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Nach Feuer in Notre-Dame : Fast eine Milliarde Euro an Spenden für Wiederaufbau

  • Aktualisiert am

Riesige Spendenwelle: Für Notre-Dame sind schon Millionen Euro an Spenden zusammengekommen. Bild: Reuters

Für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist schon eine riesige Summe an Spendengeldern zusammengekommen. Wie der eingestürzte Spitzturm nachgebaut werden kann, darüber soll ein internationaler Wettbewerb entscheiden.

          Für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist schon fast eine Milliarde Euro an Spenden zusammengekommen. „Heute Morgen waren es fast 900 Millionen. Ich denke, wir werden heute noch die Milliardengrenze überschreiten“, sagte der Fernsehmoderator Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatschef Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, am Mittwoch dem Sender RMC. „Die ganze Welt ist an unserer Seite“, sagte Bern. Er erhalte Spenden aus vielen Ländern für die berühmte Kathedrale im Herzen von Paris, in der am Montagabend ein heftiges Feuer ausgebrochen war.

          Beim Wiederaufbau der durch den Großbrand schwer beschädigten Kirche könnte der bisherige Holzdachstuhl durch eine Version aus Metall ersetzt werden. Experten verwiesen auf ähnliche Maßnahmen bei anderen zerstörten Kirchengebäuden. Manche könnten sich allerdings nur einen originalgetreuen Wiederaufbau der Kathedrale vorstellen, sagte der Londoner Architekt Francis Maude. Er war nach dem schweren Brand im Schloss von Windsor in den Neunzigerjahren an dessen Restaurierung beteiligt gewesen. Tatsächlich aber sei das nur eine von mehreren Möglichkeiten. Maude nannte als Beispiel die im Ersten Weltkrieg beschädigte Kathedrale von Reims. Sie hat seitdem ein feuerbeständiges Stahldach.

          Nur vage Zeichnungen der Baupläne

          Ähnlich sieht das auch der Kunsthistoriker Stephan Albrecht von der Universität Bamberg, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Architektur von Notre-Dame gehört. Er sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, er könne sich nicht vorstellen, dass der Dachstuhl aus Holz nachgebaut werde. Die Baupläne aus dem 13. Jahrhundert seien nicht mehr verfügbar, es gebe nur „vage Zeichnungen“.

          Albrecht verwies auf den Stephansdom in Wien: Dessen hölzerner Dachstuhl war 1945 völlig abgebrannt und wurde durch eine Konstruktion aus Stahl ersetzt. „Das ist ein Riesenverlust, aber der Dachstuhl (von Notre-Dame) wird nachher ein anderer sein“, sagte der Kunsthistoriker.

          Der Dombaumeister von Wien, Wolfgang Zehetner, hatte im F.A.Z.-Interview am Dienstag allerdings auf Gefahren hingewiesen, die durch Stahldachstühle drohen: „Sie sind nicht unmittelbar brennbar, deswegen könnte so etwas wie in Paris nicht passieren. Andererseits kann Stahl einknicken, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist. Ist genug brennbares Material in der Nähe, kann ein Stahldachstuhl sehr gefährlich werden: Man hat keine Zeit, die Kirche zu evakuieren, sondern der Turm kollabiert plötzlich.“

          Frankreich will für den Wiederaufbau des 90 Meter hohen Spitzturms, der bei dem Brand eingestürzt ist, einen internationalen Architekturwettbewerb ausrufen. Damit solle darüber entschieden werden, ob und wie der Turm wieder aufgebaut wird, sagte Premierminister Édouard Philippe nach einer Regierungssitzung am Mittwoch. Ein neuer Turm müsse den „Techniken und Herausforderungen unser Zeit“ standhalten.

          Außerdem kündigte Philippe ein neues Gesetzes an, das Transparenz im Umgang mit den Spenden sicherstellen soll. „Jeder Euro, der für den Wiederaufbau von Notre-Dame eingezahlt wird, wird dafür eingesetzt – und für nichts anderes“, sagte Philippe. Eine entsprechende Vorlage soll es in der kommenden Woche geben. Außerdem solle eine öffentliche Einrichtung den Wiederaufbau leiten.

          Als Zeichen der Solidarität mit Notre-Dame sollen am Mittwoch die Glocken vieler französischer Kirchen um Punkt 18.50 Uhr läutern. „Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris ist ein Schock weit über die Katholiken unseres Landes hinaus“, erklärte die französische Bischofskonferenz.

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