https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/ostsee-absturz-sauerstoffmaske-blieb-ungenutzt-haengen-18502575.html

Flugzeugabsturz in die Ostsee : Die Sauerstoffmaske blieb ungenutzt hängen

Die letzte bekannte Position der Cessna mit der Kennung OE-FGR, die auf ein deutsches Unternehmen zugelassen sein soll, liegt etwa vier Meilen nordwestlich der lettischen Stadt Ventspils. Bild: dpa

Anfang September flog eine Cessna stundenlang führungslos durch den westeuropäischen Luftraum. Ein Bericht von Unfallforschern gibt nun Hinweise: Der Pilot griff wohl nach einem Druckabfall nicht rechtzeitig zur Sauerstoffmaske.

          2 Min.

          Zum dramatischen Geisterflug einer Cessna 551, die An­fang September stundenlang führungslos quer durch den westeuropäischen Luftraum unterwegs war, bis sie in die Ostsee stürzte, kam es vermutlich aufgrund einer fatalen Fehlleistung des Piloten. Der nun von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) veröffentlichte Zwischenbericht legt nahe, dass der Pilot nach einem Druckabfall nicht rechtzeitig zur Sauerstoffmaske griff. Die Fachleute werteten unter an­derem Funksprüche, Flugdaten, Wartungsprotokolle und Fotos aus. Als be­sonders aufschlussreich erwiesen sich die Fotos, die zwei Piloten der franzö­sischen Alarmrotte machten. Die Bilder zeigen, so heißt es im BFU-Bericht, „das äußerlich unbeschädigt wirkende Flugzeug sowie den handlungs­unfähigen Pi­loten auf dem linken Sitz und seine an ihrem Platz im Cockpit hängende unbenutzte Sauerstoffmaske“.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der 72 Jahre alte Kölner Unternehmer Peter Griesemann war mit der Ma­schine am 4. September um kurz vor 15 Uhr im südspanischen Jerez gestartet; mit an Bord waren seine Frau, die gemeinsame erwachsene Tochter und deren Freund. Das Ziel der Familie: der Flughafen Köln/Bonn. Zwölf Minuten nachdem die Cessna ihre Reiseflughöhe erreicht hatte, meldete Griesemann zunächst Probleme mit der Klimaanlage, um sechs Sekunden später zu korrigieren, es habe einen Druckabfall gegeben. Zudem bat er um Erlaubnis zur so­fortigen Notlandung. Es war der letzte Funkspruch Griesemanns, den die spanische Flugsicherung aufzeichnete.

          Rätselhaft bleibt, warum Griesemann – der mit rund 1700 Flugstunden als erfahrener Pilot galt – allem Anschein nach noch nicht einmal versuchte, die Sauerstoffmaske aufzusetzen. Bei einem Druckabfall müssen die Flugzeuginsassen umgehend mit Sauerstoff versorgt werden, um nicht ohnmächtig zu werden. Das Notverfahren sieht für den Pi­loten zwingend vor, zunächst die ­Maske aufzusetzen, den Sauerstoff fließen zu lassen und danach alle erforderlichen Maßnahmen für eine Notlandung einzuleiten. In die Sauerstoffmasken der Piloten sind zu diesem Zweck Mikrofone eingebaut.

          Ob die drei Familienmitglieder ihre Masken noch aufsetzen konnten, geht aus dem Bericht nicht hervor. In der Aufzeichnung von Griesemanns letztem Funkspruch sind laut BFU jedoch „deutliche Hintergrundgeräusche zu hören“. Wer oder was sie verursachte, vermerken die Unfallforscher nicht. In dem Be­richt findet sich dafür ein weiteres De­tail, das bisher nicht bekannt war: Ne­ben Griesemann hatte auch „einer der Fluggäste“ eine Lizenz für Berufs­pilo­ten, die aber Ende 2021 ausgelaufen war. Aus dem Bericht ergeben sich keine Hinweise darauf, ob diese Person versuchte einzugreifen. Einen Stimmen­rekorder hatte die Cessna nicht. Das BFU weist ausdrücklich darauf hin, dass seine Untersuchung nicht dazu dient, die Schuldfrage zu klären.

          Ging in den Sinkflug, weil der Treibstoff aus war

          Als der Kontakt mit der Flugsicherung am 4. September abgebrochen war, setzte die Maschine ihren voreingestellten Kurs auf Köln fort, flog dann aber allem Anschein nach im „Hold-Modus“ über die Stadt hinweg und verließ schließlich am frühen Abend nordöstlich von Rügen den deutschen Luftraum. Zuletzt wurde sie von Piloten einer in Estland stationierten Alarmrotte der NATO begleitet, bis sie kreiselnd in den Sinkflug überging, weil kein Treibstoff mehr vorhanden war. Wie aus dem BFU-Bericht hervorgeht, beobachteten die NATO-Piloten die Cessna bis zu ih­rem Aufprall in der Ostsee und dokumentierten die Position der Unfallstelle. Wenige Stunden später konnte die Suchmannschaft ein 100 mal 150 Meter großes Trümmerfeld am Meeresboden lo­kalisieren.

          Topmeldungen

          Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer

          Eintracht Frankfurts Präsident : Fischer muss sein Amt ruhen lassen!

          Peter Fischer stellte seine Haltung und seine Rolle als Kämpfer gegen das Übel der Welt gerne in den Vordergrund seiner Auftritte. Daher hätte er sich nun sofort an die eigene Nase fassen müssen.
          Schriftliche Abiturprüfung an einem Gymnasium in Rostock im April 2022

          In Corona-Jahrgängen : Inflation der Einserabiture

          Allein in Sachsen haben sich die Einserabiture im Jahr 2022 im Vergleich zum Jahr 2013 fast verfünffacht. Die Kultusministerien kamen den Schülern weit entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.