgestürzten Baum fuhr.

          Auch in Hamburg gab es nach Angaben der Polizei Hunderte Einsätze. Zwei Mal hat die schwere Sturmflut den Fischmarkt im Stadtteil Altona unter Wasser gesetzt. Der Scheitel wurde nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gegen 0.17 Uhr erreicht. Der Wasserstand am Pegel St. Pauli lag 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser, wie eine Sprecherin mitteilte. Am Sonntagmittag erreichte er 2,60 Meter über dem mittleren Hochwasser. Tausende Schaulustige zog es an die Elbe und den Fischmarkt, um das Spektakel zu beobachten, wie ein dpa-Reporter berichtete. Durch die Überflutungen wurden mehrere Autos beschädigt.

          Zu viel Wasser: Autos auf einem Parkplatz in Hamburg Bilderstrecke
          Sturmtief „Nadia“ : Sturmflut in Hamburg, umgestürzte Bäume auf den Straßen

          Auch an anderen Küstenabschnitten gab es Sturmfluten. „Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg“, sagte die BSH-Sprecherin. Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. In Bremerhaven habe der Scheitelwert beispielsweise bei 2,14 Metern über dem mittleren Hochwasser gelegen. Das BSH rechnete auch am Sonntag noch mit Sturmfluten oder schweren Sturmfluten an den Küsten.

          An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

          Das BSH hat die Sturmflutwarnung für die deutsche Nordseeküste am Sonntagmittag aufgehoben. Das Mittagshochwasser war zu diesem Zeitpunkt vorbei.

          Zuvor war es in Hamburg und auf der Nordsee zu zwei Vorfällen mit Schiffen gekommen: Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen. Die Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe.

          Der zweite Vorfall ereignete sich 16 Seemeilen (ca. 30 Kilometer) vor der ostfriesischen Küste. Dort trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die 190 Meter lange „Vienna“ hatte wegen des Sturms erkennbar Probleme zu manövrieren, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven am Sonntagmorgen mitteilte. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden.

          Auch der Bahnverkehr war am Sonntagvormittag noch beeinträchtigt. Die Probleme sollten voraussichtlich bis in die Mittagsstunden anhalten, teilte die Deutsche Bahn mit. Auf dem Abschnitt zwischen Stralsund und Ostseebad Binz fielen die ICE- und IC-Züge aus. Zwischen Bremen und Hamburg kam es zu Verspätungen, da der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar war. Zwischen Rostock und Hamburg sowie Berlin sollten Fahrgäste mit kurzfristigen Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Auch im Regionalverkehr kam es wegen der Unwetterschäden noch zu Verspätungen und Ausfällen. Als Gründe nannte die Bahn vielerorts Bäume, die auf die Gleise gestürzt waren – oder Störungen der Oberleitung.

          Am Sonntagvormittag hob der DWD seine Unwetterwarnung auf. Bis zum späten Sonntagnachmittag ist den Angaben zufolge aber weiter mit Sturmböen zu rechnen.

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