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Schweinegrippe : Hilft bald ein Impfstoff?

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Um die Grippe wirkungsvoll bekämpfen zu können, eignet sich ein Impfstoff nach Ansicht vieler Wissenschaftler besser als neue Medikamente. Die Börse sieht das genauso: Während viele Kurse vielen, legten die der Impfstoffproduzenten zu.

          Die europäischen Impfstoffhersteller sind zumindest an der Börse die Profiteure der weltumspannenden Verunsicherung nach dem Ausbruch der Schweinegrippe. Während die Kurse anderer Unternehmen fielen, legten mehrere Arzneimittelproduzenten und Impfstoffwerke zu.

          Das Vertrauen in den Erfolg der Vakzinenhersteller ist nicht unbegründet: Fachleute vermuten, dass die wirkungsvolle Bekämpfung der neuen Grippe auf lange Sicht nicht von Medikamenten abhängen wird, sondern von der Verfügbarkeit eines Impfstoffs. „Grundsätzlich ist es möglich, einen solchen Impfstoff gegen die Schweinegrippe zu entwickeln“, sagt Johannes Löwer, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). „Dafür braucht man zunächst ein sogenanntes Saatvirus.“

          Als Saatvirus dient das gefährliche Schweinegrippevirus in leicht veränderter Form: Die Hülle des Virus bleibt gleich, das Innenleben wird so modifiziert, dass es weniger gefährlich ist. Damit wird verhindert, dass sich schon bei der Weiterentwicklung und schließlich bei der großtechnischen Produktion des Impfstoffs Mitarbeiter anstecken.

          Die Amerikaner arbeiten bereits am Saatvirus

          „Nach neuesten Meldungen sind die Wissenschaftler von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC schon jetzt dabei, ein Saatvirus herzustellen“, sagt der Virologe Löwer. Wie lange es dauert, bis das Saatvirus fertig ist, kann jetzt noch niemand sagen. „Wenn man Glück hat, dauert es nur drei Wochen; normalerweise ist die Entwicklung aber erst nach 18 Wochen abgeschlossen.“

          Anschließend muss man aber noch mit drei Monaten Produktionszeit für den markttauglichen Impfstoff rechnen. Die Viren für die Vakzine werden in speziellen bebrüteten Hühnereiern vermehrt, die frei von anderen Krankheitserregern sind. Aus diesen Eiern wird das angereicherte Virus schließlich gewonnen.

          Zwar befinden sich schon mehrere Impfstoffwerke in Wartestellung. Johannes Löwer sieht aber noch eine zweite Möglichkeit, die viel schneller Schutz bieten könnte. „Im Moment beschäftigt uns die Frage, ob möglicherweise auch der Impfstoff gegen die herkömmliche saisonale Grippe den Menschen helfen könnte, sich gegen die neue Schweinegrippe zu schützen“, sagt Löwer.

          Millionen Deutsche lassen sich jedes Jahr gegen Grippe impfen

          Jedes Jahr lassen sich 20 bis 30 Millionen Deutsche gegen Grippe impfen. Sollte diese Impfung auch gegen Schweinegrippe helfen, so müssten die Impfstoffwerke ihre Produktion schnell umstellen und steigern. Am PEI würde man gern genauer untersuchen, ob in der herkömmlichen Impfung eine Chance liegt. „Dazu brauchen wir aber das derzeit kursierende Schweinegrippevirus“, sagt der Virologe Löwer.

          Den gefährlichen Erreger könnten die Weltgesundheitsorganisation WHO oder Forscher aus anderen Ländern den deutschen Wissenschaftlern liefern. Allerdings besteht auch eine dritte Möglichkeit: Wenn in Deutschland der erste Mensch an Schweinegrippe erkrankt, könnten die PEI-Mitarbeiter den Erreger aus einem solchen Patienten isolieren und mit ihm arbeiten.

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