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„Prestige“-Prozess : Zwischen Wahrheitsfindung und Wahlkampf

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Mehr als sechzigtausend Tonnen Schweröl flossen aus dem Schiff und verseuchten Küsten selbst in Portugal und Frankreich. Bild: REUTERS

Die Ölpest nach dem Untergang der „Prestige“ ging 2002 als größte Umweltkatastrophe in die Geschichte Spaniens ein. Zu Prozessbeginn geben sich weder die spanischen Behörden noch der Kapitän des Schiffs einsichtig.

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          Der „Prestige“-Prozess um die spanische Öltanker-Umweltkatastrophe im Jahr 2002 ist schon zum Auftakt in eine Grenzzone zwischen Wahrheitsfindung und Wahlkampf geraten. Während der Hauptangeklagte, der griechische Kapitän Apostolos Mangouras, der den im Sturm leckgeschlagenen und schließlich gesunkenen Tanker führte, durch seinen Anwalt der spanischen Regierung die Schuld zuwies, versuchten regionalnationalistische Gruppen in Galicien im Vorfeld der dortigen Wahlen am Sonntag Ministerpräsident Mariano Rajoy mit verantwortlich zu machen. Der Galicier Rajoy war Minister und „Krisenmanager“ des damaligen Ministerpräsidenten José María Aznar. Die Bürgerplattform „Nunca Maís“ (Nie wieder) wirft ihm vor, damals die Schäden „verniedlicht“ zu haben.

          Vor Gericht geht nun der alte Streit weiter, ob die Weisung der spanischen Behörden, die „Prestige“ nicht in einen nahen Hafen sondern ins offene Meer schleppen zu lassen, das Ausmaß des Unglücks, bei dem mehr als sechzigtausend Tonnen Schweröl ausflossen und Strände bis nach Frankreich und Portugal verschmutzte, noch vergrößert hat. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass das alte Schiff – unter der Flagge der Bahamas, mit Besitzern in Liberia, einer britischen Versicherung und einem Schweizer Reeder – nicht seetüchtig war. Außerdem habe der Kapitän zunächst die Anweisungen der spanischen Hafenbehörden missachtet.

          Der Anwalt des Kapitäns sagt, dass der Tanker nicht auseinandergebrochen wäre – hätte man ihm denn Zuflucht gewährt.

          Dessen Anwalt hält dagegen, dass der Tanker nicht auseinandergebrochen wäre, wenn man ihm Zuflucht gewährt hätte. Außerdem seien bei einer Durchsuchung von Mangouras’ Kajüte dessen Rechte verletzt worden, so dass das ohnehin zu lange verzögerte Verfahren für nichtig erklärt und eingestellt werden sollte. Prozessbeobachter wiesen derweil darauf hin, dass in Italien der Prozess wegen des Kentern der Costa Concordia schon nach knapp einem Jahr begonnen habe, während die spanische Justiz sich für die Vorbereitung bis fast zum zehnten Jahrestag des Unglücks am 13. November 2002 Zeit gelassen habe.

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