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Waldbrände in Kalifornien : Der Dunst reicht bis zur Stratosphäre

  • -Aktualisiert am

Apokalyptische Endzeitstimmung: Orangefarbene Rauchschwaden über Kalifornien. Bild: dpa

Westlich der Rocky Mountains brennen die Wälder: Mittlerweile wüten in mehr als sieben Bundesstaaten verheerende Feuer. Wegen schönen Wetters könnte es sogar noch schlimmer werden.

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          Wer dieser Tage auf einem Linienflug an der amerikanische Westküste zwischen Seattle und San Francisco entlang fliegt, der ahnt die Brände, ohne sie zu sehen. Selbst auf Reiseflughöhen von zehn Kilometern bewegen sich die Flugzeuge in bläulichem Dunst, der fast überall in den Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien die Fernsicht behindert. An vielen Stellen sieht man von oben durch den Dunst riesige weiße Wolken, die vom gebirgigen Erdboden bis an die Unterkante der Stratosphäre reichen und dort zu dem feinen Qualm zerfasern. Für die Bewohner am Boden lässt dieser Dunst die Sonne in einem fahlen orangefarbenen Licht erscheinen. In Portland, der größten Stadt Oregons, war der Dunst am Wochenende sogar so dicht, dass die Katastrophenschutzbehörde davor warnten, sich draußen sportlich zu betätigen.

          Der Dunst stammt vom Rauch und Qualm der vielen Waldbrände, die zur Zeit in den westlichen Bundesstaaten Amerikas wüten. Sie verpesten die Luft und lassen gelegentlich sogar 100 Kilometer von einem Brandherd entfernt noch etwas Asche regnen. Allein in Washington und Oregon gibt es gerade mehr als 25 große Waldbrände. Dem größten dieser Feuer fielen im Landkreis Okanogon schon fast 1000 Quadratkilometer Wald zum Opfer. Drei Feuerwehrleute kamen ums Leben, als sie von Flammen dieses Brandes eingeschlossen in ihrem Wagen zu fliehen versuchten. Präsident Obama hat inzwischen den Notstand erklärt, um damit ohne viel bürokratischen Aufwand Ressourcen aus der Hauptstadt an die Westküste fließen zu lassen.

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          Westlich der Rocky Mountains ist nahezu jeder Sommer Waldbrand-Zeit. Das liegt hauptsächlich am Klima in dieser Gegend, denn normalerweise regnet es hier zwischen Mai und Oktober überhaupt nicht. Gras und Gebüsch trocknen im Sommer aus und bieten so den idealen Zunder für Waldbrände. Selbst wenn es in dieser Gegend zu Gewittern kommt, regnet es selten aus den hohen Ambosswolken. Vielmehr sind die Blitze dieser trockenen Gewitter in der Lage, vertrocknete Vegetation in Brand zu setzen.

          Das geschah auch vor knapp drei Wochen in einer einsamen und fast unzugänglichen Gegend des Kings-Canyon-Nationalparks in Kalifornien. In steiles Gelände nördlich des Kings Flusses waren mehrere Blitze eingeschlagen und hatten das Unterholz entzündet. Zunächst ließen die örtlichen Feuerwehren den Brand gewähren, denn solche Feuer gehören zum natürlichen Ökozyklus in den Wäldern. Sie verbrennen das Unterholz und tote Bäume und schaffen damit Platz für neuen Bewuchs. So können die Samen der berühmten Mammutbäume der Sierra Nevada nur im Boden sprießen, wenn ein Waldbrand über sie hinweggegangen ist.

          Doch als vor einer Woche der Wind drehte, nahm der inzwischen als „Rough Fire“ bezeichnete Waldbrand eine gefährliche Wende. Alle Zeltplätze im östlichen Teil des Nationalparks wurden evakuiert. Mehr als 2500 Urlauber, die am Gebirgssee Hume Lake ihre Sommerferien verbrachten, mussten innerhalb von zwei Stunden die Gegend verlassen. Noch ist bei dem inzwischen von mehr als 2000 Feuerwehrleuten bekämpften Brand niemand ums Leben gekommen, aber die fast 100 Jahre alte Kings Canyon Lodge fiel vollständig den Flammen zum Opfer. Lediglich die zwei noch mit Handpumpen betriebenen uralten Zapfsäulen für Benzin haben das Feuer überstanden.

          Insgesamt, so teilte die kalifornische Behörde für Feuerüberwachung mit, bekämpfen mehr als 11500 Feuerwehrleute 15 große Waldbrände in dem bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaat. Sie werden von Hunderten Soldaten der Nationalgarde sowie von Gefängnisinsassen unterstützt, die bei guter Führung zu Waldbrandbekämpfern ausgebildet werden.

          Trotz dieses Großeinsatzes ist zur Zeit kein Ende der Waldbrände in Sicht. Der Wetterdienst sagt für diese Woche ein stabiles Hoch westlich der Rocky Mountains voraus. Es werde, so die Prognose, bei sinkender relativer Luftfeuchtigkeit noch wärmer. Außerdem könnten trockene Gewitter weitere Brände entzünden. Erst in der kommenden Woche werde sich ein Tiefdruckausläufer von der Küste Britisch-Kolumbiens langsam südöstlich in die Regionen verlagern, die am schlimmsten von den Bränden betroffen sind. Dann könnte es dort sogar zu Niederschlägen kommen.

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