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Studie : Hintergrund von Everest-Unglück offenbar geklärt

  • Aktualisiert am

Blick auf die Everest-Gruppe Bild: dpa

Mit seinem Bestseller „In eisige Höhen“ löste Jon Krakauer eine heftige Debatte über die Schuld am Tod von zwölf Bergsteigern im Mai 1996 am Mount Everest aus. Ein Wissenschaftler glaubt, die Ursache der Todesfälle zu kennen.

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          Ein plötzlich aufziehender, entsetzlicher Sturm überrascht am Nachmittag des 10. Mai 1996 mehrere Expeditionen am Mount Everest. Zwölf Bersteiger, darunter auch sehr erfahrene Bergführer, verlieren ihr Leben. Der amerikanische Journalist Jon Krakauer überlebt die Katastrophe. In seinem Bestseller „In eisige Höhen“ arbeitet er die Hintergründe auf und löst eine heftige Debatte über die Schuldfrage aus.

          Der kanadische Wissenschaftler Kent Moore begann, angeregt durch die Lektüre, zu forschen und meint nun die Ursache der Todesfälle aufgedeckt zu haben.

          Plötzliches Absinken der Stratosphäre

          Extreme Höhenwinde können an den höchsten Bergen der Welt zu einem plötzlichen Abfall des Luftdrucks führen und Bergsteiger in Gefahr bringen. Diese sogenannten Jet Streaks ziehen große Mengen Luft an sich, wodurch Druck und Sauerstoffgehalt der ohnehin schon sehr dünnen Luft weiter sinken. Der Sauerstoffmangel kann bei den Bergsteigern zu körperlichen Ausfällen und einem Verlust der Orientierung führen. Durch ein solches Ereignis kamen nach Ansicht Keants auf dem Mount Everest im Jahre 1996 zwölf Menschen ums Leben. Das berichtet der Online-Dienst des Fachmagazins „Nature“.

          Der Gipfel des Mount Everest liegt mit einer Höhe von 8.848 Metern knapp unterhalb der Stratosphäre in der oberen Troposphäre. In dieser Atmosphärenschicht treten neben gewöhnlichen Stürmen mit hohen Windgeschwindigkeiten auch Jet Streaks auf. Diese extrem starken Winde entstehen im Zusammenhang mit den sogenannten Jet Streams. Das sind schmale Starkwindbänder, die sich nahezu waagerecht in der Troposphäre oder auch in der Stratosphäre von West nach Ost rund um die Erde ziehen. Die noch schnelleren Jet Streaks könnten bei dem Vorfall im Mai 1996 ein plötzliches Absinken der Stratosphäre bewirkt haben, vermuten die Wissenschaftler um Kent Moore von der Universität Toronto. „In diesen Höhen gehen Bergsteiger bereits an ihre Grenzen. Der plötzliche Druckabfall könnte einige der Kletterer in ersthafte physiologosche Not gebracht haben“, sagte Kent.

          Sauerstoffgehalt sinkt nochmals um 14 Prozent

          Die Forscher hatten analysiert, ob und wie Jet Streaks mit einem plötzlichen Druckabfall zusammenhängen. Sie nutzten dazu die Daten der höchsten Wetterstation der Welt, einer Meßstation, die 1998 am Südsattel knapp 900 Meter unterhalb des Gipfels des Mount Everests installiert war. Diese Meßstation verzeichnete einen ähnlichen Vorfall im Jahr 1998: Es wurde ein plötzlicher Druckabfall von 16 Millibar registriert. Das entspricht in etwa dem Effekt, als stiege der Berg schlagartig um 500 Meter an oder als sinke der Sauerstoffgehalt der schon sehr dünnen Luft nochmals um 14 Prozent.

          Bergsteiger verlassen sich derzeit auf Informationen über die Windgeschwindigkeiten rund um den Berg, bevor sie sich entscheiden, ob das Wetter sicher für einen Aufstieg ist. „Jet Streaks ziehen sie dabei nicht in Betracht“, sagt Kent Moore. Dabei sind diese Winde nach den Worten des Wissenschaftlers mit Standardtechniken der Wettervorhersage leicht zu bestimmen.

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