https://www.faz.net/-gum-a42j8

Norditalien und Südfrankreich : Verheerende Schäden

  • Aktualisiert am

Ein Polizist steht auf einer verwüsteten Straße im französischen Breil-sur-Roya, das von einer Schlammflut verwüstet wurde. Bild: AFP

Die vorläufige Bilanz nach Sturm „Alex“ ist ernüchternd: Mehrere Menschen sterben, ganze Dörfer sind verwüstet, Gebäude und Brücken zerstört. Noch immer gibt es zahlreiche Vermisste. In Venedig wurde die neue Hochwasserschutzanlage erstmals hochgefahren.

          3 Min.

          Ganze Häuser wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen und Brücken zerstört, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten: Unwetter mit Überschwemmungen haben im Südosten Frankreichs und in Norditalien zu chaotischen Zuständen geführt. Es gab mehrere Tote. Auch in Österreich und der Schweiz richteten Wind und Regen am Wochenende große Schäden an, ein vierjähriges Mädchen starb.

          In Italien kamen nach Medienberichten vermutlich mindestens sieben Menschen ums Leben. In Orten an der Mittelmeerküste in Ligurien, etwa in Sanremo, wurden laut Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag fünf Leichen entdeckt. Sie könnten zuvor von Flüssen ins Meer gespült worden sein, ein Opfer könne sogar aus Frankreich kommen. Im bergigen Hinterland von Nizza wurde in Saint-Martin-Vésubie ein Mann tot in seinem Auto gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete.

          Nach offiziellen Angaben wurden mindestens acht Menschen vermisst, darunter zwei Feuerwehrleute. Von anderen fehlten Nachrichten. Es gebe große Sorge hinsichtlich der endgültigen Opfer-Bilanz, wie Regierungschef Jean Castex bei einem Besuch in der Krisenregion sagte.

          Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, nach den vorliegenden Informationen gebe es aktuell keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Vermissten oder Opfern der Unwetter befänden. Die deutsche Botschaft in Rom und das Generalkonsulat in Marseille standen demnach mit den lokalen Behörden in Kontakt.

          In Österreich mussten Rettungskräfte am Freitagabend und Samstag zu zahlreichen Einsätzen wegen umgestürzter Bäume und kleinerer Überflutungen ausrücken. Ein vierjähriges Mädchen wurde bei einer Wanderung von einem Baum erschlagen. In der Schweiz brachte das Tief am Samstag enorme Mengen Regen mit sich, die Autobahn A2 war stundenlang wegen Überflutung gesperrt.

          Regenfälle wie seit 60 Jahren nicht mehr

          Im französischen Département Alpes-Maritimes und in Norditalien liefen am Sonntag die Aufräumarbeiten. In Frankreich wurden rund 1000 Feuerwehrleute und die Armee eingesetzt. In der italienischen Region Piemont waren Straßen und Brücken beschädigt und Städte überschwemmt, etwa in Limone Piemonte in der Provinz Cuneo. Der Bürgermeister dort sprach von einer „katastrophalen Lage“. Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten Schäden in Millionenhöhe.

          In den Bergen nördlich der Ferienmetropole Nizza waren Dörfer zeitweise nicht mehr erreichbar. Das Telefonnetz war zusammengebrochen. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Retter brachten Wasser und Lebensmittel in die Region. Rémi Recio, Leiter des engsten Mitarbeiterstabes des örtlichen Präfekten, sprach von einer „meteorologischen Bombe“, die am Freitag über dem Département niedergegangen sei. Vom Hubschrauber aus habe er kriegsähnliche Szenen gesehen. „Man hat den Eindruck, dass das Gebiet bombardiert wurde.“

          Häuser seien von den Wassermassen weggerissen worden. Es gebe immer noch große Unsicherheit: „Wir wissen derzeit nicht, ob die Häuser bewohnt oder Ferienhäuser waren“, sagte Recio dem Nachrichtensender Franceinfo. Zu den acht Vermissten sagte er, es gebe Zeugenaussagen, dass diese in den Fluten verschwunden seien.

          In Italien starb ein 53-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal, der bei einer Rettungsaktion von einem umgestürzten Baum getroffen wurde. Ein 36-jähriger Autofahrer aus Vercelli, einem Ort zwischen Turin und Mailand, wurde auf einer kaputten Straße vom Flusswasser weggerissen. Sein jüngerer Bruder konnte sich hingegen aus dem Auto befreien und überlebte.

          Bild: dpa

          Teilweise hatte es im Nordwesten Italiens von Freitag auf Samstag so stark geregnet wie seit rund 60 Jahren nicht mehr. Der Strom fiel für Tausende Menschen aus. Die Behörden warnten am Wochenende weiter vor Hochwasser-Gefahren. Das galt auch am Fluss Po, der von Westen quer durch Italien fließt und in die Adria mündet.

          21 Menschen, die im Piemont als vermisst galten, wurden schließlich auf der anderen Seite der Grenze im Hinterland von Nizza gefunden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch eine deutsche Trekkinggruppe mit fünf Männern und einer Frau, die im piemontesischen Tal Valle Gesso zunächst als vermisst galt, wurde auf einer Hütte entdeckt und in Sicherheit gebracht.

          In Venedig wurde am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage Mose erstmals in einer echten Gefahrenlage hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune wurden aufgestellt. Am Sonntag hieß es in Berichten, Mose habe Wirkung gezeigt: Trotz erhöhter Wasserstände sei der Markusplatz im Zentrum trocken geblieben.

          Regierungschef Castex und Innenminister Gérald Darmanin waren am Samstag in das Département Alpes-Maritimes geeilt. Castex sicherte der Bevölkerung Unterstützung zu. An diesem Mittwoch werde das Kabinett den Katastrophenzustand für betroffene Gemeinden ausrufen. Das erleichtert unter anderem Entschädigungen. Südfrankreich wird seit Jahren von schweren Unwettern getroffen.

          Topmeldungen

          Wer die Zeit und das Geld hatte, hat sich in diesem Sommer gerne im eigenen Pool gesonnt.

          Vermögensvergleich : Wie reich sind Sie wirklich?

          Neue Zahlen zeigen, wie sich das Vermögen der Deutschen über das Leben entwickelt. Schon mit einem abbezahlten Haus und einer Lebensversicherung können Sie zu den oberen zehn Prozent gehören. Testen Sie selbst, wo Sie in Ihrer Altersgruppe stehen!
          Der Apfel: Das Firmenlogo von „Apple“

          Aktiensparpläne : Alles auf Apple

          Je länger es keine Zinsen gibt, desto mehr Leute setzen auf Sparpläne. Außer ETF besparen Anleger auch zunehmend Einzelaktien. Das kann gefährlich werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.