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Philippinen : Zum Ort des Grauens

Lange Schlangen bilden sich an den Orten, an denen Lebensmittel und Wasser verteilt werden Bild: REUTERS

Ein junges Ehepaar macht sich von Cebu aus auf den Weg nach Tacloban. In der vom Taifun zerstörten Stadt suchen sie nach ihrer Familie. F.A.Z.-Korrespondent Till Fähnders hat sie begleitet.

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          Als der Taifun Haiyan auf die Philippinen trifft, sind Christian und Maria in Sicherheit. In der Großstadt Cebu ist zwar das Heulen des Windes zu hören, und der Regen peitscht gegen die Häuser. Doch die Schäden sind gering. Aber das junge Ehepaar sorgt sich um Marias Verwandte, die seit vielen Jahren in Tacloban leben, der Stadt, die am härtesten von dem Taifun und der Flut getroffen ist. Wie geht es der Schwester und ihrem kleinen Sohn? Wie dem Vater, einem Witwer, wie der Tante? Haben sie überlebt?

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Antworten auf diese Frage bekommen die jungen Eheleute erst einmal nicht. Der Taifun hat die Verbindungen zu der Stadt im Osten der Insel Leyte abgerissen. Nachrichten über das Ausmaß der Katastrophe treffen nur tröpfchenweise ein. Mit jeder Stunde wächst die Sorge um das Wohlergehen der Familie.

          Wie so viele andere machen sich die beiden, sie Philippinerin, er Deutscher, auf eine ungewisse Reise ins Krisengebiet. Sie alle wollen nach Angehörigen suchen und sie mit Lebensmitteln und elementaren Hilfsgütern versorgen. Christian trägt einen Rucksack mit 29 Litern Wasser, Nahrungsmitteln und Kerzen, als er mit Maria in Cebu auf eine Fähre steigt. Das Schiff soll sie nach Ormoc bringen, eine Stadt auf der anderen Seite von Leyte. Dort hat es ebenfalls Zerstörungen gegeben, aber längst nicht so verheerend wie in Tacloban.

          In einem Massenbegräbnis wurden am Donnerstag in Tacloban Hunderte Leichen beigesetzt. Bilderstrecke

          Auf der Fähre sitzt auch der Pastor Allan Prochina, der in Ormoc und in Tacloban Verwandte suchen will. „Ich will meine Brüder sehen und fragen, was sie jetzt am dringendsten brauchen“, sagt er. Neben ihm sitzt Ermah Hernando, die auf dem Weg zu ihrer Familie in Villaba ist, einem Ort im Südwesten von Leyte. „Es geht ihnen gut“, sagt die Frau. „Aber das Dach des Hauses ist teilweise kaputt. Alles ist nass.“

          Maria und Christian heißen eigentlich anders; aber sie möchten nicht, dass die Familie des Deutschen die echten Namen in der Zeitung liest. Er wolle nicht, dass sie sich Sorgen machen, sagt Christian. Die beiden hatten in Cebu gerade ihr junges Glück genossen, bevor die Nachricht vom Taifun eintraf, dem wohl stärksten seit Jahrzehnten. Christian und Maria hatten im Oktober geheiratet. „Das war noch unbeschwert“, sagt Christian. Dann wartete das Paar eigentlich nur noch auf Marias Visum für Deutschland. Doch dann kam Haiyan.

          Angespannt verfolgten die beiden jede Nachricht, ohne zunächst etwas über den Verbleib von Marias Angehörigen zu erfahren. Wie durch ein Wunder gelangte dann ein Lebenszeichen aus Tacloban hinaus. Die Schwester meldete sich mit einem handgeschriebenen Zettel. Solche Botschaften waren im Krisengebiet eingesammelt, mehrfach weitergereicht und schließlich im Programm eines Fernsehsenders verlesen worden. Die Erleichterung ist groß, als die beiden hören, dass Marias Familie wohlauf ist. Doch das Gefühl weicht schnell der Angst. Unter welchen Umständen die Angehörigen jetzt wohl leben?

          Den Nachrichten nach zu urteilen scheint sich die Lage von Stunde zu Stunde zu verschlechtern: Hunderte Tote in den Straßen, brennender Durst und drückender Hunger bei den Überlebenden. Die Presse berichtet von Plünderungen. Nachts können Maria und Christian nicht mehr schlafen. Tagsüber versuchen sie vergeblich, die Familie zu erreichen. Dann bekommen sie endlich Fahrscheine für die Fähre nach Ormoc. Am vierten Tag nach dem Taifun geht die Reise los. Die Fähre schwankt, Maria geht es schlecht. Für diesen Tag ist ein neuer Sturm angekündigt, wenn auch von viel geringerer Stärke als der Taifun Haiyan. Auch vor der Autofahrt, für die sie sich einen Wagen mit Fahrer mieten, fürchten sich die beiden. Schließlich waren auf der Straße nach Tacloban sogar Konvois mit Hilfsgütern überfallen worden.

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