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Nach Erdrutsch in Italien : Weiteres Todesopfer auf Ischia entdeckt

  • Aktualisiert am

Rettungskräfte vor Ort nach einem Erdrutsch auf der italienischen Ferieninsel Ischia. Bild: Reuters

Aufgrund schwerer Regenfälle ist es in der Stadt Casamicciola Terme zu einem Erdrutsch gekommen. Zwei Frauen kamen ums Leben, eine Kinderleiche wurde geborgen. Neun Menschen gelten weiterhin als vermisst.

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          Rettungskräfte auf der italienischen Insel Ischia haben nach dem heftigen Unwetter vom Samstag ein drittes Todesopfer entdeckt. Die Leiche der Frau wurde im nördlichen Küstenort Casamicciola entdeckt, erklärte die zuständige Präfektur in Neapel am Sonntagnachmittag. Zuvor hatte die Feuerwehr die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Bereits am Samstag stießen die Rettungskräfte auf eine tote Frau um die 30 Jahre. Neun Menschen gelten damit noch als vermisst.

          Regierung kündigt Notstand an

          Acht weitere Vermisste, darunter ein Kind, seien unterdessen aufgetaucht und in Sicherheit. „Es ist eine Tragödie“, sagte der Chef des Zivilschutzes am Samstag. Vor Ort waren etwa 370 Feuerwehrleute und Polizisten im Einsatz. Das Militär teilte mit, am Sonntagvormittag drei Erwachsene und zwei Kinder per Hubschrauber aus einer Ferienanlage evakuiert zu haben. Die Rettungskräfte waren die ganze Nacht zu Sonntag im Dauereinsatz, wie mehrere Medien berichteten.

          Demnach wollte die zuständige Präfektur in der süditalienischen Stadt Neapel am Sonntagmorgen zu einer weiteren Krisensitzung zusammentreten. Die Regierung in Rom kündigte eine Ministerratssitzung für Sonntagvormittag an, um in der Region den Notstand zu erklären. Das ist unter anderem nötig, damit schnell Gelder freigemacht werden können.

          Anhaltende Stürme und Regen erschwerten die Bergungsarbeiten von Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz. Rettungskräfte brachten nach offiziellen Angaben rund 130 Menschen aus ihren Häusern in Sicherheit. Die Feuerwehr rettete nach eigenen Angaben zwei Menschen aus einem Auto, das ins Meer gerissen wurde.

          Mehr als 60.000 Einwohner betroffen

          In der Nacht zu Samstag trafen Sturm und Starkregen auf die Mittelmeerinsel im Golf von Neapel und richteten vor allem in den nördlichen Küstenorten Casamicciola und Lacco Ameno schwere Schäden an. An Hängen gingen Erdrutsche ab, Fluten aus Wasser, Schlamm und Gestein trieben durch die Straßen, Autos und Busse wurden beschädigt und teilweise bis ins Meer gezogen. Die Gegend galt als Risikogebiet für Erdrutsche. Erste Expertenstimmen wurden laut, dass dort in den vergangenen Jahren zu wenig für den Schutz getan wurde. Mehr als 60.000 Einwohner sind von den Schlammmassen betroffen. 

          Das vom Erdrutsch in Casamicciola auf der Insel Ischia betroffene Gebiet.
          Das vom Erdrutsch in Casamicciola auf der Insel Ischia betroffene Gebiet. : Bild: EPA

           Bilder im Fernsehen zeigten einen Hang, an dem ein Erdrutsch abging, und einen Mann, der in einem Gebäude bis zur Burst im Dunkeln im Wasser steckte. Auf Videos der Feuerwehr waren völlig demolierte Autos und mit Geröll und Erde überflutete Straßen zu sehen.

          „Die Situation ist sehr kompliziert“

          Wegen des tobenden Unwetters hatten die Rettungskräfte nach eigener Aussage Mühe, die Menschen auf der Insel zu erreichen. „Die Situation ist sehr kompliziert“, sagte Innenminister Matteo Piantedosi dem TV-Senders Rainews24 am Samstag. Möglicherweise seien Menschen unter dem Schlamm eingeschlossen, erklärte er weiter.

          Die Behörden schickten von Neapel aus Spezialisten, Fahrzeuge und weitere Verstärkung nach Ischia. Das Militär entsandte Hubschrauber zur Unterstützung. Über Stunden konnten viele am Samstag im betroffenen Teil der Insel ihre Wohnungen nicht verlassen.

          Ein Retter überprüft ein beschädigtes Haus in Casamicciola, nachdem schwere Regenfälle einen Erdrutsch auf der Insel Ischia verursacht hatten.
          Ein Retter überprüft ein beschädigtes Haus in Casamicciola, nachdem schwere Regenfälle einen Erdrutsch auf der Insel Ischia verursacht hatten. : Bild: AFP

          Die Verwaltung wies die Menschen dazu an. Viele hatten keinen Strom mehr. Schulen, Friedhöfe und Parks blieben ohnehin am Samstag geschlossen. Das hatte Ischias Bürgermeister Enzo Ferrandino bereits am Freitag wegen der Unwetter-Warnung angeordnet.

          Zwischenzeitlich kursierten zudem Meldungen über acht Todesopfer, die die Präfektur und die Carabinieri in Neapel allerdings vorerst nicht bestätigten.

          Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz, wie ihr Amtssitz in Rom mitteilte. Sie stehe in Kontakt mit den Behörden vor Ort. Auch andere Minister drückten den Menschen auf der größten Insel im Golf von Neapel ihre Nähe aus.

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