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Rettungsaktion am Nanga Parbat : Suche nach den Kameraden von Karl Unterkircher

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Schon Jahr 2007 war Karl Unterkircher im Himalaya unterwegs Bild: AP

Drei Tage nachdem der Südtiroler Bergsteiger Karl Unterkircher am Nanga Parbat abgestürzt ist, haben sich Rettungstrupps auf die Suche nach seinen beiden Kameraden gemacht. Sie sitzen auf rund 7000 Meter Höhe fest und können nicht allein ins Basislager zurückkehren.

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          „Unser Berg liegt genau vor uns, eine 3000 Meter hohe, steile Eiswand“, schrieb Karl Unterkircher am 18. Juni in sein Online-Tagebuch. Zusammen mit den Alpinisten Simon Kehrer und Walter Nones wollte der Südtiroler den Nanga Parbat besteigen, jenen 8125 Meter hohen Schicksalsberg im Himalaya, der schon vielen erfahrenen Gipfelstürmern zum Verhängnis geworden ist.

          Unterkircher, der von vielen schon als neuer Star des internationalen Alpinismus gefeiert wurde, wählte für die Bezwingung eine bisher noch nie begangene Route: Die Rakhiot-Wand. Es sollte sein letztes Abenteuer werden. Am vergangenen Dienstag stürzte der 37 Jahre alte Bergsteiger auf fast 7000 Metern in eine Gletscherspalte, seine Kameraden konnten ihn nicht bergen.

          „Uns geht es gut, aber wir können nicht zurück“

          „Die Besteigung über diese Route war eine wahnsinnig gefährliche Aktion, es ist ein Wunder, dass sie überhaupt so weit gekommen sind“, sagte Extrembergsteiger Reinhold Messner am Freitag. Bange Fragen drehen sich hingegen um das Schicksal von Kehrer und Nones, nachdem der Kontakt mit ihnen seit Mittwoch abgebrochen ist. „Uns geht es gut, aber wir können nicht zurückkehren, von wo wir gestartet sind. Das wäre zu gefährlich. Wir sind auf knapp 6400 Meter und müssen weiter nach oben, um dann aus der Wand zu steigen“, sagte Nones nach Angaben von Unterkirchers Manager in einem Telefonat mit seiner Frau. Jedoch war die Batterie des Telefons so schwach, dass die Verbindung abbrach. Am Donnerstag wurden die beiden Italiener Berichten zufolge vom pakistanischen Basislager aus beim Klettern in der Rakhiot-Wand gesichtet. Derzeit sollen sie auf 7000 Meter Höhe festsitzen. Ins Basislager zurückkehren könnten sie nicht, weil Regen und Sturm viele Felsspalten weit geöffnet haben.

          Der Nanga Parbat im Himalaya
          Der Nanga Parbat im Himalaya : Bild: dpa

          Umgehend wurde von Italien aus eine Rettungoperation organisiert. Pakistanische Soldaten unterstützen die Aktion. Mit Hilfe zweier Eurocopter-Hubschrauber sollen Kehrer und Nones in Sicherheit gebracht werden, jedoch galt es als unwahrscheinlich, dass die Helikopter die Bergsteiger in 7000 Metern Höhe an Bord nehmen können. Die Hubschrauber vom Typ „Ecureuil“ seien am Freitagmittag (Ortszeit) vom Luftwaffenstützpunkt Rawalpindi bei Islamabad losgeflogen, sagte ein Sprecher des pakistanischen Tour-Anbieters Hushe Treks and Tours. Ziel sei zunächst Fairy Meadows, rund eine Stunde Fußmarsch vom Basislager am Nanga Parbat im Himalaya entfernt. Erst wenn Kehrer und Nones wieder tiefere Lagen erreicht haben, kann ein Hubschrauber sie nach Meinung von Experten aufnehmen.

          Wettlauf gegen die Zeit?

          An Bord sind auch die Extremkletterer Silvio Mondinelli und Maurizio Gallo, die zumindest versuchen wollen, Lebensmittel und andere Hilfsgüter in der Nähe der Alpinisten abzuwerfen. Auch Messner verfolgt das Drama gebannt: „Ich stehe ständig mit Pakistan in Kontakt, aber die Kommunikation ist sehr schwierig“, sagte er. Eins ist sicher: Die Zeit drängt, „denn nur bis Samstag soll das Wetter noch gut sein“, fügte er hinzu. Optimistisch zeigte sich dagegen Agostino Da Polenza, ein erfahrener Bergsteiger, der von Italien aus die Rettungsaktion koordiniert: „Auch wenn den beiden ihr Anführer fehlt, können sie die Mission zu Ende bringen, denn auch sie sind äußerst fähige Alpinisten.“ Für Karl Unterkircher, der am Dienstag in eine Bergspalte gestürzt war - besteht aber wohl keine Hoffnung mehr. „Nach unseren Informationen ist Karl Unterkircher tot, aber die anderen beiden Bergsteiger sind noch am Leben“, sagte der pakistanische Sprecher.

          Ein Berg zum Scheitern

          Die italienische Zeitung „La Repubblica“ titelte am Freitag: „Wettlauf gegen die Zeit im Himalaya“. Es ist nicht das erste Mal. Vor knapp vier Jahren wurden am Nanga Parbat vier in Bergnot geratene Kletterer aus Sachsen von österreichischen Bergführern in letzter Minute gerettet. Ein 65 Jahre alter Mann aus Thüringen war beim Notabstieg der Gruppe abgestürzt und gestorben. Und auch Reinhold Messner verbindet mit dem Berg - der als einer der gefährlichsten Gipfel der Region zählt - eine tragische Erinnerung: Sein Bruder Günther kam 1970 beim Abstieg vom Gipfel ums Leben.

          Erst 1953 war der Nanga Parbat erstmals erfolgreich bestiegen worden, und zwar vom Österreicher Hermann Buhl. Zuvor waren im Laufe der Jahre zahlreiche Europäer und einheimische Sherpas tödlich verunglückt. Nanga Parbat heißt übersetzt „nackter Berg“, andere nennen ihn gar „Teufelsberg“. Dennoch fasziniert und begeistert er Alpinisten aus aller Welt. So wie Karl Unterkircher, der kurz vor seinem Tod vermerkte: „Diese trotzige Teufelswand ließ mich schon am ersten Tag unserer Ankunft nicht in Ruhe, sie macht mich unschlüssig und skeptisch. Es ist wahrhaftig eine gefährliche Mission!“

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