https://www.faz.net/-gum-ag69k

Nach Seilbahn-Unglück : Eitan bleibt vorerst in Israel

  • Aktualisiert am

Angehörige des sechs Jahre alten Eitans betreten am Donnerstag das Familiengericht in Tel Aviv. Bild: Reuters

Der Sorgerechtsstreit um den einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore dauert an, es wird sogar wegen Entführung ermittelt. Nun hat ein Familiengericht in Tel Aviv eine vorläufige Entscheidung getroffen.

          2 Min.

          Der Sorgerechtsstreit um Eitan B. geht in die nächste Runde. Der sechs Jahre alte Junge ist der einzige Überlebende des Seilbahnunglücks vom Pfingstsonntag am Lago Maggiore mit 14 Toten. Ein Familiengericht in Tel Aviv entschied am Donnerstag nach der Anhörung von Vertretern der beiden zerstrittenen Familienzweige des Waisen, dass Eitan zunächst bis zum 8. Oktober in Israel bleiben soll. Dann soll die Verhandlung vor dem Familiengericht fortgesetzt werden.

          Der Junge war am 11. September von seinem Großvater mütterlicherseits von Pavia in Norditalien nach Tel Aviv gebracht worden. Die Verwandten des Jungen in Italien um dessen Tante väterlicherseits Aya B. werfen dem Großvater Shmulik P. vor, Eitan nach Israel entführt zu haben. Der in Israel lebende Großvater hatte während eines Aufenthalts in Italien mit Aya B. vereinbart, Eitan nach einem Tagesausflug wieder nach Pavia zurückzubringen. Stattdessen ließ er sich mit dem Auto nach Lugano in die Schweiz fahren, um von dort gemeinsam mit Eitan in einem Privatflugzeug nach Tel Aviv zu fliegen.

          Eitan hatte beim Absturz der Seilbahngondel nach dem Riss des Zugseils vom 23. Mai seinen Vater, seine Mutter, seinen zwei Jahre alten Bruder sowie seine Urgroßeltern mütterlicherseits verloren. Der Junge wurde bei dem Unglück schwer verletzt. Seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am 10. Juni hatte Eitan bei der Schwester seines umgekommenen Vaters in Norditalien gelebt. Eitans Tante väterlicherseits Aya und deren Ehemann Ore B. haben selbst Kinder, die etwa so alt sind wie Eitan.

          Ein Familienrichter in Pavia hatte das Sorgerecht für Eitan Aya B. ereilt. Eitans Großeltern mütterlicherseits Shmulik und Esther P. fechten diese Entscheidung an. Shmulik P. sagte nach seiner Heimkehr nach Israel, er habe das Vertrauen in die italienischen Behörden verloren und sich deshalb entschlossen, Eitan auf eigenen Faust nach Tel Aviv zu bringen. Shmulik P. war noch im Besitz des Passes seines Enkels, obwohl er diesen gemäß Beschluss des Gerichts in Pavia hätte abgeben müssen. Die Staatsanwaltschaft von Pavia ermittelt gegen Shmulik P. wegen Entführung.

          Zu dem Gerichtstermin war Aya B. nach Tel Aviv gereist. Außer ihr und Eitans Großvater Shmulik P. waren zu der Anhörung des Gerichts am Donnerstag keine weiteren Verwandten des Jungen zugelassen. Aus Justizkreisen hieß es nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur, Eitan werde bis zum nächsten Gerichtstermin die Hälfte der Zeit bei den in Israel lebenden Verwandten mütterlicherseits verbringen, die andere Hälfte bei der aus Italien angereisten Tante Aya B. und deren Ehemann Ore.

          Ore B. hatte gegenüber italienischen Medien den Verdacht geäußert, bei dem Sorgerechtsstreit gehe es auch um das erhebliche Erbe der am 23. Mai ebenfalls verstorbenen Urgroßeltern Eitans mütterlicherseits. Shmulik P. wies die Anschuldigungen zurück und versicherte, sein Enkel sei in Italien als Geisel festgehalten worden. Um eine Lösung des Streits bemühen sich auch die diplomatischen Vertreter der beiden Staaten.

          Topmeldungen

          
              China rüstet nuklear auf: Militärparade mit Atom

          Nukleare Aufrüstung : Testet China Hyperschallgleiter?

          Ein neues Waffensystem könnte Amerikas Raketenabwehr überwinden. Berichte über den Test eines Hyperschallgleiters, der aus dem Weltall angreifen soll, werden aber von Peking dementiert.
          Michael Kaufmann (AfD) im März 2020

          Neuer Bundestag : Diesen Kandidaten schickt die AfD ins Rennen

          In der vergangenen Legislaturperiode sind sechs Kandidaten der AfD bei der Wahl für das Amt eines Vizepräsidenten des Bundestages durchgefallen. Jetzt kandidiert Michael Kaufmann. Hat er eine Chance?
          Bild einer menschlichen Immunzelle

          Checkpoint-Therapie : Befreite Abwehr

          Entscheidung am Checkpoint: Wie der Schutzschirm, den ein Tumor um sich herum aufbaut, gezielt ausgeschaltet wird, um das Immunsystem scharf zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.