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Erdbeben als Indikator : Steht in Island ein Vulkanausbruch bevor?

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Folgenreiches Naturschauspiel: Die Eruption des Eyjafjallajökull 2010 legte tagelang den Flugverkehr über Europa lahm. Bild: dpa

Unter Island rumort die Erde wieder heftig: Binnen einer Woche wurden auf dort mehr als 10.000 Beben registriert. Die Geowissenschaftler des isländischen Wetterdienstes sind sich sicher, dass aufsteigendes Magma der Auslöser ist.

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          Obwohl die Einwohner Islands sich seit langem an geologische Naturgefahren wie Vulkanausbrüche und Erdbeben gewöhnt haben, waren die vergangenen Tage für die Inselbewohner nervenaufreibend. Innerhalb von einer Woche registrierten die Seismometer des mit der Erdbebenüberwachung auf der Insel am Polarkreis beauftragten Wetterdienstes mehr als 10.000 Erdbeben. Einige hundert dieser Erschütterungen wurden im Südwesten der Insel gespürt. Zu manchen Zeiten wackelte die Erde in der Hauptstadt Reykjavik sogar im Minutentakt.

          Das stärkste Beben in diesem außergewöhnlichen Schwarm hatte eine Magnitude von 5,7. Weitere 30 Erdstöße mit Magnituden von mehr als vier wurden registriert, und mehr als 200 Beben erreichten Stärken von mehr als drei. Alle diese Beben ereigneten sich in geringer Tiefe unter der Reykjanes-Halbinsel südlich von Reykjavik. Dieser Teil des Landes ist für seine Blaue Lagune berühmt, ein Thermalfreibad, in dem viele Einheimische und Touristen selbst im tiefen Winter bei Wassertemperaturen von mehr als 37 Grad baden.

          Die Halbinsel ist aber auch jene Stelle, an der der mittelatlantische Rücken auf die Insel trifft. Diese tektonische Nahtstelle der Erdkruste trennt, geologisch betrachtet, Europa von Nordamerika. Es handelt sich um eine Zone, in der sich die obersten Schichten der Erde, die tektonischen Platten, mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern im Jahr voneinander wegbewegen. Als Folge dieser Spreizung kann Magma aus dem tiefen Erdinneren in flachere Schichten und sogar bis zur Erdoberfläche vordringen. Island liegt genau auf dieser Spreizungszone und wird von den tektonischen Kräften auseinandergerissen. Das ist der Grund, warum es in Island mehr als 30 aktive Vulkane gibt.

          Aufsteigendes Magma könnte der Auslöser sein

          Sobald sich aber Magma im Erdinneren bewegt, kommt es zu Erdbeben. Einerseits kann die Erdkruste wegen der im Magma enthaltenen enormen Hitze aufbrechen. Das Gestein kann aber auch durch den Druck des von unten aufdringenden heißen Materials aufplatzen. In beiden Fällen kommt es zu Erdbeben. Vulkanforscher benutzen daher die Seismizität in vulkanischen Gegenden als Indikator der Magmabewegungen und als mögliches Zeichen, dass ein Vulkanausbruch bevorsteht.

          Die Geowissenschaftler des isländischen Wetterdienstes sind sich sicher, dass auch der jüngste Erdbebenschwarm von aufsteigendem Magma ausgelöst wurde. So wanderten die Erdbebenherde im Laufe einer Woche langsam von der Südwestspitze Islands nach Nordosten. Allerdings blieben die meisten Erdbebenherde dabei in einer Tiefe von fünf Kilometern und bewegten sich nicht weiter nach oben in Richtung Erdoberfläche. Aus diesem Grund haben die Katastrophenschutzbehörden bis jetzt noch keine Warnung vor einer bevorstehenden Vulkaneruption ausgesprochen, möglich ist ein Ausbruch aber dennoch.

          Die bisher letzte bedeutende Vulkaneruption auf Island gab es vor elf Jahren, als der unter einem Gletscher liegende Vulkan Eyjafjallajökull große Mengen Asche kilometerhoch in die Luft schleuderte. Westwinde trieben diese Asche im April 2010 über den europäischen Kontinent. Zum Teil waren die Aschewolken so dicht, dass der Flugverkehr über Europa und die Langstreckenflüge nach Amerika tagelang eingestellt werden mussten. Insgesamt fielen damals etwa 100.000 Linienflüge aus.

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