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Schlacht im Ersten Weltkrieg : „Wir werden die Geographie verändern“

Gedenken in Mesen: Hundert Jahre nach der Schlacht sind auch William, Herzog von Cambridge, und die belgische Prinzessin Astrid gekommen. Bild: EPA

Vor 100 Jahren rissen mit Sprengstoff gefüllte Minen Tausende deutsche Soldaten in den Tod. War die Schlacht bei Messines kriegsentscheidend? Ein Blick in die Vergangenheit.

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          Die Explosion am frühen Morgen des 7. Juni 1917 will sogar der damalige Premierminister David Lloyd George in London in Downing Street No. 10 gehört haben. Das mag man kaum glauben, die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs ist gut 200 Kilometer von Flandern entfernt, zudem trennt der Ärmelkanal die Insel vom Festland. Doch der Knall, eigentlich war es eine ganze Salve von Explosionen, ging nicht nur als lautestes von Menschen bis dahin erzeugtes Geräusch in die Geschichte ein, es veränderte auch den Verlauf des Ersten Weltkriegs maßgeblich.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Fast drei Jahre hatte sich die Front in Flandern kaum bewegt, hatten die Kriegsparteien ihre Stellungen weitgehend gehalten, obwohl in der Umgebung der alten belgischen Handelsstadt Ypern erbittert um jeden Quadratmeter gekämpft wurde – erstmals auch mit Giftgas, das deswegen „Yperit“ genannt wurde. Erst mit den gewaltigen Detonationen der Minenschächte im Juni 1917 gelang es den Briten aber schließlich, den „bösen Geist vom Wytschaete-Bogen“ zu bannen.

          Kaum Bodengewinne durch die Wühlarbeiten

          Die Schlacht bei Messines dauerte 17 Tage. Sie begann am 22. Mai mit einem Dauerbombardement der deutschen Truppen und endete am 7. Juni mit einer Offensive, mit der das Große Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers und Königs nicht gerechnet hatte. Noch zwei Monate später, am 5. August 1917, wurde die Verheerung im Bericht an Wilhelm II. (der Kaiser stand als Oberster Kriegsherr dem Großen Hauptquartier vor) heruntergespielt: „Die Wirkung dieser gewaltigsten Sprengung des Krieges ist überschätzt worden.“ Die Explosion habe „unter der dünnen Besatzung wenig Opfer gefunden“. Stark aber, wie jedes elementare Ereignis, sei „die seelische Wirkung auf unsere aus dem Schlaf gerissenen Truppen. Die begleitenden Tageserscheinungen, der weitgetriebene Luftdruck und die ausgestrahlten Hitzewellen verbreiten Verwirrung. Auch die rückwärtigen Besatzungen wissen von dem betäubenden Eindruck der umfassenden Sprengungen zu berichten. Daß trotzdem der Engländer stundenlang um den Besitz der benachbarten Höhen ringen musste, zeugt von erhabener Mannhaftigkeit unserer Leute die mit Worten nicht gewürdigt werden kann.“

          Der sogenannte Wytschaete-Bogen bei Ypern war ein Keil in der englischen Front. Seit dem Herbst 1914 scheiterten alle Versuche der Alliierten, den Bogen auf 15 Kilometer Länge zu durchbrechen und die Deutschen zurückzuschlagen. Und das ober- wie unterirdisch: Der Feind begann nämlich „schon Ausgang 1914 den unheimlichen und mühevollen Krieg unter der Erde“, wie es in einem Bericht nach Berlin heißt. „Tiefer liegend um 5 bis 10 m als der Deutsche unterfährt er mit seinen bis zu 20 m tiefen Stollen unseren vordersten Graben und zwingt zur Abwehr.“ Stollen wurden fortan von beiden Seiten gegraben und wieder zerstört. Auch diese Wühlarbeiten brachten kaum Bodengewinne, sie hatten aber den Vorteil, dass sie nicht so offensichtlich vonstatten gingen.

          „Erfolgreichste Offensive der Alliierten im Ersten Weltkrieg“

          So gelang es schließlich britischen, kanadischen, australischen und neuseeländischen Soldaten, sich bis zum Wytschaete-Bogen und unter die deutschen Stellungen vor zu graben und dort – 25 Kilometer landeinwärts – 26 Stollen mit Sprengstoff zu füllen. Während oberirdisch tagelang ein Geschosshagel niederging, drängte der britische General Herbert Plumer unter Tage zur Eile. Einen Tag vor der Zündung der mit Ammonal gefüllten Minenschächte sagte er zu seinen Männern: „Wir werden morgen vielleicht keine Geschichte schreiben, aber sicherlich die Geographie verändern.“ Plumer gelang beides, auch wenn wegen mangelhafter Zünder nur 19 Minen explodierten. Jeder Schacht war mit 21 Tonnen Sprengstoff gefüllt, der größte bei St. Eloi brachte es gar auf 42 Tonnen. Sie rissen Krater von bis zu 120 Meter Breite und 60 Meter Tiefe. Tausende Soldaten kamen um. Wie viele davor und danach im Trommelfeuer der 2250 Geschütze und durch den Einsatz von Giftgas starben, wurde nie geklärt.

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          Am 14. Juni hatten die Briten ihr Ziel erreicht und den Frontbogen vollständig erobert. Damit kann die Schlacht bei Messines, benannt nach dem Örtchen Mesen, als „erfolgreichste Offensive der Alliierten im Ersten Weltkrieg“ gelten. Danach folgte die Dritte Flandernschlacht, die von Ende Juli bis in den November des Kriegsjahrs 1917 andauerte. Die Alliierten konnten zwar weitere Geländegewinne verbuchen, doch wie alle Flandernoffensiven zuvor steht auch diese Schlacht an der Westfront wegen der enormen Verluste für den Schrecken dieses Krieges.

          Einer der sieben Minenschächte explodierte am 17. Juni 1955 unter einer Weide bei Mesen, ausgelöst durch die statische Elektrizität eines Gewitters. Die Detonation riss einen Krater von 60 Meter Durchmesser und 20 Meter Tiefe und tötete eine Kuh. Die übrigen bis heute nicht gefundenen Minenschächte dürften inzwischen eingestürzt oder mit Wasser gefüllt und damit unschädlich sein.

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