https://www.faz.net/-gum-9aq2c

Gefahr durch Senioren : Achtung, Opa am Steuer!

Autofahrer ab 75 Jahren stellen eine größere Gefahr dar als Fahranfänger. Bild: dpa

Ältere Verkehrsteilnehmer verursachen immer mehr Unfälle. Doch sie erkennen die sinkenden eigenen Fähigkeiten oft nicht. Viele fürchten durch Verbote in ihrer Freiheit beschnitten zu werden. Was tun?

          4 Min.

          Eine 81 Jahre alte Autofahrerin raste am Samstag in Wilnsdorf im Siegerland ungebremst in eine Gruppe von fünf Motorradfahrern, die gerade an einer Bushaltestelle standen. Zwei der Männer wurden schwer verletzt, die Seniorin kam mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus. Ein 88 Jahre alter Fahrer verwechselte wenige Tage zuvor in Hessisch Oldendorf Gas- und Bremspedal, zwei Fußgänger konnten sich nur durch einen Sprung auf ein parkendes Auto retten. Vor zwei Wochen fuhr ein 81 Jahre alter Fahrer im Dahme-Spreewald-Kreis auf einer Bundesstraße mit hohem Tempo in eine Gruppe von vier Radfahrern; eine 51 Jahre alte Frau starb am nächsten Tag im Krankenhaus, die beiden Männer und die andere Frau wurden schwer verletzt. In Berlin hatte eine Woche zuvor ein 75 Jahre alter Mann sein Auto in eine Gruppe Jugendlicher gelenkt, als er beim Linksabbiegen die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Ein 14 Jahre alter Junge und der Fahrer selbst erlitten schwere Verletzungen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Solche Meldungen wird es in den kommenden Jahren immer öfter geben. Autofahrer ab 75 Jahren sind bei drei Vierteln der Unfälle, an denen sie beteiligt sind, die Hauptverursacher. Damit stellen sie eine noch größere Risikogruppe dar als die 18 bis 21 Jahre alten Jugendlichen, bei denen dieser Wert bei 71 Prozent liegt. „Dass Senioren ein Problem im Straßenverkehr haben, ist schwer zu bestreiten“, sagt Siegfried Brockmann, Unfallforscher beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ab Mitte siebzig mache sich das deutlich bemerkbar. Die sichersten Autofahrer sind zwischen 55 und 65 Jahren alt, sie sind erfahren und vermeiden zugleich Risiken, die jüngere Autolenker aus Selbstüberschätzung und Leichtsinn eingehen. Danach aber nimmt die Fahrsicherheit ab.

          Allerdings sitzen – im Vergleich zur Gesamtzahl der Fahrer – die Älteren prozentual nicht so oft am Steuer. So haben Frauen, die älter als 70 sind, oft keinen Führerschein oder das Fahren schon aufgegeben. Doch das Bild wird sich in den nächsten zehn Jahren deutlich ändern. Dann nämlich kommt die Generation der Babyboomer, die heute zwischen Mitte fünfzig und Anfang sechzig ist, ins Risikoalter. Die Babyboomer haben fast alle einen Führerschein und fahren Auto, auch die Frauen. Die Zahl der Unfälle, die ältere Menschen verursachen, wird also stark zunehmen.

          In Europa sind Prüfungen für Senioren schon Standard

          Ältere Menschen sehen und hören schlechter als jüngere; vielen fällt es schwer, sich zu bewegen, weshalb sie auf den Schulterblick beim Abbiegen verzichten; sie nehmen oft Medikamente ein, die in der Wechselwirkung zuweilen die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Doch solche medizinischen Faktoren sind meist nicht entscheidend für die Fahrsicherheit. Das Hauptproblem liegt im kognitiven Bereich, etwa im sinkenden Vermögen der Älteren, komplexe Situationen richtig einzuschätzen. Wenn sich zum Beispiel auf einer Kreuzung Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger in unterschiedlichem Tempo bewegen, sind Senioren oft überfordert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.