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Ölteppich am Huntington Beach : Eine der verheerendsten Ölkatastrophen Kaliforniens

  • -Aktualisiert am

Schweres Gerät ist auf dem Huntington Beach im Einsatz, um eine Ölverschmutzung von naheliegenden Naturschutzgebieten abzuwenden. Bild: AFP

Ein rund zehn Kilometer langer Ölteppich bedroht Naturschutzgebiete am Küstenabschnitt bei Los Angeles. Das Pipeline-Leck soll bisher nur provisorisch repariert worden sein.

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          Die kalifornische Küstenwache war wohl zu optimistisch. „Wir wurden schnell gewarnt und können das Ganze voraussichtlich auf einen kleinen, kon­trollierbaren Zwischenfall begrenzen“, teilte sie am Samstagvormittag mit. Einige Stunden zuvor hatten Fischer und Bootsfahrer vor der Küste bei Newport Beach südlich von Los Angeles einen dünnen Ölfilm auf dem Wasser bemerkt.

          Das Unternehmen Amplify Energy schloss daraufhin eine Pipeline, die von der Ölplattform „Elly“ aus Rohöl ans Festland transportierte. Der Konzern mit Sitz im texanischen Houston teilte mit, vermutlich sei das Öl aus einer undichten Stelle ausgetreten. Per Tweet beruhigte Newport Beach die Anwohner. Wind, Wellen und Sonne, so die Prognose der Stadtverwaltung, würden das Öl verteilen. Die Verschmutzung der Strände sei nicht zu erwarten.

          Dass Küstenwache und Stadtväter falschlagen, zeigte sich am Samstagabend, als der Ölteppich die Strände erreichte und die ersten verendeten Fische angeschwemmt wurden. „Wir ­stehen vor einer möglichen ökologischen Katastrophe“, warnte Kim Carr, Bürgermeisterin von Huntington Beach.

          Eine der verheerendsten Ölkatastrophen

          Wie Amplify Energy meldete, traten bis Montag etwa 500.000 Liter Rohöl vor Orange County aus. Das Leck, das nach ersten Untersuchungen etwa sieben Kilometer vor der Küste liegt, soll laut Los Angeles Times provisorisch repariert worden sein. Angeblich trat am Sonntag aber weiterhin Öl aus. Einsatzkräfte versuchten derweil, den schwarzen, schmierigen Film mit schwimmenden Barrieren von Festland und Feuchtgebieten fernzuhalten. Die Talbert Marsh in Huntington Beach wird von mehr als 90 Vogelarten bewohnt. Das Feuchtgebiet dient zudem als Zwischenstopp für Zugvögel auf ihrem Weg von den Nistplätzen in der Arktis zu den Winterquartieren in Südamerika. Auch das Landschafts­schutz­gebiet Bolsa Chica Ecological Reserve, Heimat von Kalifornischem Mücken­fänger und Savannenammer, droht von Öl heimgesucht zu werden.

          Mit einer Größe von etwa 33 Quadratkilometern gilt der Ölteppich schon jetzt als einer der verheerendsten Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte durch Pipelines oder Bohrinseln vor Kalifornien. Im Frühjahr 2015 waren vor Santa Barbara etwa 400.000 Liter Rohöl in den Pazifik ausgetreten, als eine Pipeline des Unternehmens Plains All American brach. Untersuchungen belegten damals Dutzende Verstöße bei der Wartung der Leitungen.

          Acht Jahre zuvor hatten fast 200.000 Liter Rohöl die San Francisco Bay verschmutzt, nachdem ein Containerschiff eine Brücke gerammt hatte. Als schlimmstes Desaster vor der kalifornischen Küste gilt der Ölaustritt aus einer Bohrquelle vor Santa Barbara. Bei dem Unglück Anfang 1969 breiteten sich mehr als 15 Millionen Liter Rohöl über Pazifik und Strände aus.

          Auch Huntington Beach, bekannt als Surf City, erlebte bereits in der Vergangenheit eine Ölkatastrophe. Im Jahr 1990 verlor der Tanker American Trader mehr als 1,5 Millionen Liter, als das Schiff auf den eigenen Anker fuhr. Die kalifornische Behörde für Fisch und Wildtiere zählte damals fast 3400 tote Vögel in den Feuchtgebieten der Region. Die Strände blieben wochenlang geschlossen.

          Nach dem Leck am Wochenende stellt sich die Küstenwache nun ein weiteres Mal auf großflächige Verschmutzungen ein. Rebecca Ore, Chefin der Coast Guard im Bezirk Los Angeles-Long Beach, kündigte am Montag „kontinuierliche und langfristige“ Säuberungsarbeiten an.

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