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Orkan „Xaver“ : „Das ist das Zeug, aus dem Sturmfluten sind“

  • Aktualisiert am

Xaver nähert sich Deutschland: Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes Bild: dpa

Vor einem massiven Wintereinbruch und einer schweren Sturmflut warnt der Meteorologe Meeno Schrader im FAZ.NET-Interview. Mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde soll Orkan „Xaver“ am Donnerstag über Deutschland fegen.

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          Am Donnerstag soll der Orkan „Xaver“ die deutsche Küste erreichen. Es droht wohl eine schwere Sturmflut. Was macht die Wetterlage so gefährlich?

          Die Wetterlage hat mehrere gefährliche Komponenten. Da ist zuerst einmal der Wind. „Xaver“ ist ein sehr intensives Orkantief mit einem ähnlichen Kerndruck wie der Orkan „Christian“, der im Oktober über Norddeutschland gewütet hat. Aber der Radius ist dieses Mal deutlich größer als im Oktober. Deswegen rechnen wir über einen langen Zeitraum von neun bis zwölf Stunden mit Orkanböen und das eben flächendeckend. Es werden nicht einzelne Schneisen, sondern weite Teile Norddeutschlands betroffen sein. Wir haben im Laufe des Donnerstagabends aber auch einen Kaltlufteinbruch. Und kalte Luft erhöht das Böenpotential noch zusätzlich.

          Mit welchen Windgeschwindigkeiten ist zu rechnen?

          Wir gehen von 130 bis 160 Kilometern pro Stunde aus – großflächig über Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und den Nordteil Niedersachsens. An den Küsten besteht die Gefahr für einzelne Böen mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Und damit liegen wir noch über dem, was „Christian“ brachte. Im Binnenland muss man noch bis in die Mittelgebirge hinein mit Orkanböen rechnen.

          Manche vergleichen die Wetterlage schon mit der zerstörerischen Sturmflut von 1962.

          Die Situation ist teilweise in der Tat vergleichbar mit 1962. Es weht erst sehr starker, sehr stürmischer Westwind. Der drückt das Wasser in die Deutsche Bucht, in diesen Kessel zwischen Schleswig-Holstein und der niedersächsischen Küste. Da staut sich das Wasser auf, dann dreht sich der Wind auf Nordwest und presst die Wassermassen in die Flüsse herein. Das ist das Zeug, aus dem Sturmfluten gemacht sind. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir an der Westküste, vor allem aber im Bereich der Elbe bis Hamburg mit einer schweren Sturmflut zu rechnen haben. Der Wasserstand ist dann 2,5 Meter über dem normalen Niveau.

          Diplom-Meteorologe Meeno Schrader, Geschäftsführer der Wetterberatung WetterWelt
          Diplom-Meteorologe Meeno Schrader, Geschäftsführer der Wetterberatung WetterWelt : Bild: Privat

          Sind die Küstengebiete für das Unwetter gewappnet?

          Wir weisen seit Montag auf die Wetterlage hin, um einen ausreichenden Zeitvorlauf zu liefern. Was ich mitbekomme, laufen die Vorbereitungen bereits: Veranstaltungen werden abgesagt, Weihnachtsmärkte werden geschlossen. Was sicherlich auch richtige Maßnahmen sind, denn das sind Wetterverhältnisse, bei denen man sich nicht mehr draußen aufhalten sollte.

          Wie können sich die Menschen in Norddeutschland auf das Unwetter vorbereiten?

          Meine Empfehlung wäre, einmal bei sich grundsätzlich zu gucken: Was kann durch die Gegend fliegen? Was ist nicht niet- und nagelfest? Alles reinräumen oder zumindest unterstellen! Auch Dinge, die man vielleicht als zu schwer empfindet – wenn das ein bisschen Angriffsfläche hat, wird sowas von den Böen mitgenommen. Außerdem ist Baumsicherung besonders in Norddeutschland ein großes Thema, weil „Christian“ viele Bäume schon angeknackst oder die Wurzeln gelockert hat. Generell würde ich empfehlen, am Donnerstag von 16 Uhr bis Mitternacht möglichst nicht rauszugehen.

          Wird dann das Schlimmste überstanden sein?

          In Mecklenburg-Vorpommern spielt sich das Ganze erst in der zweiten Nachthälfte so richtig ab. Dann wird der Wind ganz langsam abnehmen – und er wird böiger. Das ist dann ein bisschen trügerisch. Der Mittelwind wird spürbar abnehmen, aber es sind dann immer noch sehr starke Böen zu befürchten. Und es reicht ja eine Böe, um zum Beispiel beim Autofahren von der Fahrbahn geweht zu werden.

          © ZDF

          Mit dem Orkan kommt ab dem Donnerstagabend auch der Schnee. Wird sich damit der Winter in Deutschland festsetzen?

          Ich bin skeptisch, ob der Schnee im Norden liegen bleibt. Die Straßen können infolge von Schnee- und Graupelschauern sehr glatt werden, aber Schneeverwehungen sind im Flachland eher unwahrscheinlich. In den Mittelgebirgen kann es länger anhaltend schneien, teilweise bis in den Samstag hinein. Dort kann es noch zu Verwehungen kommen. Aber schon Samstagabend dreht der Wind dann wieder in Richtung West, später Südwest und die Temperaturen steigen deutlich in den Plus-Bereich. Das ist zwar ein massiver Wintereinbruch, aber nur ein vorübergehender.

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