https://www.faz.net/-gum-9incc

Sprengung von Lawinen : „Das Wetter muss entsprechend sein“

Militärhubschrauber in Österreich, der zu einer Lawinensprengung in den Alpen fliegt. Bild: dpa

Wie gehen Lawinensprengungen vor sich? Wann ist so etwas möglich? Und wer macht das? Ein Interview mit Oberst Bruno Kühberger, Chef des „Rescue Coordination Center“ des österreichischen Bundesheeres.

          2 Min.

          Herr Oberst Kühberger, Sie sind Chef des „Rescue Coordination Center“ des österreichischen Bundesheeres und haben am Wochenende Dutzende Lawinen sprengen lassen. Warum macht man das?

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Um Lawinen kontrolliert abgehen zu lassen. Man kann dann Straßen sperren oder Gebäude evakuieren, ehe die Lawine abgeht. Wie groß die wird oder wo genau die abgehen wird, kann man natürlich nicht vollständig kontrollieren, das macht die Natur von sich.

          Wann ist so etwas möglich?

          Das kann man nur auf Sicht machen, dafür muss das Wetter entsprechend sein. Das zweite ist: Wir müssen auf eine bestimmte Höhe kommen, um den Auslösepunkt der Lawine zu erreichen. Er soll so hoch als möglich sein, zumeist 2000 bis 2500 Meter. Wenn die Wolkenuntergrenze bei 1000 Metern ist, können wir das nicht durchführen. Dann würden wir nur den unteren Teil der Lawine lossprengen, und der große Teil kommt dann irgendwann nach.

          Und wie geht das vor sich?

          Als Vorbedingung wird immer ein Schneeprofil gegraben. Eine Lawinenwarnkommission, das sind zivile Spezialisten, wird mit dem Hubschrauber in den gefährdeten Bereich geflogen. Entweder sie werden abgeseilt mit der Winde. Oder es besteht eine Landemöglichkeit in der Nähe, wo keine Gefahr besteht, aber der Aufbau des Schnees der Gleiche ist. So werden die Schichten beurteilt, die zu einer Lawine führen könnten. Daraufhin wird die Menge des Sprengstoffs berechnet.

          Wer macht dann die Sprengung?

          Es gibt eigene Lawinensprengbefugte, zivil und militärisch. Im Bereich des Flugplatzes wird am Boden die Sprengladung vorbereitet. Es wird berechnet, wie der Verzögerungszünder eingestellt werden muss, um mit dem Hubschrauber aus dem gefährdeten Bereich wieder wegzukommen. Maximal sechs Stück pro Flug werden mitgenommen. Im oberen Bereich des gefährdeten Hanges werden dann mehrere Ladungen so plaziert, dass sie eine bestimmte Eindringtiefe in den Schnee haben, damit die Lawine optimal abgesprengt werden kann. Verwendet wird ein spezieller Sprengstoff namens Lawinit.

          Oberst Bruno Kühberger, Chef des „Rescue Coordination Center“ des österreichischen Bundesheeres.

          Wie gefährlich sind die Sprengladungen?

          Der Zünder wird erst in der Maschine aufgebracht, unmittelbar bevor die Ladung abgelassen oder geworfen wird. Besonders an steilen Hängen kommt es vor, dass man ein dünnes Seil zum Plazieren verwendet, damit man genau den Punkt erwischt, den man erwischen will. Dann fliegen wir aus dem Bereich der Sprengwirkung heraus und beobachten das aus der Weite: Ist die Lawine so abgegangen, wie wir uns das erwartet haben? Muss nachgesprengt werden? Sind alle Ladungen detoniert? Im Falle einer Fehlzündung sprengt eine neue Sprengladung die zuvor Fehlerhafte mit. Es darf auf keinen Fall passieren, dass eine nicht gezündete Ladung im Schnee liegen bleibt und später zu einer Gefahr werden könnte.

          Gibt es einen Signalton, bevor gesprengt wird, wie bei einem Steinbruch?

          Nein, der Ort der Sprengung ist ja weit von dem der Wirkung der Lawine entfernt. Es gibt unten Posten, die Skipisten oder Verkehrswege großräumig absperren.

          Welche Hubschrauber nehmen Sie?

          Mit kleineren Hubschraubern wie unserer Alouette-III geht das besser, damit man keine Selbstauslösung der Lawine herbeiführt. Bei unseren Black Hawk ist der Downwash durch die Rotoren zu stark. Die setzen wir ein, wenn wir Bäume entlang von Verkehrswegen oder Stromleitungen abblasen, damit sie durch den Schneedruck nicht beschädigt werden.

          Wer bezahlt die Einsätze, und wer bestimmt die Priorität?

          Die zivile Behörde beurteilt den Bedarf und die Katastrophensituation. Durch die Landeswarnzentralen wird der Assistenzeinsatz des Bundesheeres angefordert. Dafür wird den Ländern keine Rechnung gestellt. In einer Koordinierungsstelle wird die Prioritätenreihung aufgrund objektiver Gründe durchgeführt: Wer hat zuerst angefragt, wie hoch ist die Lawinenwarnstufe, wo sind mehr Menschen gefährdet?

          Tun Sie das auch in normalen Wintern, wenn es nicht so viel auf einmal schneit?

          Ja, natürlich. Das passiert jeden Winter. Im Sommer eher weniger.

          Topmeldungen

          Wer führt die Partei: Kanzlerin Merkel (rechts) oder die Vorsitzende Kramp-Karrenbauer?

          Aufgaben der CDU : Wirtschaftspolitik für die Bürger

          Die Bürger interessieren sich für die Kosten von Politik. Das muss die CDU wieder begreifen. Sparsamkeit bedeutet indes nicht, Sachwerte verfallen zu lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.