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Havarierte „Norman Atlantic“ : Noch 98 Vermisste nach dem Fährunglück

Endlich fester Boden: Ein Schiff bringt an Silvester Überlebende der „Norman Atlantic“ in Taranto (Italien) an Land. Bild: AP

Nach dem Brand auf der Fähre „Norman Atlantic“ in der Adria werden noch immer fast 100 Menschen vermisst. In Italien beginnt derweil die Debatte über Sicherheitseinrichtungen und darüber, wer am Ende die Kosten der Havarie zu tragen hat.

          Nach dem Brand auf der Fähre „Norman Atlantic“ in der Adria gibt es nach Angaben der italienischen Staatsanwaltschaft noch immer 98 Vermisste. Zugleich führt das Schiffsunglück zu neuen Debatten über die Sicherheitseinrichtungen und über die fehlende Unterstützung der Passagiere durch die Besatzung.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Nach Angaben des Leitenden Staatsanwalts von Bari, Giuseppe Volpe, waren zum Zeitpunkt des Feuers mindestens 499 Personen an Bord, unter ihnen drei illegale Immigranten, die als blinde Passagiere reisten, sowie 18 Fahrgäste ohne Reservierung.

          Von diesen Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurden bislang 390 gerettet; die letzten von ihnen erreichten erst am Donnerstag, vier Tage nach dem Unglück, einen Hafen. Nun besteht nur noch geringe Hoffnung, dass einige gerettete Passagiere mit einem griechischen Fischerboot nach Griechenland unterwegs sein könnten.

          Rettungsuntensilien haben nicht funktioniert

          Von den Todesopfern des Unglücks sind bislang elf bekannt, von denen neun geborgen wurden und zwei im Meer gesichtet wurden, ohne dass sie aus dem Wasser geholt werden konnten. Erste Autopsien an den Opfern ergaben, dass sie keinerlei Brandverletzungen hatten und entweder ertrunken oder am Rauch erstickt sind.

          Dies führt nun zu vielen Fragen rund um die Rettungseinrichtungen. Zum einen waren offenbar die Rettungsboote und Rettungsinseln nicht sicher genug für das Überleben in der rauhen See mit Wellen von bis zu sechs Metern Höhe. Rettungsinseln sind gekentert, und einige ihrer Insassen wurden am Sonntag aus dem Wasser geborgen.

          Aus einem Rettungsboot meldete sich ein italienischer Lastwagenfahrer noch mit dem Mobiltelefon bei der Familie; seither blieb er aber vermisst. Zugleich wurde bekannt, dass offenbar nicht alle Rettungsboote und Rettungsinseln zu Wasser gelassen werden konnten, offenbar aus technischen Gründen.

          Untätige Besatzung – hilflose Passagiere

          Von den geretteten Passagieren kommen unterdessen schwere Vorwürfe gegenüber der Besatzung. Es habe keinerlei Alarm gegeben. Obwohl das Feuer an Bord des Schiffes schon um 4.30 Uhr am frühen Sonntagmorgen ausgebrochen sein soll, berichteten Zeugen, sie seien erst um 5.20 Uhr in ihren Kabinen von Rauch und Lärm des Brandes geweckt worden; damit sei wertvolle Zeit verloren worden, in der Passagiere in Sicherheit hätten gebracht werden können.

          Die Besatzung der Fähre habe keine Hilfestellung geleistet, wird berichtet. Die Besatzung aus Italienern und Griechen habe sich zudem nicht verständigen können. In 24 Stunden auf dem Schiff habe man nicht einmal einen Tropfen Wasser zu trinken bekommen.

          Ein weiteres Kapitel der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung sind zudem die illegalen Einwanderer auf dem Schiff. Italienische Medien berichten von illegalen Einwanderern, deren Namen nicht auf der Passagierliste verzeichnet waren, die aber dennoch behaupteten, sie hätten für die Überfahrt bezahlt.

          Staatsanwalt Volpe aus Bari verwies zudem darauf, dass in Containern oder festgeklammert am Fahrgestell von Lastwagen weitere illegale Passagiere die Fähre erreichten. Dies ergäben Aussagen der drei geretteten illegalen Einwanderer, die von Mitreisenden auf dem Autodeck berichteten. Die Staatsanwaltschaft vermutet daher, dass bei der Untersuchung des Schiffswracks weitere Opfer entdeckt werden könnten.

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