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Im Westen Sibiriens : 51 Menschen sterben bei schwerem Grubenunglück

Blick von oben auf den Einsatz der Rettungskräfte an der Kohlemine Listwjaschnaja Bild: Reuters

Im Westen Sibiriens sind 51 Menschen bei einem der schwersten Grubenunglücke der vergangenen Jahre in Russland umgekommen. Präsident Wladimir Putin spricht von einer Tragödie.

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          Der Kusbass, Russlands wichtigstes Kohlefördergebiet, ist Trauer um Bergleute gewohnt. Doch die Tragödie vom Donnerstag erreicht ein besonders schlimmes Ausmaß: Mindestens 51 Menschen sind ums Leben gekommen, weil in der Kohlemine Listwjaschnaja in der Stadt Belowo im sibirischen Gebiet Kemerowo, in dem der Kusbass liegt, ein Feuer ausbrach und es vermutlich zu einer Methanexplosion kam. Zunächst war von elf ge­töteten Bergleuten und mehr als 40 verschollenen die Rede. Lange herrschte Ungewissheit, dann stieg die Zahl der Toten. Auch Retter sind unter ihnen. 

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Nach dem Unglück waren die Behörden zunächst von 52 Todesopfern ausgegangen, doch einer der totgeglaubten Retter wurde am Freitag lebend aufgefunden.

          Am Morgen soll sich Kohlenstaub in einem Lüftungsschacht entzündet, der Rauch sich im Schacht ausgebreitet haben; nach anderen Angaben hingegen nur auf einer Tiefe von 250 Metern. In der Mine arbeiteten zu diesem Zeitpunkt angeblich 285 Menschen, die meisten von ihnen kehrten rasch an die Oberfläche zurück, Dutzende indes mit Rauchvergiftungen. Der Gouverneur des Gebiets berichtete bald, in der Mine seien noch 46 Personen. Retter des Katastrophenschutzes versuchten, zu ihnen vorzudringen. Dann hieß es, sie hätten zurückkommen müssen wegen Explosionsgefahr; doch eine Gruppe sei nicht zurückgekehrt. Am Abend wurde über 46 getötete Bergleute und sechs ums Leben gekommene Retter berichtet. Die Regionalregierung teilte mit, es habe eine Explosion von Methan gegeben, die genauen Gründe des Unglücks solle aber nun eine Kommission klären.

          Ein Rettungswagen im Einsatz an der Kohlemine Listwjaschnaja
          Ein Rettungswagen im Einsatz an der Kohlemine Listwjaschnaja : Bild: AFP

          Im Kusbass wurde eine dreitätige Trauer ausgerufen, Präsident Wladimir Putin ließ sein Beileid ausrichten. Die Hinterbliebenen sollen entschädigt, die Sicherheit der Minen im Kusbass soll untersucht werden. Die betroffene Mine war angeblich im April und im Oktober überprüft worden; nach anderen Angaben begann die zweite Prüfung dagegen in dieser Woche. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass wurden im April 139 Verstöße festgestellt, auch gegen Brandschutzbestimmungen. So hätten in dem Lüftungsschacht, der sich nun mit Rauch gefüllt haben soll, Brandsensoren gefehlt. Wie stets bei schlimmen Unglücksfällen in Russland, wurden um­gehend Strafermittlungen aufgenommen, in diesem Falle wegen der Verletzung von Sicherheitsvorschriften; festgenommen wurden der Minendirekter, sein Stellvertreter und der Leiter des vom Brand betroffenen Teilstücks, wovon Aufnahmen verbreitet wurden.

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          Die Mine gehört dem Unternehmen SDS-Ugol, dem drittgrößten russischen Kohleförderer und -exporteur. Umweltschützer beklagen seit langem, der niedrige Preis der russischen Kohle, die weiter auch nach Deutschland verkauft wird, sei dadurch zu erklären, dass Arbeits- und Umweltschutzvorschriften nicht eingehalten werden. Im Kusbass, wo Putin im Juli 300 Jahre Kohleförderung feierte, hat in den vergangenen Jahren die offene Förderung in großen Tagebauen, die teils auf Stadtgebiet liegen, deutlich zugenommen. Die Lebenserwartung liegt in dem Gebiet deutlich unter der in Gesamtrussland. Die Bewohner klagen über Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Kohlenstaub und Schwelbrände auf Halden.

          In dem betroffenen Bergwerk gab es schon 2004 eine Explosion mit 13 Toten. Russlands schwerstes Grubenunglück der vergangenen Jahre ereignete sich 2007 in Nowokusnezk ebenfalls im Kusbass; damals kamen 107 Menschen ums Leben.

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