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Baggerfahrer nach Einsatz : „Ich stand 18 Meter unter dem Wasserspiegel“

Euskirchen: Polizisten und Ingenieure stehen auf der Staumauer der Steinbachtalsperre. Bild: dpa

Hubert Schilles hat mit seinem Bagger den Abfluss der Steinbachtalsperre freigeräumt. Auch deshalb hat sie gehalten. Wie gefährlich war das? Ein Anruf im Kreis Euskirchen.

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          Herr Schilles, Ministerpräsident Armin Laschet hat Sie am Montag in seiner Ansprache an der Steinbachtalsperre gelobt. Zivilcourage im Moment der Not habe geholfen, dass es nicht zu einer weiteren Katastrophe gekommen sei. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, da zu baggern?

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Da bin ich nicht drauf gekommen, man hat mich angerufen, mit der Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dort reinzufahren. Mit dem Hinweis, dass ich wissen muss, was auf mich zukommt. Weil das lebensgefährlich ist.

          Sie sind Geschäftsführer eines Tiefbauunternehmens aus der Region. Das Freibaggern war Chefsache?

          Ich kann dieses Risiko doch keinem zumuten, da reinzufahren. Mir war bewusst, was ich mache. Und das hat mit Hilfe von Gott gut funktioniert. Ich möchte hier nicht auf einen Eimer gehoben werden, jeder andere hätte das auch gemacht.

          Können Sie erklären, was Sie genau an der Talsperre gemacht haben?

          Die Wand der Talsperre ist 18 Meter hoch. Das ist keine Betonwand, sondern eine Wand aus Boden, Kies und Steinen, die von der Wasserseite aus asphaltiert ist, damit sie wasserdicht ist. Es wäre auch nichts passiert, wenn die nicht übergelaufen wäre. Aber so war der Abfluss auf der Bodenseite verschlossen. Deshalb stand ich unten am Auslaufrohr, 18 Meter unter dem Wasserspiegel, und habe das Rohr freigemacht.

          Im Damm stand das Wasser hoch, was wäre passiert, wenn der Damm gebrochen wäre?

          Da hätte es keine Überlebenschance gegeben. Aber es hat funktioniert, um 18.31 Uhr am Donnerstag kam Wasser aus dem Rohr.

          Aber war das nicht auch gefährlich, in dem Moment, wo Sie den Abfluss freigemacht haben und das Wasser kam?

          Nein, da gibt es zwei Schieber, die müssen beide geöffnet werden. Ein ganz wichtiger Mann war der Herr Lorenz, der muss erwähnt werden. Der ist ein ganz feiner Mensch. Der ist runtergegangen in den Stollen und hat geschaut, dass er den Schieber per Hand freibekommt. Der ist sonst elektrisch angetrieben. Das war der Mann der Stunde, der war nassgeschwitzt. Ich hab ihm nur die Chance gegeben, dass das Wasser laufen konnte.

          Die Aktion war schon vor ein paar Tagen, durch den Abfluss konnten dann jeweils 6000 Liter in der Sekunde abfließen – aber bis zum Montagmorgen war die Lage noch angespannt. Jetzt besteht akut keine Gefahr mehr, dass die Staumauer brechen könnte. Sind Ihre Bagger in der Hochwasserlage derzeit noch anderswo unterwegs?

          Die von der Talsperre haben noch angerufen, dass wir im Vorbecken rechts und links noch mehr freiräumen. Sonst transportieren wir gerade Müll mit acht Fahrzeugen immer zur Deponie. Kostenlos natürlich, das ist für mich Ehrensache. Wir haben null Schaden. Nicht mal der Stein an der Haustür ist schmutzig, da kann man sich nicht bezahlen lassen.

          Sie sind sehr bescheiden. Woher haben Sie die Zuversicht genommen, dass das klappt?

          Seit dem 19. Lebensjahr machen wir nichts anderes. Wir sind dazu berufen. Mein Zwillingsbruder und ich haben uns 1989 selbständig gemacht, haben heute 57 Leute beschäftigt. Aber das war klar, es selbst zu machen.

          Laschet sagte, dass Sie 70 Jahre alt sind.

          Ich bin 68, aber ein Jungbrunnen. Ich bin jeden Morgen um fünf Uhr als erster im Betrieb. Wissen Sie, ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe mich zwei Mal gesegnet als ich runter gefahren bin. ,Du Herr, musst wissen, was passiert`, habe ich gesagt. Und ich hatte keine Sekunde Angst.

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