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Schiffsunglück vor Südkorea : Am Steuer stand eine Anfängerin

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Suche nach Überlebenden: Taucher auf dem Weg zur gesunkenen Fähre „Sewol“ Bild: dpa

Der Kapitän der „Sewol“ versucht, sein Verhalten bei der Katastrophe des Schiffs zu rechtfertigen. Die Fähre steuerte zum Unglückszeitpunkt eine 26 Jahre alte Offizierin ohne jegliche Erfahrung in den Gewässern.

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          Nach dem Unglück der südkoreanischen Fähre „Sewol“ gibt es kaum noch Hoffnung, in dem Wrack Überlebende zu finden. Aus dem Schiffsrumpf seien keine Geräusche zu hören, erklärte die Küstenwache am Samstag vor Journalisten. Taucher sahen demnach in einer Kabine drei Leichen. Ihnen sei es aber nicht gelungen, die Scheibe zu zerschlagen und die Opfer zu bergen.

          Die Taucher versuchten trotz widriger Wetterverhältnisse und starker Gezeitenströmung weiter, ins Innere des Wracks vorzudringen. Außerdem pumpen die Retter Luft ins Schiff. Damit es nicht weiter absackt, waren an dem Wrack große Hebesäcke befestigt worden.

          Wegen persönlicher Gründe nicht auf der Brücke

          Unterdessen äußerte sich der Kapitän Lee Jun Seok zu einigen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Lee bestätigte, dass er zum Unglückszeitpunkt nicht auf der Kommandobrücke des Schiffes war. „Es passierte, als ich gerade von einem kurzen Abstecher aus persönlichen Gründen in die Kabine zurückkam“, sagte er zu Reportern. Den Verdacht, er habe getrunken, wies der Kapitän zurück.

          Gegen ihn und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurde mittlerweile Haftbefehl erlassen, außerdem wird er von der Öffentlichkeit stark kritisiert. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Kapitän, gegen die Dienstpflichten und das Seerecht verstoßen zu haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, das sinkende Schiff im Stich gelassen zu haben.

          Der Kapitän erklärte auch, weswegen er das Schiff erst so spät evakuieren ließ. Zum Unglückszeitpunkt sei kein Rettungsschiff oder Fischerboot in Sicht gewesen, sagte er. „Die Strömung war sehr stark und das Wasser war kalt.“ Er habe befürchtet, dass die Passagiere von der Strömung fortgerissen werden könnten.

          Auch gegen den Steuermann und die Dritte Offizierin erließ das Gericht Haftbefehle. Die 26-Jährige steuerte die Fähre zur Unglückszeit zum ersten Mal, wie Medien berichteten: Vor der Fahrt habe die junge Frau mit dem Nachnamen Park noch nie ein Schiff durch die Gewässer gesteuert, die für ihre starken Strömungen berüchtigt sind, berichtete der staatliche Sender Arirang und berief sich auf die Ermittler.

          Unglücksursache weiterhin unklar

          Die Fähre war am Mittwoch auf dem Weg von der Hafenstadt Incheon zur Ferieninsel Jeju gekentert und hatte 476 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord. 174 wurden gerettet. Viele der Passagiere waren Schüler, die auf dem Weg zu einer Exkursion waren.

          Warum die Fähre verunglückte, ist weiterhin unklar. Ermittler konzentrieren sich etwa auf ein Versagen der Besatzung oder falsche Beladung. Das Unglück ereignete sich nach den ersten Untersuchungen an einer Stelle, an der das Schiff einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Das Manöver könnte die Ladung verrutschen haben lassen. Nach Angaben des Leiters des Ermittlungsteams, Park Jae Uhk, muss noch geklärt werden, ob es „eine normale Richtungsänderung war oder eine Kursänderung infolge von nicht normalen Begleitumständen“.

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