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Samoa : Ganze Dörfer weggespült

  • Aktualisiert am

Eine Spur der Verwüstung hat der Tsunami am Lalomanu Beach von Samoa hinterlassen Bild: AFP

Auf Samoa ist die Zahl der Toten nach den verheerenden Tsunamis auf mehr als 150 gestiegen. Die Behörden teilten am Donnerstag mit, hunderte Menschen würden noch vermisst. Meterhohe Flutwellen hatten die Menschen zum Teil im Schlaf überrascht.

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          Nach dem verheerenden Tsunami auf den Samoa- Inseln in der Südsee ist die Zahl der Opfer am Donnerstag auf mehr als 150 gestiegen. Immer noch wurden Dutzende Menschen vermisst, die von den Tsunami-Wellen - manchmal vor den Augen ihrer Angehörigen - auf das Meer hinaus gerissen worden waren. Die ersten Leichen wurden am Strand angespült und geborgen.

          Weil die Wucht des Wassers an der Südküste der Hauptinsel mehrere Dutzend Dörfer und einige Ferienanlagen fortgerissen hatte, waren tausende Menschen obdachlos. In einigen Regionen waren Plünderer unterwegs, um sich auf Kosten der Geflüchteten zu bereichern, berichtete die Lokalpresse. Sie rissen die Reifen von verlassenen Autos und durchsuchten die Koffer geflohener Touristen nach Brauchbarem.

          In der ehemaligen deutschen Kolonie West-Samoa wurden offiziell 110 Tote bestätigt, darunter nach neuseeländischen Angaben sieben Touristen aus Neuseeland und Australien. Mindestens 3000 Menschen verloren dort ihre Bleibe. Das Fernsehen zeigte Kinder, die ihre Eltern suchten und Eltern, die hofften, ihre Kinder in Krankenhäuser zu finden.

          Helfer des Roten Kreuzes suchen nach Verschütteten
          Helfer des Roten Kreuzes suchen nach Verschütteten : Bild: AFP

          Blutkonserven gehen aus

          Ala Vena Ale sagte der Zeitung „New Zealand Herald“, seine Tochter habe zusehen müssen, wie ihre drei Kinder im Alter von drei, vier und sieben Jahren am Strand in Lalomanu ins Meer gerissen wurden. Eine Tochter wurde gerettet und lag schwer verletzt im Krankenhaus. Im selben Dorf verlor Faletolu Senara Tiatia 30 Familienmitglieder, berichtete er der Zeitung „The Press“.

          Auf der Nachbarinsel Amerikanisch-Samoa starben mehr als 30 Menschen, 1700 wurden obdachlos. Neun Menschen kamen auf der zu Tonga gehörenden Insel Niuatoputapu hunderte Kilometer südlich von Samoa um. Dort waren sechs Meter hohe Wellen hunderte Meter weit ins Land geschwappt.

          Das Krankenhaus in der Hauptstadt Apia war vom Ansturm der Verletzten überfordert. Den Ärzten gingen nach Medienberichten die Blutkonserven aus. Das Land brauche dringend Nahrungsmittel, Trinkwasser, Zelte und Plastikplanen, sagte Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi. Auf dem Flughafen trafen die ersten Maschinen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln von Hilfsorganisationen ein. 32.000 Menschen brauchten Hilfe, hieß es.

          Auf Amerikanisch-Samoa warnten die Behörden vor dem Ausbruch ansteckender Krankheiten, weil auch die Abwasserkanäle beschädigt worden waren. Auch hier kamen erste Hilfslieferungen an.

          Nur kurze Zeit zur Rettung

          Für die Tsunami-Warnungen in der Region um Samoa und Tonga ist das Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) in der Nähe von Honolulu auf Hawaii zuständig. 26 Anliegerstaaten sind ihm angeschlossen. Das Frühwarnsystem verfügt im Pazifik über ein Netz von Sensoren, die Erdstöße messen. Bojen und Satelliten liefern zusätzlich Daten über Meeresbewegungen in wissenschaftliche Überwachungszentren. In der Zentrale auf Hawaii werden die Daten ausgewertet. Computer berechnen Stärke und Ort des Bebens sowie die Richtung, in die sich die Erdschollen bewegen. Per E-Mail, Internet und SMS werden dann gegebenenfalls Warnungen an Bürgermeister und Behörden, aber auch an Privatleute verschickt. Viel Zeit, die gesamte Bevölkerung zu informieren, bleibt den Empfängern allerdings selten: Tsunamis breiten sich mit bis zu 1000 Kilometern pro Stunde aus. Das Warnsystem kam auch bei dem Tsunami zum Einsatz, der die Samoa-Inseln und Tonga traf. Ob die meisten Bewohner rechtzeitig über die drohende Gefahr informiert werden konnten, war am Mittwoch noch nicht klar. Auf den Inseln gibt es regelmäßig Übungen, bei denen die Bewohner das Verhalten bei Tsunami-Alarm lernen.

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