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Sinai-Halbinsel : Russischer Airbus zerschellt in Ägypten – 224 Tote

  • -Aktualisiert am

Traurige Gewissheit: eine Angehörige am Flughafen in St. Petersburg. Bild: dpa

Ein russisches Passagierflugzeug ist in einer Bergregion des Sinai zerschellt. Der Airbus A321 mit 224 Menschen an Bord war unterwegs vom Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg. Unbestätigten Angaben zufolge gab es ein technisches Problem.

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          Beim Absturz eines russischen Charterflugzeugs auf der Sinai-Halbinsel sind ägyptischen Behörden zufolge alle 224 Menschen an Bord getötet worden. Schon Minuten nach dem Start im Ferienort Scharm el Scheich am Roten Meer sei der Kontakt zu dem Airbus abgerissen, teilte das ägyptische Luftfahrtministerium am Samstag mit. Die meisten der 217 Passagiere waren den Angaben zufolge russische Urlauber auf dem Rückweg nach St. Petersburg.

          Wie den Daten der Seite Flighradar24 zu entnehmen ist, stieg der Airbus 321 nach dem Start kontinuierlich auf eine Flughöhe von 30.300 Fuß (rund 9200 Meter), ehe er rapide auf 33.500 Fuß (rund 10.200 Meter) stieg und schließlich in einen Sturzflug überging, in dem es 6000 Fuß (rund 1800 Meter) innerhalb von einer Minute verlor. Die ägyptischen Behörden gehen nach Angaben aus Sicherheitskreisen von einem technischen Defekt aus, ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden, er soll zusammen mit dem Stimmenrekorder zur Auswertung nach Moskau gebracht werden, hieß es.

          Das Flugzeug sei in einer Bergregion zerschellt, teilte das Luftverkehrsministerium in Kairo mit. „Rettungskräfte haben Trümmerteile des Airbus 321 gefunden“, sagte der Chef der ägyptischen Flugunfallbehörde, Ajman al-Mokdam. Man werde so schnell wie möglich mit der Suche nach der Unfallursache beginnen, erklärte er. Der Fundort liege nahe des Al-Arisch-Flughafens im äußersten Norden des Sinai am Mittelmeer. Gerüchte, wonach der Pilot versucht haben soll, in Al-Arisch notzulanden, wurden von offizieller Seite zunächst nicht bestätigt. 45 Krankenwagen waren zum Absturzort geschickt worden, um Tote zu bergen und mögliche Verletzte zu retten. Im Umkreis von fünf Kilometern an der Unglücksstelle fanden die Helfer allerdings nur noch Leichen. Schlechtes Wetter erschwere den Rettungskräften den Zugang zur Absturzstelle.

          Nach dem Start brach der Funkkontakt ab

          Die ersten 15 Leichen wurden nach Regierungsangaben gegen Mittag aus dem Wrack geborgen. Wie die Rettungskräfte mitteilten, zerbrach das Flugzeug in zwei Teile. Viele der Opfer säßen noch angeschnallt in ihren Sitzen, sagte ein Helfer. Ein Teil des Flugzeugs sei an einem Felsen zerschellt, der hintere Bereich in Flammen aufgegangen. Andere Helfer berichteten, die Trümmer des Flugzeugs seien zu großen Teilen in Flammen aufgegangen.

          Trümmerteile der Maschine seien in der Nähe des Al-Arish-Flughafens im äußersten Norden des Sinai am Mittelmeer gefunden worden, teilten Behörden mit.

          Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf einen Vertreter der russischen Luftfahrtbehörde, Flug 7K9268 sei um 05.51 Uhr Ortszeit (04.51 Uhr MEZ) in Scharm el Scheich gestartet. Das Flugzeug habe dann aber nicht wie erwartet Kontakt mit den Fluglotsen in Zypern aufgenommen. Es habe 23 Minuten nach dem Start keinen Kontakt mehr zu der Maschine gegeben, und sie sei auch nicht mehr auf dem Radar aufgetaucht. Der Pilot habe kurz zuvor Probleme mit dem Kommunikationssystem gemeldet. In St. Petersburg wurde das Flugzeug um 10.20 Uhr MEZ (12.20 Uhr Ortszeit) erwartet.

          Den Charterflug von Scharm el Scheich nach St. Petersburg hatte der Moskauer Reiseveranstalter Brisco gebucht. Das Flugzeug mit der Kennung EI-ETJ gehörte der sibirischen Gesellschaft Kogalimawija (kurz Kolavia) mit Sitz in Tjumen (Sibirien), die auch unter dem Namen Metrojet bekannt ist. Es war gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012, nach Angaben des Herstellers Airbus hatte es 21.000 Flüge mit insgesamt 56.000 Flugstunden hinter sich. Die russische Fluggesellschaft schloss menschliches Versagen als Grund für den Unfall aus. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Die Flotte von Kogalimawija besteht aus sieben Maschinen, darunter fünf Airbus A321. Flugzeuge der Airbus-A320-Familie gelten als sehr sicher und werden täglich auf Tausenden Flügen eingesetzt. Kolavia fliegt hauptsächlich Urlaubsreisende aus Russland nach Ägypten.

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