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Schiffsunglück vor Südkorea : Haftbefehl gegen Kapitän

Dieses Bild soll den Kapitän der gesunken Fähre zeigen (3. von rechts), wie er das Schiff verlässt Bild: dpa

Der Kapitän der südkoreanische Fähre „Sewol“ war zum Unglückszeitpunkt nicht auf der Kommandobrücke. Als das Schiff zu kentern drohte, verließ er das Schiff. Nun wurde der 69 Jahre alte Lee Joonseok verhaftet.

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          In den Gewässern südwestlich von Südkorea haben Küstenwache, Marine und private Rettungskräfte auch am Freitag verzweifelt versucht, Überlebende der am Mittwoch gesunkenen Fähre „Sewol“ zu finden. Regen, stürmische See und starker Wind behinderten die Bergungsarbeiten massiv. Rettungskräfte erklärten, es gebe nur noch eine „geringe Chance“, Überlebende aus dem gesunkenen Wrack zu bergen. Von den 495 Passagieren wurden bis Freitag Nachmittag 29 tot aus der See geborgen, 179 waren gerettet worden, 268 sind noch vermisst. 325 der Passagiere waren Schüler einer Oberschule aus einer der Vorstädte Seouls auf einem Schulausflug auf die Ferieninsel Jeju im Süden Koreas, die als „koreanisches Hawaii“ ein beliebtes Ziel auch für Touristen aus China und aus Japan ist.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          632 Taucher waren nach Angaben der südkoreanischen Behörden am Freitag in Schichten im Dauereinsatz. Trotz der schlechten Witterungsbedingungen versuchten sie immer wieder, im Wrack Überlebende zu finden – bis zum Freitagabend allerdings ohne jeden Erfolg. Starke Unterwasserströmungen und schlechte Sicht erschwerten die Arbeit der Taucher. „Weiter als 20 oder 30 Zentimeter kann man nichts sehen“, erklärte einer der Rettungskräfte. 173 Schiffe und 29 Hubschrauber sind an der Unglücksstelle im Einsatz. Bislang konnten sie allerdings nur Tote bergen. Alle Toten trugen Schwimmwesten, die sich vermutlich an der Fähre verhakt hatten, so dass sie erst am Freitag an die Meeresoberfläche gespült wurden.

          Südkorea : Unglücksfähre wurde bei Unglück nicht von Kapitän gesteuert

          Um die Überlebenschancen der Menschen zu erhöhen, die möglicherweise im Inneren des Schiffs gefangen sind, ließen die Taucher auch Luft in das Wrack, das in mehr als 30 Meter Tiefe in einem Gebiet im Sand liegt, in dem es starke Unterwasserströmungen gibt. Experten erklärten den Angehörigen der zumeist jugendlichen Vermissten, in Luftkammern könnten Menschen bis zu 72 Stunden überleben. Auch Roboter sollten vom Freitag für die Suche nach Überlebenden eingesetzt werden.

          Wachsender Unmut über Krisenmanagement

          Die Wut der Öffentlichkeit über die Vorfälle richtete sich vor allem gegen den 69 Jahre alten Kapitän der Fähre, Lee Joonseok. Ermittlungen am Freitag ergaben, dass Lee zum Zeitpunkt des Unglücks nicht auf der Brücke war. Das Kommando habe ein junger Mann geführt, der gerade mal ein Jahr Erfahrung habe, hieß es. Lee hatte als einer der ersten mit einem Rettungsboot das Schiff verlassen. Untersucht wird auch, ob er die Durchsage veranlasst hat, die Menschen sollten ruhig an ihren Plätzen bleiben – und somit verhindert hat, dass sich mehr Passagiere in Sicherheit bringen konnten. In südkoreanischen Medien hieß es sogar, Lee habe das einzige funktionsfähige der 46 Rettungsboote der Fähre benutzt.

          Ein Gericht erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen den Kapitän und zwei weitere Besatzungsmitglieder. Am Samstagmorgen (Ortszeit) wurde er festgenommen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Ihm werden mehrere Straftaten vorgeworfen, darunter fahrlässige Pflichtverletzung und die Verletzung des Seerechts. Am Vortag war er von den Behörden noch als „Zeuge“ bezeichnet worden. „Ich schäme mich sehr, und mehr habe ich nicht zu sagen“, erklärte er, als er auf das Polizeirevier in Mokpo im Süden des Landes gebracht wurde.

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