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Space Shuttle : Unsicherer Ritt in den Orbit

  • -Aktualisiert am

Die „Discovery” wird zur Startrampe transportiert Bild: AP

Mitte Mai soll erstmals nach der Columbia-Katastrophe wieder ein Space Shuttle starten. Doch im Isoliermaterial des Treibstofftanks der Discovery ist ein Haarriß entdeckt worden. Die Nasa wiegelt ab.

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          Das Wort „Zuversicht“ steht derzeit bei den Managern des Programms für bemannte Raumflüge bei der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa ganz oben auf der Liste der beliebtesten Vokabeln. Man sei zuversichtlich, die Flüge der Raumtransporter wie geplant im Mai wiederaufnehmen zu können, sagt Bill Parsons, der Direktor des Shuttle-Programms. Auch sein Stellvertreter Wayne Hale ist zuversichtlich, daß man das Risiko im Griff habe. Sandy Coleman, die für die Konstruktion der großen Treibstofftanks verantwortliche Ingenieurin, läßt sich sogar zu der Behauptung hinreißen, beim ersten Flug eines Raumtransporters seit dem Verlust der Columbia vor mehr als zwei Jahren werde kein Stück Schaumisolierung vom Tank abfallen.

          Es war gerade ein solches kaum 900 Gramm wiegendes Stück Schaum, das beim Start der Columbia am 16.Januar 2003 ein Loch in die Isolierkacheln der Raumfähre schlug. Dieses Loch führte dann vierzehn Tage später beim Wiedereintritt des Orbiters in die Erdatmosphäre zum Auseinanderfallen der Raumfähre und zum Tod der sieben Astronauten an Bord. Aktuell sorgt ein Haarriß, der in der Isolierung der Treibstofftanks entdeckt wurde, abermals für Verunsicherung, freilich ohne die Vorbereitung des geplanten Discovery-Fluges zu stoppen.

          „Experimentelle Testflüge“

          Der überschwengliche Gebrauch des zuversichtlichen Wortes führt aber auch gelegentlich zu Widersprüchen, die indirekt zeigen, in welchem Dilemma sich die Nasa zur Zeit befindet. John Shannon, der für die Flüge der Shuttle-Flotte zuständige Manager, der auf einem Seminar in Houston die vielen neuen Methoden zur Inspektion der Hitzekacheln der Shuttles im Orbit vorstellt, gibt sich gewiß, daß man dabei Schäden an den Kacheln finden werde, weil man nun genau hinschauen könne. Solche Schäden entstehen, wenn beim Start Eis- oder Schaumstoffstücke vom Tank abfallen und dabei auf die Raumfähre schlagen.

          Wie gravierend ist ein Haarriß in den Treibstofftanks?

          Den Zustand, in dem sich das Shuttle-Programm befindet, beschreibt dessen Chefingenieur John Moratore wohl am deutlichsten, indem er die nächsten beiden Flüge von Raumfähren als "experimentelle Testflüge" einstuft. Tatsächlich hat die Nasa in den vergangenen zwei Jahren erhebliche technische Anstrengungen unternommen und damit das Risiko bei den Flügen der aus nur noch drei Orbitern bestehenden Flotte von Raumtransportern - zumindest theoretisch - verringert. Allein an der Raumfähre Discovery, die am späten Mittwoch abend (MESZ) aus der großen Montagehalle am Cape Canaveral in zehneinhalbstündiger Fahrt über eine Strecke von knapp sieben Kilometern zur Startrampe 39B transportiert wurde, gibt es 167 größere technische Modifikationen. Aber niemand bei der Nasa kann sich ganz sicher sein: Denn bei jeder Modifikation entstehen neue Risiken, die erst bei einem Testflug endgültig bewertet werden können.

          Beratergruppe wird offenbar ignoriert

          Das Auftreten der Nasa-Manager in diesen Tagen erinnert an die Haltung ihrer Vorgänger, die zwei Jahre nach der Explosion der Raumfähre Challenger im Jahr 1986 erklärten, noch nie seien die Raumtransporter so sicher gewesen wie bei der damaligen Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge. Auch heute sagt Shuttle-Direktor Parsons: „Die Discovery ist der sicherste Shuttle, den es je gab.“ Der Zuversicht der Nasa-Manager steht aber die kritische Distanz der von den ehemaligen Astronauten Thomas Stafford und Richard Covey geleiteten Beratergruppe gegenüber. Diese unabhängigen Fachleute sollen darauf achten, daß die Nasa alle Empfehlungen jener Kommission, die vor zwei Jahren den Verlust der Columbia untersuchte, auch tatsächlich in die Tat umsetzt. Obwohl der Abschlußbericht dieser Gruppe noch nicht vorliegt, die Nasa noch nicht einmal alle erforderlichen Unterlagen eingereicht hat, lassen die Manager die Fähre Discovery schon zur Startrampe rollen - als spielten die Empfehlungen der Stafford-Covey-Gruppe keine Rolle.

          Dieses Verhalten hat zweifellos damit zu tun, daß die Weltraumbehörde seit dem Rücktritt von Sean O'Keefe im Dezember führungslos ist. Zwar hat Präsident George W. Bush den Physiker Michael Griffin als neuen Nasa-Chef vorgeschlagen, aber bisher hat der Senat in Washington noch nicht einmal einen Termin für jene Anhörung festgesetzt, in der die Berufung bestätigt werden soll. Sollte die Stafford-Covey-Gruppe ein negatives Votum abgeben, kann sich aber nur der Nasa-Chef darüber hinwegsetzen und einen Start der Discovery anordnen.

          Bei dem Seminar in Houston wurde jedoch auch deutlich, daß alle technischen Modifikationen an den Raumtransportern eigentlich nur Flickwerk sind. Eine viel größere Verringerung des Risikos bei den Shuttle-Flügen wäre nämlich möglich, wenn einige Elemente, beispielsweise die thermische Isolierung des großen Treibstofftanks, neu entwickelt würden. Dazu ist die Nasa aber nicht bereit, denn in fünf Jahren werden Shuttle-Flüge ohnehin eingestellt und die drei Raumtransporter werden dann Museen übergeben. Bei den nächsten Flügen mit den Raumtransportern reiten die Astronauten gleichsam auf herzkranken Patienten in den Orbit, in deren Alter eine Herztransplantation nicht mehr rentabel wäre.

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