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Griechische Feuerwehr : Hier brennt nur die Kerze im Gebetshäuschen

  • -Aktualisiert am

Mit deutschem Wagen: Freiwillige Feuerwehr Agios Nikolaos Bild: Ariane Dreisbach

Die einzige Freiwillige Feuerwehr Griechenlands ist für jeden Waldbrand gewappnet – dank deutscher Hilfe. Doch am Ende kommt es mehr aufs Herzblut an als auf die Ausrüstung.

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          Das ist Jannis’ Wald. Er gehört nicht den Touristen, sondern ihm. Ioannis Martzivanos sagt es drei Mal, damit es auch klar ist. Die rechte Hand nimmt er vom Lenkrad und zeigt durch die staubige Windschutzscheibe auf die Pinien, seine Pefkos. Der 49 Jahre alte Lastwagenfahrer und Imker braucht keine zwei Hände, um den roten Pickup mit dem 700-Liter-Tank auf der Ladefläche über die zerfurchten Straßen die Berge von Sithonia hinaufzubringen.

          Martzivanos fährt Brandwache für die Freiwillige Feuerwehr Agios Nikolaos, kurz OPEAN, auf der mittleren Landzunge der Halbinsel Chalkidiki. Ein Landstück von einer Million Hektar, der größte Teil davon Wald. OPEAN wurde im August 2006 nach einem verheerenden Brand auf Kassandra, dem westlichsten Finger der Halbinsel, gegründet. Heute hat die Freiwillige Feuerwehr etwa 250 Mitglieder. Sich ehrenamtlich zu engagieren ist in Griechenland nicht so selbstverständlich wie in Deutschland. Es sind vor allem junge Leute bis 40 Jahre. Das Nesthäkchen ist 15 Jahre alt, der Dienstälteste 75. Frauen gibt es unter ihnen zwei Dutzend.

          OPEAN wird von der Gemeinde Agios Nikolaos finanziell unterstützt und von seinen Mitgliedern, die bis Saloniki verstreut sind. Der griechische Staat zahlt nichts. Die Feuerwehrleute sind Bauarbeiter, Ärzte oder Studenten, und die meisten sind, wenn nicht hauptberuflich, dann in ihrer Freizeit, Imker. Sie lieben die Tiere und ihren Wald, in dem Bienenkörbe wie bunte Bauklötzchen am Wegrand stehen.

          Bei OPEAN kommt es mehr aufs Herzblut an als auf die Ausrüstung. „Wenn es brennt, rennen wir auch nur in Hose, T-Shirt und Stiefeln los, um unseren Wald zu retten“, sagt Michalis Karaiannis. Der 26 Jahre alte Automechaniker trägt eine kurze Jogginghose, Flip-Flops, ein löcheriges Muskelshirt und ein Kreuz um den Hals. Man glaubt ihm aufs Wort.

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          Vor dem ersten Einsatz haben die Feuerwehrleute von OPEAN 105 Stunden Unterricht, theoretisch und praktisch, mit der staatlichen Feuerwehr und anderen Rettungsorganisationen. Wenn etwas passiert, sind sie nicht versichert. Bisher ist es immer gutgegangen. „Wir tun, was wir tun müssen. Wir sind starke Männer.“ Karaiannis füllt den Türrahmen der in leuchtendem Orange gestrichenen Feuerwache im Dorf Agios Nikolaos fast aus. „Wir essen auch immer unsere Teller leer“, sagt er, und die Männerrunde lacht.

          Seine Kollegen sitzen drinnen auf beigefarbenen Kunstledersofas. Die Glut ihrer Zigaretten hat die Farbe der OPEAN-Shirts, die staatliche Feuerwehr in Griechenland trägt Dunkelblau. Die Gespräche werden vom Knistern des Funkgerätes unterbrochen. OPEAN hat ein eigenes Funknetz und benutzt auch das der staatlichen Feuerwehr mit. Wer an diesem Tag keinen Dienst hat, ist nach der Arbeit auf einen Kaffee vorbeigekommen. Je nach Wetter haben bis zu 40 Leute Bereitschaft, ihre Ausrüstung liegt im Auto. Wenn es sein muss, sind sie in fünf Minuten startklar.

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