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Spenden-Einmaleins : Mehr Touristen = Mehr Unterstützung

Erdbebenopfer in Pakistan Bild: REUTERS

Je medienwirksamer eine Katastrophe, das hat man am Beispiel des Tsunami gesehen, desto schneller fließen die Spendengelder. Nach dem Erdbeben in der Kaschmirregion versagte dieses Spenden-Einmaleins: Zu wenige Touristen, zu wenig Aufmerksamkeit. Hilfsgüter sind dort noch immer knapp.

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          Der Optimismus hielt nicht lange. Im Januar verkündete Jan Egeland, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, 2005 könne das erste Jahr in der Geschichte werden, in dem die Regierungen ihre Hilfszusagen tatsächlich einhalten. Überwältigend war die Reaktion der Welt auf die Tsunami-Katastrophe in Asien ausgefallen: Nicht nur spendeten weihnachtlich gestimmte Privatleute großzügiger denn je, auch die Regierungen brachten zu Beginn des neuen Haushaltsjahrs rasch ansehnliche Summen auf.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Nun, nach - laut UN-Rechnung - 64 weiteren Naturkatastrophen und „komplexen Notsituationen“, ist im Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) längst wieder der bedrückende Alltag eingekehrt. Opfer des Erdbebens in Indien und Pakistan (FAZ.NET-Spezial: Erdbeben in Kaschmir) warten weiter auf Hilfe, weil das bisher bereitgestellte Geld nicht für genug Hubschrauber und ihr Flugbenzin reicht. Kaum mehr als ein Viertel der laut Ocha benötigten Soforthilfesumme von 550 Millionen Dollar hat Helfer und Opfer bisher erreicht. Den erfrierenden Obdachlosen in ihren Gebirgsdörfern kann es dabei kein Trost sein, daß viele Regierungen bereits für den langfristigen Wiederaufbau Kredite zugesagt haben, denn für akute Rettungsmaßnahmen darf dieses Geld nicht verwendet werden. Und für die weniger spektakulären Krisen, vor allem die Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und Hungersnöte in Afrika, kamen auch in diesem Jahr kaum mehr als Kleckerbeträge zusammen.

          Schnelle Tsunami-Hilfe: eine große Ausnahme

          Die Tsunami-Hilfe (Nach der Tsunami-Katastrophe: Urbane Wüste bis zum Horizont) stellte nicht nur wegen der großzügigen Spendensummen eine Ausnahme dar (inzwischen kam für die Nothilfe gut eine Milliarde Dollar zusammen), sondern auch wegen der Geschwindigkeit, in der das Geld bereitgestellt wurde. Ocha hatte schon einen Monat nach dem Seebeben mehr als 90 Prozent der zunächst veranschlagten Summe überwiesen bekommen - durchschnittlich sind einen Monat nach dem ersten Appell gerade einmal 16 Prozent der benötigten Summe auf den Konten der UN-Helfer eingegangen. „Hätten in Indien und Pakistan mehr Touristen im Moment des Erdbebens Fotos gemacht von den Menschen, wie sie im Schutt versinken, dann hätte es auch hier mehr Unterstützung gegeben“, sagte Egeland vor kurzem.

          Erdbebenopfer in Pakistan Bilderstrecke

          Bei dem Erdbeben steht Ocha wieder vor dem üblichen Bettel-Dreiklang: Zunächst muß die Behörde überhaupt die Aufmerksamkeit der UN-Staaten auf eine Krise lenken, denn nur in den spektakulärsten Fällen übernimmt das Fernsehen diese Aufgabe. Dann muß sie ihnen auf Geberkonferenzen das Versprechen abringen, möglichst hohe Summen zu spenden. Schließlich muß sie bewirken, daß die Staaten ihre Versprechen halten und das Geld binnen weniger Tage überweisen. Daß es gerade daran oft hapert, begründen viele Geberländer mit den aufwendigen Haushaltsprozeduren in ihren Parlamenten. Da für die Opfer einer Naturkatastrophe oft alles von schnellem Handeln abhängt, müssen die zuständigen UN-Organisationen Kredite aufnehmen. Wegen der Erfahrung, daß meist weder die geforderte noch die niedrigere zugesagte Summe zusammenkommt, müssen sie dabei zögerlicher sein, als ihnen angesichts der notleidenden Menschen recht sein kann.

          Sensationswert einer Krise ist entscheidend

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