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Stromboli : Der Vulkan ist erwacht

  • Aktualisiert am

Die Lava lässt das Meer kochen: Vulkanausbruch auf Stromboli Bild: dpa

Einen Tag nach dem Ausbruch des süditalienischen Vulkans Stromboli ist die Gefahr noch nicht gebannt: Experten schließen nicht aus, dass Gesteinsmassen von dem Vulkankegel ins Meer stürzen und einen Tsunami auslösen könnten.

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          Es war Mittagszeit, die meisten der 500 Einwohner auf Stromboli - einer kleinen Insel nördlich von Sizilien - saßen beim Essen, als sich der erste Krater öffnete. Sechs Minuten später wälzte sich aus einem weiteren Felsspalt glühende Lava ins Meer, das war um 13.45 Uhr. Noch machten sich die meisten Menschen keine Sorgen, sie kennen „ihren“ Vulkan, sie leben mit ihm. Doch als an diesem Dienstag um um 13.50 Uhr auf Stromboli die Sirenen ertönten, der Zivilschutz die Menschen aufrief, die Küste zu verlassen und sich auf eine Höhe von mindestens zehn Metern zu flüchten - da wussten die Einwohner auf der „schwarzen Insel“, dass es ernst ist. Nach gut vier Jahren war der Albtraum eines drohenden Tsunami zurückgekehrt.

          „Als die Sirenen heulten, sind wir sofort in Richtung Gebirge gelaufen“, berichtet ein Restaurantbesitzer. Auch 50 Touristen waren auf der Insel. Auf dem Nachbareiland Panarea gab es ebenfalls Alarm: „Wir haben das Küstengebiet verlassen, aber zum Glück ist nichts passiert“, erzählt ein Touristenführer.

          Dritter Krater aufgebrochen

          Mittlerweile ist ein dritter Krater aufgebrochen. Zwar versuchen Zivilschutz und Vulkanologen, die Bevölkerung so gut es geht zu beruhigen. Immer wieder heißt es, eine Wiederholung des Albtraums vom Dezember 2002 sei eher unwahrscheinlich - aber auch am Mittwoch konnten die Menschen noch immer nicht in die flachen Küstengebiete zurück. „Wir brauchen weitere Daten, um uns ein klares Bild machen zu können“, sagt der Direktor des nationalen vulkanologischen Instituts, Enzo Boschi.

          Mittlerweile ist ein dritter Krater ausgebrochen
          Mittlerweile ist ein dritter Krater ausgebrochen : Bild: REUTERS

          Der Schock vom 29. Dezember 2002 sitzt noch immer tief. Auch damals fing es mit einem zunächst eher harmlosen Lavafluss an. Als dieser immer stärker wurde, geschah das Unfassbare: Ein riesiger Teil des Vulkankegels riss aus dem 900 Meter hohen Bergmassiv heraus, rutschte unter ohrenbetäubendem Lärm ins Meer - und löste eine riesige Flutwelle aus. Bis zu zehn Meter hoch sollen die Wellen laut Augenzeugen gewesen sein, zahlreiche Häuser wurden beschädigt, die Menschen erlebten einen Schock. Wie durch ein Wunder gab es lediglich einige Verletzte, darunter auch ein Deutscher. Die gesamte Insel wurde für mehr als zwei Monate evakuiert.

          Katastrophe im September 1930

          Noch schlimmer war die Katastrophe im September 1930: Eine riesige Lavalawine wälzte sich ins Meer, das Wasser begann zu kochen, Fischerboote verbrannten. Mehrere Menschen starben. „Sciara del fuoco“, Feuerstraße, heißt die Strecke an den nordwestlichen Kraterhängen Strombolis, auf der sich auch diesmal wieder die roten Lavamassen ihren Weg ins Tal suchen.

          Auch jetzt lösten sich bereits mehrfach beachtliche Felsbrocken und stürzten krachend ins Meer. Zwar glaubt der Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, dieses Mal könnte alles in allem lediglich eine halb so große Felsmasse wie 2002 ins Meer stürzen - aber auch das könnte einen „kleinen Tsunami“ auslösen.

          Europas derzeit aktivster Vulkan ist der gut 900 Meter hohe Stromboli. Er liegt auf der gleichnamigen Insel im Mittelmeer, rund 100 Kilometer nördlich der sizilianischen Küste. Seit mehr als 2000 Jahren gerät das Gestein unter dem Liparischen Archipel, zu dem Stromboli gehört, in regelmäßigen Abständen in Bewegung. Kleinere Eruptionen gibt es auf der süditalienischen Insel im Rhythmus von etwa zehn Minuten.

          Der letzte große Ausbruch des Stromboli liegt erst etwas mehr als vier Jahre zurück: Am 29. Dezember 2002 rutschte ein zwei Millionen Kubikmeter großer Felshang vom Kegel des Hauptkraters ins Meer und löste eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle aus, die auch die Nachbarinseln Lipari und Panarea erfasste. Wie durch ein Wunder wurden dabei nur wenige Menschen verletzt. Die Behörden ließen Stromboli für mehr als zwei Monate evakuieren. Experten befürchten, dass sich die 350 Einwohner der „schwarzen Insel“ auch in diesem Jahr auf einen „kleinen Tsunami“ einstellen müssen.

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