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Sechs deutsche Urlauber tot : „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld“

Kerzen und Blumen erinnern an der Unglücksstelle in Luttach an die sechs getöteten jungen Deutschen. Bild: dpa

In Südtirol ist ein Auto in eine Gruppe aus deutschen Touristen gerast und hat dabei sechs junge Deutsche getötet. Elf weitere Menschen wurden verletzt, vier davon schwerst. Der Fahrer war vermutlich betrunken.

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          Die Serie von Unfällen mit deutschen Opfern beim Winterurlaub in Südtirol hat in der Nacht zum Sonntag eine tragische Fortsetzung gefunden. Bei einem katastrophalen Autounfall in Oberluttach im Ahrntal starben in den frühen Morgenstunden sechs deutsche Urlauber im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Weitere elf Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwerst. Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach am Sonntagmorgen bei einer Pressekonferenz am Ort des Geschehens von einer „schrecklichen Tragödie“. Wie Kompatscher zeigten sich auch Bürgermeister Helmut Klammer sowie die Leiter der Einsatzkräfte fassungslos.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zu dem Unfall kam es kurz nach ein Uhr nachts, als ein Audi TT mit offenbar überhöhter Geschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt Oberluttach die Gruppe von Fußgängern beim Überqueren der Fahrbahn erfasste. Die sechs Opfer aus Deutschland starben noch an der Unfallstelle. Von den vier Schwerstverletzten stammen zwei ebenfalls aus Deutschland, bei zwei der Verletzten mit Schädel-Hirn-Trauma handelt es sich um Einheimische aus Südtirol. Zwei der Schwerverletzten wurden mit einem Rettungshubschrauber und einem Notarztwagen nach Innsbruck gebracht, die beiden anderen werden in den Krankenhäusern Bozen und Bruneck versorgt. Die Leichtverletzten wurden in Kliniken nach Bozen und Brixen gebracht.

          Identifizierung der Opfer noch nicht abgeschlossen

          Die Identifizierung der Todesopfer und der Schwerverletzten dauerte am Sonntagnachmittag noch an. Ein Sprecher der Polizei in Bozen teilte am Sonntagmittag mit, eine getötete Person aus Köln und eine aus Remscheid habe man identifizieren können. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats Mailand stünden in Kontakt mit den zuständigen italienischen Behörden, die mit der Identifizierung der Verunglückten befasst seien und unterstützten die Behörden bei der Betreuung der Betroffenen. Die Opfer gehörten nicht alle zur gleichen Reisegruppe aus dem Norden Deutschlands. Nicht alle Opfer führten Personalpapiere mit sich.

          Nordrheinwestfalens Ministerpräsident Armin Laschet gab auf Twitter bekannt, man müsse davon ausgehen, dass die meisten Opfer aus NRW stammten. „Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig“, teilte er mit. „Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land.“ Den Opfern und ihren Familien gelte die tiefe Anteilnahme der Landesregierung.

          Bei dem Unfallfahrer handelt es sich um einen 27 Jahre alten Mann aus Kiens nahe Bruneck. Der Mann stellte sich nach dem Unfall den Carabieneri. Bei einer Blutprobe wurde ein Alkoholgehalt von 1,97 Promille festgestellt. Der Mann wurde verhaftet und muss sich wegen „Totschlags im Straßenverkehr“ (omicidio stradale) verantworten. Ihm drohen acht bis zwölf Jahre Gefängnis.

          Rückweg aus der Disco

          Die Reisegruppe aus Deutschland war nach Angaben italienischer Medien in einem Gasthaus in Oberluttach untergebracht, in dem seit Jahren Schüler- und Studentengruppen ihren Skiurlaub verbringen. Die Gruppe befand sich auf dem Rückweg von einem Besuch des Disco-Pubs „Hexenkessel“ im rund drei Kilometer entfernten St. Johann nahe des Skigebiets Klausberg. Gemeinsam sowie mit anderen Fahrgästen fuhren sie mit dem nachts verkehrenden Linienbus „Nightliner“ zurück nach Oberluttach. Als die Gruppe die Fahrbahn überquerte, wurde sie von dem Audi erfasst, der offenbar ungebremst in die Fußgänger raste.

          Den Einsatzkräften, die vier Minuten nach dem ersten Notruf von 1.15 Uhr an der Unglücksstelle eintrafen, bot sich ein Bild des Schreckens. Ein Feuerwehrmann, der als einer der ersten am Unfallort eintraf, sagte einem örtlichen Nachrichtenportal: „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“ Der Einsatzleiter der Feuerwehr Luttach löste angesichts der Vielzahl der Opfer Großalarm aus. Bis zum Abtransport der letzten Verletzten gegen 3.30 Uhr waren 17 Rettungsfahrzeuge sowie ein Hubschrauber, acht Notärzte, 50 Sanitäter sowie zahlreiche Feuerwehrleute im Einsatz. Insgesamt beteiligten sich 160 Rettungskräfte an dem Einsatz, auch Notfallseelsorger kamen zu der Unfallstelle.

          Nicht der erste Unfall eines Deutschen

          Erst am vergangenen Wochenende waren bei einem Lawinenabgang auf einer von den Betreibern des Skigebiets freigegebenen Piste im Schnalstal eine Frau und zwei Kinder aus Thüringen und Nordrhein-Westfalen getötet worden. Am Samstag stürzte ein ebenfalls aus Deutschland stammender Skitourengeher nahe Gröden in den Tod, weil er offenbar einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Sein Leichnam wurde gegen 22.30 Uhr 400 Meter unterhalb der Absturzstelle von der Bergwacht geborgen.

          Die norditalienische autonome Region Südtirol mit der Landeshauptstadt Bozen ist eine bei Deutschen winters wie sommers sehr beliebte Urlaubsregion. Rund zwei Drittel der etwa 530.000 Einwohner der Region sind deutsche Muttersprachler. Der Fremdenverkehr ist neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. Die Region verzeichnete zuletzt gut 7,5 Millionen Gäste pro Jahr mit rund 33 Millionen Übernachtungen.

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