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Griechische Feuerwehr : Hier brennt nur die Kerze im Gebetshäuschen

  • -Aktualisiert am

„Wir Pirosvestiki sind ein Team“, sagt Martzivanos, als er zur Brandwache durch seinen Wald auf den Bergen Sithonias aufbricht. Von Juni bis September sind 24 Stunden am Tag OPEAN-Patrouillen unterwegs. Wenn es besonders heiß und trocken ist, werden die Waldwege gesperrt. Damit ist die zweithäufigste Brandursache, die Fahrlässigkeit der Leute, schon einmal ausgeschlossen. Die meisten Brände gehen auf Blitze zurück, da hat selbst OPEAN keinen Einfluss. Hinter Martzivanos’ Sitz rollen vier Helme mit Schutzbrille und Handschuhen herum, die Feuerwehrleute müssen ihre Schutzkleidung selbst bezahlen. Die Autofenster sind heruntergekurbelt, um die gnädige Kühle der Dämmerung hereinzulassen - und damit die Männer im Ernstfall das Feuer riechen können.

Beim letzten großen Brand auf einem Campingplatz im Juni verbrannten 5.000 Hektar. Für ganz Nordgriechenland gibt es zwei Löschflugzeuge, die in Saloniki stationiert sind und mindestens eine Stunde bis nach Sithonia brauchen. Hubschrauber gibt es nicht. Während der Brandwache hat Martzivanos keine Augen für den Sonnenuntergang über dem Meer. Er schaut prüfend in das Dickicht an den Hängen. „Ich liebe den Wald“, sagt er. „Viele Familien hier leben von ihm, vom Honig.“

Am häufigsten werden sie von deutschen Touristen gerufen

Auch der Präsident von OPEAN, Athanasios Evangelinos, ist Imker. Seit der Gründung 2006 steht der 53 Jahre alte Mann, der auch Zimmer an Touristen vermietet, der Freiwilligen Feuerwehr Agios Nikolaos vor. Unter ihm ist OPEAN gewachsen, die erste und einzige Freiwillige Feuerwehr Griechenlands, die eine eigene Feuerwache und Notrufnummer hat, 250 Mann und zehn Autos. Sieben sind Einsatzfahrzeuge, drei bringen die übrigen Feuerwehrleute zum Brand. Für schmale Gassen gibt es kleine Autos. Drei große Fahrzeuge kommen aus Deutschland. Ein Löschgruppenfahrzeug, ein Tragkraftspritzenfahrzeug und eines zum Transportieren der Ausrüstung. Die Schenkungsurkunden der Freiwilligen Feuerwehren St. Augustin und Siegburg hängen gleich neben den Ikonen der Muttergottes und des Propheten Elias im Büro.

Die deutschen Autos sind das Glück und der Stolz der griechischen Feuerwehrleute, damit sind sie der staatlichen Feuerwehr, die 25 Kilometer über eine holperige Landstraße entfernt in Neos Marmaras sitzt, weit voraus. Zu verdanken haben die Pirosvestiki das einem deutschen Feuerwehrmann aus Sankt Augustin, der in Agios Nikolaos wohnt. Er hat ihnen 2008 das erste Auto gebracht, das letzte haben sie im November aus Siegburg geholt. Es sind die größten Autos, die unter den armeegrünen Sonnensegeln stehen, und die einzigen mit Blaulichtern. (Die der griechischen Einsatzwagen sind rot.) Die Pumpen, Schläuche und Atemschutzgeräte sind noch deutsch beschriftet, die 112 ist schon von weitem zu lesen. Oft rücken aber nur die kleinen Autos aus: „Am häufigsten werden wir gerufen, weil sich mal wieder deutsche Touristen beim Wandern verirrt haben“, sagt Evangelinos lachend.

Um halb neun, als die Sonne verschwunden ist, legt Martzivanos seine Sonnenbrille ab. Eingehüllt in eine Staubwolke, holpert er mit dem Pick-up die Schotterpiste zum Meer hinab. Auf der Landstraße nach Agios Nikolaos wird der Geruch von Wald und Salzwasser von Frittierfett und Grillfeuer überdeckt. An den Häusern sind die Neonröhren der Tavernen und die Leuchtreklamen der Fremdenzimmer angegangen. Im Radio singt ein Sänger über Agapi, die Liebe, als Martzivanos auf den Parkplatz der Feuerwache rollt. Seinen Pinien geht es gut. Das Einzige, was an diesem Abend brennt, ist die Kerze im Gebetshäuschen vor der Wache.

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