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Regenfälle in Rheinland-Pfalz : Weitere schwere Unwetter erwartet

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Katastrophenalarm im rheinland-pfälzischen Fischbach. Bild: dpa

Heftige Regenfälle haben in Teilen von Rheinland-Pfalz für Überschwemmungen gesorgt. Während die Aufräumarbeiten noch laufen, warnen Meteorologen vor weiteren Unwettern in den kommenden Tagen.

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          Nach den schweren Unwettern am Wochenende in Rheinland-Pfalz warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) abermals vor lokalen Überschwemmungen. Vor allem am Dienstag müsse mit heftigen Unwettern mit Starkregen und Sturzfluten gerechnet werden. Doch auch danach bis einschließlich Donnerstag soll das Wetter ungemütlich sein mit örtlichem Starkregen und Hagel.

          Bereits am Sonntag hinterließen gewaltiger Regenfälle in Teilen des Landes große Schäden. Autos und Gebäude wurden beschädigt, Keller liefen voll und Straßen wurden geflutet. Im Kreis Birkenfeld waren laut Polizei fast 600 Helfer von Feuerwehr, Deutschem Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk im Einsatz.

          Eine Wettermessstation in der Region registrierte dem DWD zufolge fast 150 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von drei Stunden. Örtlich könnten es sogar in der Spitze um die 160 Liter gewesen sein, schätzte ein Meteorologe. „Das ist mehr als der übliche Monatsniederschlag.“

          Mindestens 50 Fahrzeuge wurden im Kreis Birkenfeld durch die Wassermassen beschädigt, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Über 360 Gebäude seien in insgesamt vier Gemeinden überflutet worden. In dem Kreis traf das Unwetter besonders heftig die Orte Fischbach und Herrstein. Für sie lösten die Behörden den Katastrophenalarm aus. In den Gemeinden seien in mehreren Häusern Räume einsturzgefährdet, teilte die Polizei mit.

          Malu Dreyer berät Hilfsleistungen

          Außerdem brach die Stromversorgung in beiden Orten zusammen. Sie wurden am Montag noch per Notstrom versorgt. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Die Aufräumarbeiten waren in beiden Orten am Montag noch in vollem Gange. „Das wird auch noch länger dauern“, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Durch Herrstein war eine 1,60 Meter hohe Flutwelle geschwappt.

          Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) reisten am Montag nach Herrstein, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Die Landesregierung arbeitet mit Hochdruck daran, den Betroffenen Hilfe zukommen zu lassen“, sagte Dreyer. Die Sanierung der Kita und der Integrierten Gesamtschule (IGS) Herrstein werde finanziell unterstützt. Zudem erklärte sie: „Bereits morgen werden wir im Rahmen der Sitzung des Ministerrates beraten, wie wir den betroffenen Regionen Hilfe leisten können.“

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          Höfken sagte, zunächst stehe die Schadensbewältigung im Vordergrund. Es seien Schäden in Millionenhöhe entstanden. Sie verwies auf die Bedeutung von Klima- und Hochwasserschutz: „Die Wassermassen an sich lassen sich nicht verhindern. Aber wir können in den Kommunen Vorsorge treffen, dass das Wasser in einem solchen Fall weniger Schäden anrichtet.“

          Derzeit würden mit Landesunterstützung mehr als 300 örtliche Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet oder seien zur Förderung beantragt, sagte sie. Zwar seien an den vielen Flüssen die Kreise, Städte und Gemeinden selbst für den Hochwasserschutz verantwortlich. „Doch ist mir wichtig, dass wir die Kommunen nicht allein lassen.“ Höfken und Dreyer dankten allen Einsatzkräften für ihre Hilfe.

          Zahlt die Versicherung?

          Der Staatssekretär im Innenministerium, Randolf Stich (SPD), hatte bereits am Vormittag die Orte Fischbach und Herrstein besucht. „Das ist natürlich für alle Betroffenen vor Ort eine ganz schlimme Situation.“ Ob die Gemeinden finanzielle Hilfe vom Land bekommen, um die Schäden zu beheben, war zunächst nicht klar. „Das klären wir gerade“, sagte Stich.

          In neun Ortschaften der Verbandsgemeinde Rhaunen, die zum Kreis Birkenfeld gehört, mussten die Anwohner am Montag ihr Leitungswasser abkochen. Die Quellen seien nahe an der Oberfläche, so dass das Unwetter Erde eingespült habe, sagte der zuständige Werksleiter. Dadurch sei das Wasser trüb.

          Auch in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz hinterließ das Unwetter Spuren. In Hübingen (Verbandsgemeinde Montabaur) schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein. Zu einem Brand kam es aber nicht. Im Westerwald stürzte in Höhr-Grenzhausen während des Gewitters ein Baum auf das Dach eines Wohn- und Geschäftshauses. Verletzt wurde auch hier niemand. In Kaiserslautern fluteten die Regenmassen am Sonntagnachmittag einige Straßen und Keller.

          Vom Unwetter Betroffene können die Schäden unter Umständen bei ihrer Versicherung geltend machen. Beschädigungen sollten dafür mithilfe von Fotos und Kaufbelegen dokumentiert und möglichst schnell dem Versicherer gemeldet werden, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wer Handwerker mit Reparaturen beauftrage, sollte das erst nach der Schadensmeldung tun.

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