https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/schwere-unwetter-in-vielen-regionen-in-der-nacht-zum-dienstag-17412997.html

Wasser, Schlamm, Sturmschäden : Schwere Unwetter in vielen Regionen

Dieses Fahrzeug hatte keine Chance gegen die Wassermassen, die die Autounterführung am Österreichischen Platz fluteten. Bild: dpa

In mehreren Bundesländern waren Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in der Nacht zum Dienstag im Dauereinsatz. Starkregen und Sturmböen sorgten unter anderem in Stuttgart für überschwemmte Straßen und umgeknickte Bäume.

          3 Min.

          Im Stuttgarter Schlossgarten entwurzelte der Orkan am Montagabend einen Baum und schleuderte Teile des Kupferdachs der Oper in den Park. Vier mal sechs Meter groß waren die Kupferteile, die auf dem Rasen landeten. Zum Glück waren während des Starkregens nur wenige Menschen im Schlossgarten unterwegs. Hätte der Regen sie nicht nach Hause getrieben, hätte es in dem im Sommer stets überfüllten Park sicher Verletzte, wenn nicht Tote gegeben. „Unser Dach sah plötzlich so aus wie das vom Guggenheim-Museum in Bilbao“, sagte der geschäftsführende Intendant des Staatstheaters, Marc-Oliver Hendriks. Den Dachdeckern gelang es noch in der Nacht, das Dach abzudichten. Dennoch versickerten im maroden Littmann-Bau wahrscheinlich 10000 Liter Regenwasser. Die etwa 250 Zuhörer eines Liederabends konnten die Oper nur über den Seitenausgang verlassen. Die Technik muss nun überprüft und ein Rang gesperrt werden. In welchem Umfang der Theaterbetrieb in den nächsten Wochen eingeschränkt sein könnte, wird geprüft.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Stuttgart, Ludwigsburg, kleinere Gemeinden wie Waldenbuch und Remseck sowie viele Orte in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen wurden von dem Gewitter und dem Starkregen besonders heimgesucht. In Reutlingen stürzte eine Lagerhalle ein, außerdem wurde ein Kindergarten überflutet. Das Notrufsystem war zeitweise überlastet, weil in kurzer Zeit mehr als 1000 Notrufe eingingen: Die Polizei vermutete zunächst einen Hackerangriff.

          Filmreife Rettung in Dußlingen

          Während des Starkregens stieg in Reutlingen und Umgebung der Pegel des Flusses Echaz auf bis zu 1,80 Meter, es sollen bis zu 76 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden sein. In Stuttgart waren mehrere Tunnel binnen kürzester Zeit überflutet. Die Fahrbahnen waren komplett mit Regenwasser bedeckt, sodass auch die Polizei ihre Dienstfahrzeuge nicht mehr aus den Wassermassen fortbewegen konnte. Der öffentliche Nahverkehr war unterbrochen.

          Mehrere Stuttgarter Tunnel liefen angesichts der Regenmengen voll mit Wasser. Bilderstrecke
          Nacht zum Dienstag : Unwetter sorgt in Stuttgart für Überschwemmungen

          In vielen Orten musste die Feuerwehr Keller auspumpen, Straßen reinigen oder überflutete Tunnel sperren. In Remseck und Waldenbuch soll durch die Überflutung von Tiefgaragen ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein. In Dußlingen im Landkreis Tübingen musste die Feuerwehr zwei Männer aus einem überfluteten Tunnel vor dem Ertrinken retten. Ein Mann war schon auf das Dach seines Autos geklettert, der zweite musste aus dem Führerhaus eines Kleinlasters befreit werden. Die Feuerwehrmänner wurden später selbst von den Wassermassen überrascht, sie konnten schließlich den überfluteten Tunnel nicht mehr mit dem Löschfahrzeug verlassen und mussten mit einem Schlauchboot gerettet werden. Erst vor drei Wochen war ein Bauarbeiter im Stuttgarter Leuze-Tunnel bei einem ähnlichen Gewitterregen ertrunken.

          Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) dankte den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr. 4000 Helfer seien in den Abendstunden und in der Nacht im Einsatz gewesen. Eine Ursache für die Starkregenereignisse und Extremwetterlagen sei der Klimawandel, sagte Strobl. Auch deshalb sei Klimaschutz eine der großen Herausforderungen der Menschheit.

          Auch in Bayern sind Gewitter, Stürme, Hagel und Starkregen weiter an der Tagesordnung. Während am Montag und in der Nacht zum Dienstag vor allem die Menschen in Teilen Südbayerns betroffen waren, hatten zuvor schon andere Regionen des Freistaats mit Unwettern zu kämpfen gehabt. Der Ort Mömlingen in Unterfranken stand nach heftigem Starkregen komplett unter Wasser, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Bis zu einem halben Meter hoch und mit Schlamm und Steinen vermischt war das Regenwasser, das die Gemeinde im Landkreis Miltenberg überflutete. Videos zeigen, wie Autos und Fahrräder sich durch die Wassermassen kämpfen. Vom späten Montagnachmittag an seien die Straßen komplett von den Wassermassen bedeckt gewesen und Keller vollgelaufen. Ein Motorradfahrer sei gestürzt.

          Starkregen und Stürme suchten auch den niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen heim. In der Nacht auf Dienstag habe es deshalb knapp 100 Notfalleinsätze gegeben, berichtete das dortige Landratsamt. Ein Abschnitt der Kreisstraße SR 49 müsse voraussichtlich für den Rest der Woche gesperrt werden, weil der Starkregen dort das Bankett komplett weggespült habe. Auch die durch den Landkreis verlaufende Staatsstraße 2147 sei teils gesperrt worden, da dort Überreste einer vom Unwetter zerstörten Garage lägen, hieß es. Einsatzkräfte von etwa 30 Freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis seien bis zum Dienstagvormittag mit vollgelaufenen Kellern, überfluteten Straßen, über die Ufer getretenen Bächen und heftigen Sturmschäden beschäftigt gewesen.

          Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, war Bayern im Juni mit fast 125 Litern je Quadratmeter das zweitniederschlagsreichste Bundesland Deutschlands. Nur in Baden-Württemberg regnete und hagelte es noch mehr.

          Topmeldungen

          Wenn Trinkwasser nicht stark genug erhitzt wird, können sich Legionellen bilden.

          Legionellen-Befall : Wenn die Dusche zur Gefahr wird

          Durch übertriebene Energiesparmaßnahmen können sich in Wasserleitungen und Wasserspeichern Keime vermehren. Worauf Hausbewohner und Mieter achten sollten – und wozu Vermieter verpflichtet sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.