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Saarland : Erdbeben durch Kohleabbau

  • Aktualisiert am
Die Deutsche Steinkohle AG stoppte den Kohleabbau bis auf weiteres
          1 Min.

          Ein Erdbeben der Stärke 4,0 hat am Samstag Teile des Saarlandes erschüttert. Es habe sich um das stärkste jemals durch Kohleabbau im Saarland ausgelöste Beben gehandelt, teilte die RAG Deutsche Steinkohle AG mit. Dabei gab es nach Angaben der Polizei in Saarbrücken Sachschäden an Gebäuden, nach ersten Erkenntnissen wurde aber niemand verletzt.

          Die Deutsche Steinkohle AG kündigte am Abend an, den Kohleabbau im betroffenen Gebiet Primsmulde Süd bis auf weiteres zu stoppen. Durch das Beben wurde eine Kirche beschädigt. Ein Auto wurde von Teilen eines herabstürzenden Schornsteins getroffen. Meist handele es sich bei den Schäden um locker gewordene Schornsteine oder herabgefallene Dachziegel, berichtete die Polizei in Saarlouis. In Teilen der Stadt fiel der Strom aus. Das Beben sei im ganzen Landkreis Saarlouis zu spüren gewesen.

          In der Region gibt es immer wieder Beben durch den Bergbau, allein in diesem Jahr mehr als 30. Das bislang stärkste Beben wurde am 3. Januar gemessen und hatte eine Stärke von 3,4. Die für die Beurteilung der Folgen wichtige Schwinggeschwindigkeit erreichte damals 42,3 Millimeter pro Sekunde. Das jetzige Beben übertraf diesen Wert mit bis zu 93,5 Millimeter pro Sekunde deutlich.

          Müller fordert Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau

          Die Deutsche Steinkohle AG wird nun Gutachter beauftragen, die Ursache der Erschütterung schnellstmöglich zu klären, sagte eine Sprecherin. Bis dahin soll der Kohleabbau ruhen. Aus dem Gebiet Primsmulde Süd holt das Unternehmen weit mehr als die Hälfte seiner Kohleförderung im Saarland. Es beschäftigt dort rund 3500 Bergleute.

          Erst Anfang der Woche hatte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) seine Forderung nach einem raschen Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau an der Saar bekräftigt. Angesichts der häufigen Beben sei die Deutsche Steinkohle AG gefordert, ein schnelles Ende herbeizuführen. „Die Ereignisse sind aufgrund ihrer Zahl und Intensität den Betroffenen auf Dauer nicht zuzumuten“, hieß es in der Mitteilung vom Montag.

          Die Deutsche Steinkohle AG lehnt einen schnellen Ausstieg ab. Ein sozialverträgliches Ende sei vor 2014 nicht umsetzbar. Gegen den Bergbau gibt es im Saarland auch regelmäßig Demonstrationen. Die Betroffenen klagen, die Beben entwerteten und zerstörten ihr Eigentum und zehrten täglich an den Nerven von mehr als 100 000 Menschen.

          Die Stärke des Erdbebens am Samstag wurde vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg zunächst mit 3,9 und dann mit 4,0 angegeben. Die Erschütterungen seien im Bergwerk Saar im Feld Primsmulde Süd in einer Tiefe von etwa 1500 Metern aufgetreten.

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