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Katastrophenschützer warnen : Rauch aus Chemiewerk in Texas ist „massives Gesundheitsrisiko“

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In der Nacht zu Donnerstag gab es in dieser Chemiefabrik nahe Houston zwei Explosionen, seither dringen Rauchschwaden aus der Anlagen. Bild: dpa

Vor massiven Gesundheitsrisiken warnt die Katastrophenschutzbehörde Fema nach den Explosionen in einer überfluteten Chemiefabrik in Texas. Ein zuständiger Sheriff erklärt dagegen etwa zeitgleich, der Rauch sei nicht giftig.

          Nach den Explosionen in einer überfluteten Chemiefabrik im Bundesstaat Texas haben die Behörden vor massiven Gesundheitsrisiken gewarnt. Der austretende Qualm sei „unglaublich gefährlich“, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, am Donnerstag. Die Behörden forderten alle Anwohner im Umkreis von drei Kilometern zur Evakuierung auf. Die Chemieanlage in Crosby rund 40 Kilometer nördlich von Houston steht infolge des Sturms „Harvey“ unter Wasser.

          In der Nacht zu Donnerstag gab es dort zwei Explosionen, seither dringen Rauchschwaden aus der Anlage. Der Betreiberkonzern Arkema hatte zuvor mitgeteilt, sie wolle das Feuer in der Anlage „von selbst ausbrennen lassen“. Weil an vielen Orten der Anlage gefährliche Stoffe gelagert seien, bestehe das Risiko weiterer Explosionen. Der Sheriff von Harris County, Ed Gonzalez, erklärte dagegen etwa zeitgleich in Texas, der Rauch sei nicht giftig. Es gebe keine Gefahr für die Bevölkerung. Mehrere Polizisten seien wegen brennender Augen und gereizter Lungen behandelt worden, das liege aber an dem Rauchgas.

          Richard Rennard von der Betreiberfirma Arkema sagte, der Rauch sei schädlich. Die Giftigkeit sei aber „etwas Relatives“. Wenn man den Rauch einatme, führe das zu Reizungen der Lunge. Die in der Fabrik gelagerten Chemikalien drohten zu explodieren, nachdem die Stromversorgung für die Kühlung der Anlage wegen der Flut ausgefallen war. Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern waren bereits am Mittwoch in Sicherheit gebracht worden.

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          Obwohl „Harvey“ an Stärke verloren hat, kämpften auch die texanischen Städte Beaumont und Port Arthur weiter mit steigendem Wasser – hier fielen innerhalb von 24 Stunden 66 Zentimeter Regen pro Quadratmeter. Nach Angaben der Behörden brach in Beaumont die Wasserversorgung zusammen, nachdem die zentrale Pumpanlage dem Druck eines angeschwollenen Flusses nachgegeben hatte. Die Versorgung könne erst wieder hergestellt werden, wenn der Wasserpegel sinke. In Port Arthur musste die größte Ölraffinerie der Vereinigten Staaten geschlossen werden.

          Auch in Houston ist eine Entspannung nicht in Sicht, obwohl die Großstadt von weiterem Starkregen verschont blieb. Schätzungen zufolge stand ein Drittel der Stadt unter Wasser. Die Marine kündigte an, am Donnerstag die Schiffe „USS Kearsarge“ und „USS Oak Hill“ vor die Küste von Texas zu schicken. Sie sollen dort die Behörden bei den Bergungs- und Rettungsarbeiten unterstützen.

          Mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen

          Als vom Hurrikan-Zentrum herabgestuftes tropisches Tiefdruckgebiet zieht „Harvey“ weiter östlich durch Louisiana bis Mississippi. Auch Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliche Überschwemmungen. Noch immer herrschen lebensbedrohliche Bedingungen. Nach Angaben von CNN sind mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen.

          Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, dass Katastrophengebiet sei viel größer, als es bei den Hurrikans „Katrina“ und „Sandy“ der Fall gewesen sei. Von den Folgen des Tropensturms seien auch viel mehr Menschen betroffen. „Katrina“ hat 2005 Schäden in Höhe von mindestens 150 Milliarden Dollar verursacht. Abbott schätzte, dass diesmal mehr Staatshilfen notwendig sein werden.

          In Louisiana traten die Flüsse Calcasieu und Sabine Rivers in einigen Gegenden über die Ufer. Straßen mussten wegen Überflutungen gesperrt werden. Gouverneur John Bel Edwards erklärte, die Lage sei ernst, aber man stehe bislang besser da als befürchtet.

          Venezuela und Mexiko bieten Hilfe an

          Zahlreiche Stars werben für Spenden zugunsten der Opfer des Tropensturms „Harvey“ – unter anderem bekundeten Schauspieler wie Sandra Bullock, Leonardo DiCaprio, Kevin Hart und Amy Schumer, sowie Sängerin Beyoncé ihre Hilfsbereitschaft. Popstar Miley Cyrus kündigte in der Sendung von Ellen DeGeneres an, 500.000 Dollar für die Katastrophenhilfe in Houston zu geben.

          Trotz des schwelenden Konflikts zwischen Caracas und Washington will die venezolanische Regierung den Hurrikan-Opfern in Amerika helfen. Venezuela werde bis zu fünf Millionen Dollar (etwa 4,2 Millionen Euro) für betroffene Familien in Houston und Corpus Christi bereitstellen, kündigte Außenminister Jorge Arreaza am Mittwoch an.

          Auch Mexiko hatte trotz des Streits um die von Präsident Donald Trump geplante Grenzmauer und die konfliktreiche Nachverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta dem Nachbarland Unterstützung angeboten. Mexiko hatte bereits nach dem schweren Hurrikan „Katrina“ geholfen. Damals waren Hunderte Soldaten und Ärzte in die Vereinigten Staaten gekommen. Es war das erste Mal seit dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1846, dass die mexikanischen Streitkräfte die Grenze zu den Verinigten Staaten übertraten.

          „Harvey“ war am Freitag erstmals in Texas auf Land getroffen; seither kämpft die Gegend mit den verheerenden Folgen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat mancherorts bis zu 125 Zentimeter Regen pro Quadratmeter – ein Rekord für das Festland der Vereinigten Staaten. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer, Stauseen ergossen ihre Fluten über die Dämme. Einige Dämme wurden zur Entlastung bewusst geöffnet, was zu weiteren Überschwemmungen führte.

          Rettungskräfte bargen in den vergangenen Tagen rund 8500 Menschen aus ihren Häusern; mehr als 30.000 suchten Zuflucht in Notunterkünften. 14.000 Mitglieder der texanischen Nationalgarde waren im Einsatz. Weitere 10.000 wurden aus anderen Bundesstaaten entsandt.

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