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Riss im Hochvogel : Eine Frage der Zeit, bis es kracht

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Der 2592 Meter hohe Hochvogel ist der Grenzberg zwischen dem Allgäu und Tirol. Bild: Imago

Am Gipfel des 2592 Meter hohen Hochvogels spaltet ein Riss das Gestein – und wächst stetig weiter. Geologen erwarten einen gewaltigen Felsabsturz.

          Eine gewaltige Staubentwicklung und einen starken Lärm, das erwartet Michael Krautblatter, Professor am Fachbereich Hangbewegungen der TU München, für den Hochvogel. Der Geologe geht davon aus, dass vom Gipfel des 2592 Meter hohen Grenzberges zwischen dem Allgäu und Tirol bald bis zu 260.000 Kubikmeter Fels und Geröll in Richtung Süden stürzen werden.

          Schon seit 100 Jahren bildet sich im Gipfelbereich des Hochvogel ein Riss im Fels. In den vergangenen Jahren hat der sich immer stärker geweitet. „30 Zentimeter, so lang wie ein Lineal, hat sich der Spalt allein seit 2014 aufgetan“, sagt Krautblatter, der die Entwicklung am Hochvogel seit vier Jahren genau beobachtet. Mittlerweile sei der Spalt 20 Meter tief und fünf Meter breit. Und pro Woche weitet er sich um bis zu einen Millimeter, bei Gewittern mit starken Niederschlägen sind es laut dem Geologen sogar zwei Millimeter.

          Der Hochvogel ist prädestiniert für Felsstürze. „Der Berg erinnert in seiner Form an das Matterhorn. Aufgrund dieser Form gibt es große Spannungen im Fels“, sagt Krautblatter. Zudem begünstigt der brüchige Hauptdolomit Felsstürze. Auch in den Jahren 1935, 2005, 2007 und 2016 wurden deshalb schon Gesteinsabbrüche am Hochvogel dokumentiert, bei denen jeweils mehrere tausend Kubikmeter Fels und Geröll ins Tal stürzten.

          Zwar werden von dem nun erwarteten Felssturz keine Siedlungen direkt betroffen sein. Weil ein Wall am Berg die Steinmassen aufhalten würde, rechnen die Experten allenfalls mit einer Staubwolke, die den 92-Seelen-Weiler Hinterhornbach in Tirol verhüllen wird.

          Alpenverein warnt Wanderer vor Besteigung

          Die Herausforderung am Hochvogel: An manchen Tagen steigen bis zu 200 Bergsteiger auf den Berg. Durch die vom Felssturz gefährdete Südwand des Berges verläuft der beliebte Bäumenheimer Weg, ein im Jahr 1904 errichteter Klettersteig. Nachdem der Tiroler Landesgeologe das gefährdete Gebiet begutachtet hatte, wurden im September 2014 zwar entsprechende Hinweistafeln angebracht und der Klettersteig gesperrt. Der Alpenverein warnt vor „absoluter Lebensgefahr“. Doch immer wieder missachten uneinsichtige Bergwanderer die Tafeln, auf denen vor der Begehung des Klettersteigs dringend gewarnt wird. Welche Folgen das haben kann, zeigt der Felssturz am Piz Cengalo im schweizerischen Bergell. Als dort am 23. August vergangenen Jahres rund drei Millionen Kubikmeter Gestein in die Tiefe stürzten, kamen acht Bergsteiger ums Leben, weil sie trotz Warnungen und Hinweistafeln das gefährdete Gebiet passierten.

          Das unvorsichtige Verhalten mancher Bergsteiger rührt auch daher, dass trotz der Wegsperrung bisher nichts passiert ist. Doch wann genau es am Hochvogel zu dem Felssturz kommen wird, können die Geologen nicht vorhersagen. Michael Krautblatter erwartet, dass sich kurz vor dem Abbruch des Gesteins der Spalt um mindestens einen Zentimeter pro Tag öffnen werde. Es sei sehr wahrscheinlich, dass das im kommenden Jahr passiere.

          Um in Zukunft Ereignisse wie am Hochvogel genauer prognostizieren zu können, haben die Münchner Forscher den Gipfelbereich des Berges mit sämtlicher verfügbarer Sensorik ausgestattet. Auf ein Hundertstel Millimeter genau können sie Bewegungen feststellen. Und sie hoffen, dass sie daraus Lehren ziehen können für ähnliche Ereignisse an anderen Bergen. Das Wissen werde man noch an vielen anderen Stellen in den Alpen brauchen, sagt Krautblatter.

          Die Forscher haben nicht nur den Hochvogel im Blick. An der Zugspitze untersuchen sie Veränderungen im Gratbereich und an der Höllentalklamm, sie sind im Tiroler Ötztal aktiv, wo wiederholt Felsstürze beobachtet werden, die vermutlich durch das Schmelzen des Vernagtferners und den Rückgang des Permafrostes verursacht werden. Und am Kitzsteinhorn im Salzburger Land beobachten sie ebenfalls die mehr Steinschläge und Felsstürze an Felswänden, die der Gletscherschwund freigelegt hat.

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