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Philippinen : Es fehlt an fast allem

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In der Umgebung von Tacloban sind immer noch Straßen überschwemmt Bild: AFP

Sechs Tage haben die Menschen gewartet. Jetzt sollen die Hilfsgüter endlich in den abgelegensten Regionen des Katastrophengebiets auf den Philippinen ankommen. Mindestens 4460 Menschen sind Opfer des Taifuns geworden.

          Fast eine Woche nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen sollen die Überlebenden endlich versorgt werden. Das versprach Verteidigungsminister Voltaire Gazmin nach einer Krisensitzung mit der Behörde für Katastrophenschutz. Die Regierung wehrte sich zugleich gegen Vorwürfe, die Notversorgung sei nicht schnell genug angelaufen. Das Ausmaß der Katastrophe sei einfach überwältigend gewesen. Die Zahl der Todesopfer stand am Donnerstag nach Angaben der Vereinten Nationen bei 4460.

          Gazmin sagte nach der Sitzung vom Mittwochabend, spätestens Donnerstag würden alle Betroffenen mit Hilfsgütern erreicht. Der Fokus liegt auf den Inseln Leyte und Samar im Osten der Zentralphilippinen. Weiter westlich waren am vergangenen Freitag ebenfalls mehrere große Inseln von dem Taifun verwüstet worden.

          Trümmerberge behindern die Rettung

          Den Katastrophenhelfern fehlen jedoch Lastwagen, um die Hilfsgüter zu verteilen. Das Infrastrukturministerium appellierte daher an Unternehmer, Lkw zur Verfügung zu stellen. Vor der Küste kam unterdessen der amerikanische Flugzeugträger „USS George Washington“ mit 5000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeugen und Hubschraubern an Bord an. Mit den Maschinen soll die Verteilung der Hilfsgüter in abgelegene Regionen des Notstandsgebiets deutlich beschleunigt werden.

          Verteidigungsminister Gazmin sagte weiter, die Bergung der Leichen habe Priorität. Die Trümmerberge behinderten jedoch die Arbeiten. „Wir wissen, dass es noch Gegenden gibt, wo Leichen unter den Trümmern vermutet werden“, fügte er hinzu. Anwohner und Helfer berichteten, der Verwesungsgestank sei unerträglich.

          Hubschrauber bringen frisches Trinkwasser in die betroffenen Gebiete Bilderstrecke

          Auch aus Deutschland flogen Helfer und Experten nach Südostasien, darunter Teams des Technischen Hilfswerks (THW) mit zwei Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen. Am Mittwochmorgen hoben etwa THW-Einsatzkräfte und Rotkreuz-Helfer mit 75 Tonnen Fracht in Berlin ab. An Bord waren Zelte, Kochsets und Hygieneartikel.

          „Die Menschen weinten vor Glück“

          Hilfsorganisationen versuchen Tag und Nacht, in schwer zugängliche Gebiete vorzudringen. Wenn ihnen das gelingt, ist die Erleichterung groß. „Die Menschen weinten vor Glück, als wir ihnen Lebensmittel brachten“, berichtete der Amerikaner John Fields, der auf der Insel Cebu Konvois organisiert, der Deutschen Presse-Agentur.

          Erst am Mittwoch kam ein 13 Jahre altes Mädchen mit tiefen Schnittwunden ins Krankenhaus von Tacloban, die fünf Tage unter den Trümmern ihres Hauses eingeklemmt war. Die BBC zeigte das völlig verstörte Mädchen. Ihre ganze Familie sei umgekommen, und sie habe neben den Leichen ihrer Eltern und Geschwister ausgeharrt, berichtete der Sender.

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          Viele Helfer aus Deutschland

          Im Notstandsgebiet sind inzwischen zahlreiche mobile Einheiten mit Ärzten und Pflegern unterwegs, um Erste Hilfe zu leisten - unter ihnen auch Teams aus Deutschland. Aber selbst im Krankenhaus von Tacloban, das bei dem Taifun unter Wasser stand, gebe es nicht genügend Trinkwasser, berichtete ein Reporter der BBC. Heftiger Regen hatte viele der Trümmerfelder, in denen Menschen meist unter freiem Himmel hausen, unter Wasser gesetzt.

          Die Transportbehörde schickt inzwischen Buskonvois nach Leyte, um Hilfsgüter zu bringen und Menschen aus den gefährdeten Gebieten auszufahren. Der Bürgermeister von Tacloban rief vor allem verletzte Bewohner und Kinder auf, die Stadt möglichst zu verlassen - etwa per Flugzeug. „Je weniger Leute in Tacloban sind, umso weniger müssen wir uns kümmern“, sagte Alfred Romualdez.

          Auf einem Friedhof am Fuß eines Berges im Randgebiet der Stadt wurden unterdessen 94 Leichen ohne Zeremonie und ohne Gebet beigesetzt. Arbeiter schaufelten Erde auf die Toten. Die meisten waren in Leichensäcke, einige in Decken gewickelt. „Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben“, sagte Bürgermeister Alfred Romualdez.

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