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Rettungsschächte : In Lengede 58 Meter, in Quecreek 74 Meter

  • -Aktualisiert am

Das „Wunder von Lengede”; 1963 wurden elf verschüttete Bergleute nach 15 Tagen lebend geborgen Bild: dpa

Schon mehrfach wurden mit der jetzt in Chile angewandten Methode verschüttete Kumpel gerettet. Doch die Lage im Kupferbergwerk San José ist weitaus schwieriger - schon deshalb, weil der Notschacht zehn Mal so lang sein muss.

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          Die geplante Rettung der 33 im chilenischen Kupferbergwerk San José ausharrenden Bergleute über einen Notschacht ist technisch schwierig und kann Monate dauern, aber mit dieser Methode wurden schon mehrfach verschüttete Kumpel gerettet. So gelangten etwa im Jahre 2002 neun Bergleute durch einen Notschacht aus einer Kohlegrube im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania ans Tageslicht. Im November 1963 konnten auf diese Weise auch elf Bergleute aus einer überfluteten Erzgrube bei Salzgitter gerettet werden. Die mehr als zwei Wochen dauernden Rettungsarbeiten wurden damals live im Fernsehen übertragen und hielten die Bundesrepublik in Atem. Als „Wunder von Lengede“ ist die Rettung ins kollektive Gedächtnis des Deutschlands der Nachkriegszeit eingegangen.

          Das Unglück im Schacht Mathilde der Eisenerzgrube von Lengede-Broistedt ereignete sich, als am 24. Oktober 1963 ein Klärteich auf dem Gelände der Schachtanlage einbrach und sich fast eine halbe Million Kubikmeter Schlamm und Wasser in die Grube ergossen. Von den 129 damals unter Tage arbeitenden Bergleuten konnten sich 79 innerhalb weniger Stunden retten. Im Laufe der folgenden Woche wurden weitere Kumpel aus der Grube befreit. Zu elf in einer Luftblase in einem Blindstollen überlebenden Bergleuten bekam man aber erst nach zehn Tagen Kontakt. Sie hatten sich durch Klopfzeichen bemerkbar gemacht, die von einem in eine Sondierbohrung hinabgelassenen Mikrofon registriert wurden.

          Drei Tage bis in 58 Meter Tiefe

          Die Rettungsmannschaften verlängerten daraufhin die im Durchmesser nur knapp sechs Zentimeter große Sondierbohrung bis in die Luftblase. Während die Kumpel durch diese Bohrung mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgt wurden, begann man von der Erdoberfläche aus parallel dazu eine 52 Zentimeter große Rettungsbohrung abzuteufen, den Notschacht. Es dauerte drei Tage, bis diese Bohrung den Stollen in 58 Meter Tiefe und damit die verschütteten Bergleute erreichte. Danach wurde ein zigarrenförmiger Stahlkorb, bekannt als „Dahlbusch-Bombe“, durch den neuen Schacht hinabgelassen, in dem die Kumpel dann einzeln ans Tageslicht gebracht werden konnten. Ähnlich kurz war auch der Notschacht, den amerikanische Rettungsmannschaften im Jahre 2002 zu neun in der Quecreek-Kohlegrube im Landkreis Somerset in Pennsylvania verschütteten Bergleuten bohrten. Sie konnten nach 78 Stunden aus ihrem feuchten Gefängnis 74 Meter unter Tage gerettet werden.

          Bild: F.A.Z.

          Die Lage im Kupferbergwerk San José unterscheidet sich von den Unfällen in Lengede und Pennsylvania schon deshalb, weil der Notschacht dort zehn Mal so lang sein muss: die Kumpel sind in etwa 700 Meter Tiefe eingeschlossen. Dazu wurde am Montag auf dem Bergwerksgelände ein in Australien entwickeltes, mehr als 28 Tonnen schweres Bohrgerät aufgebaut. Damit soll zunächst ein im Durchmesser 37 Zentimeter großes Loch bis in jenen Stollen gebohrt werden, in dem sich die Bergleute aufhalten. Danach wird die dünne Vorbohrung auf einen Durchmesser von 66 Zentimetern erweitert. Wie schnell diese Arbeit vorangeht, kann allerdings niemand vorhersagen. Unter günstigen Felsbedingungen kann sich der große Bohrkopf jeden Tag bis zu 20 Meter tiefer in das Gestein graben. Das größte Problem wird sein, die Bohrung so vertikal wie möglich abzuteufen, denn derart große Bohrköpfe können leicht aus der Senkrechten abgelenkt werden, wenn sie auf ihrem Weg in die Tiefe die Grenzen verschiedene Gesteinsformationen durchstoßen.

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