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Orkantief „Niklas“ : Die Bahn rollt langsam wieder an

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Die große Anzeigetafel im Hauptbahnhof München weist auch am Mittwoch noch einige Unregelmäßigkeiten aus. Bild: dpa

Sturmtief „Niklas“ hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Mindestens elf Menschen starben durch den Sturm und bei wetterbedingten Unfällen. Vereinzelt kann es am Mittwoch weiter zu Orkanböen kommen. Viele Pendler brauchen weiterhin Geduld.

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          Sturmtief „Niklas“ ist durchgezogen - doch vielerorts müssen Bahnreisende weiter mit Behinderungen rechnen. Die meisten Strecken seien zwar frei, sagte Bahnsprecher Achim Stauß im ZDF-„Morgenmagazin“. „Aber wie immer in solchen Fällen muss das Personal neu disponiert werden. Viele Fahrzeuge, viele Lokomotiven sind nicht da, wo sie hingehören.“ Ausfälle werde es sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr geben. Während des Orkans kamen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens zehn Menschen ums Leben. Die Aufräumarbeiten laufen nach „Niklas“ vielerorts auf Hochtouren.

          An Ostern sollen die Züge wieder planmäßig fahren: „Da müssten dann die Umlaufpläne wieder so stimmen, dass die Züge überall da sind, wo sie auch hingehören“, sagte Stauß. Laut Bahn sind die Strecken zwischen Bremen und Hannover sowie zwischen München und Rosenheim noch gesperrt (Informationen der Bahn über Behinderungen und Verspätungen).

          Die Zahl der Todesopfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist mittlerweile auf mindestens elf gestiegen. In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. In Niedersachsen starb ein Mann unter einem herausgebrochenen Scheunentor. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es vier Tote bei wetterbedingten Unfällen.

          Auch in Berlin verursachte der Orkan „Niklas“ teils heftige Schäden - hier im Stadtteil Wedding Bilderstrecke

          Die Höhe des entstandenen Schadens ist noch unklar, auch für die Bahn. „Es gab bundesweit Schäden. Ich kann noch keine Summen nennen.“ Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat ebenfalls noch keinen Überblick über die Schäden nach dem Sturmtief. Dafür sei es noch zu früh, teilte das Unternehmen in München mit. Rein auf die Stärke bezogen handelte es sich aus Sicht der Munich Re um „kein sehr ungewöhnliches Ereignis“. Der bisher folgenschwerste Wintersturm war „Kyrill“ im Jahr 2007 mit Böen von über 200 Kilometern pro Stunde: Er richtete 4,2 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden an und schlug bei den Versicherern mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche.

          „Niklas“ hatte von Westdeutschland aus im Laufe des Dienstags auf den Osten der Republik übergegriffen. Mit Sturmböen von bis zum 192 Kilometern in der Stunde war er einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Auf der Schiene ging bald wenig bis nichts mehr: In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit Dienstagvormittag ganz. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Dienstagnachmittag komplett eingestellt. Auch am Mittwoch gab es hier teilweise noch Behinderungen.

          In Nordrhein-Westfalen fuhren die Züge im Nah- und Fernverkehr am Morgen wieder weitgehend planmäßig. „Alle Hauptstrecken sind wieder befahrbar“, sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Einzelne Verbindungen fielen aber noch aus oder waren verspätet. Nicht alle Züge stünden am richtigen Einsatzort. Im Laufe des Tages sollte sich die Lage aber weiter normalisieren.

          Der Sturm hatte auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinandergebracht. Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. „Niklas“ war einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern entwurzelte er am Dienstag vielerorts Bäume, er beschädigte Autos, Häuser und Stromleitungen.

          Der Orkan ist zwar aus Deutschland abgezogen, laut Deutschem Wetterdienst bleibt es aber stürmisch: Das Luftdruckgefälle zwischen „Niklas“ über dem südlichen Baltikum und einem Hoch über der Biskaya sei so stark, das auch am Mittwoch in ganz Deutschland mit Sturmböen gerechnet werden müsse, sagte Meteorologe Stefan Bach. In exponierten Berglagen könne es auch wieder Orkanböen geben, allerdings nicht so starke wie am Dienstag.

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