https://www.faz.net/-gum-701ds

Norditalien : Mehr als 100 Nachbeben

  • -Aktualisiert am

Bei Regen und Kälte harrten viele Menschen aus Angst vor Nachbeben in Zelten aus. Bild: AFP

Nach einem schweren Erdbeben in Norditalien sind tausende Menschen obdachlos geworden. Aus Furcht vor weiteren Beben harrten viele Bewohner in Turnhallen, Zelten und Autos aus.

          Aus Furcht vor Nachbeben haben im italienischen Erdbebengebiet Tausende die Nacht zum Montag bei Regen und Kälte in Zelten, Autos oder Turnhallen verbracht. Bei dem Beben der Stärke 6,0, das vor allen die Provinzen Modena und Ferrara traf, waren am Sonntag sieben Personen umgekommen und etwa 50 verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich um vier Arbeiter, die in Fabriken umkamen, und drei weitere Personen, unter ihnen auch eine deutsche Frau.

          Der Katastrophenschutz nahm sich der Obdachlosen an und errichtete Notunterkünfte. Viele Häuser wurden unbewohnbar, kulturhistorisch bedeutsame Gebäude wurden beschädigt. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti teilte mit, bei dem Erdbeben seien rund 200 000 Käselaibe zerstört worden. Demnach entstand ein Schaden von 50 Millionen Euro.

          Am Sonntag und Montag gab es etwa 100 Nachbeben; eines davon erreichte am Sonntagnachmittag die Stärke 5,1. In den nächsten Tagen kann es zu weiteren Nachbeben kommen. Vorzeitig vom Nato-Gipfel in Chicago zurückgekehrt, leitete Ministerpräsident Mario Monti am Montag eine Sondersitzung des Kabinetts.

          Bei dem Beben stürzte auch das Dach der Kathedrale von Mirandola ein. Das Kastell der Familie Este in Ferrara wurde schwer beschädigt. Ein Beben im November 1570 hatte die Familie der Herren von Ferrara damals dazu gezwungen, ihre Burg zu verlassen. Der mittelalterliche Uhrenturm in dem vom jüngsten Beben besonders hart getroffenen Ort Finale Emilia, „Il Torre dei Modenesi“, erhielt in der Nacht zum Sonntag einen ersten schweren Stoß, so dass eine Hälfte wegbrach und das Zifferblatt in der Mitte entzwei gerissen wurde. Am Sonntagnachmittag stürzte dann auch Turmstumpf ein. Schwere Schäden registrierte auch Ferrara. Weil auch Schulen beschädigt sind, fiel am Montag mancherorts der Unterricht aus.

          Bissig hieß es in einem Zeitungskommentar am Montag, schon nach dem Beben von 1570 habe der Architekt Pirro Ligorio, der Nachfolger Michelangelos in dessen römischer Werkstatt, das erste erdbebensichere Haus entworfen. Aber bis heute werde nicht so gebaut, dass die Menschen vor Beben sicher sind. Auch an den Folgen solcher Katastrophen haben die Italiener mitunter lange zu laborieren. Am 6. April 2009 hatte ein Beben mit ähnlich starken Stößen die Abruzzen mit ihrer Hauptstadt L’Aquila erschüttert. 300 Menschen kamen ums Leben. Bis heute leben noch mehrere hundert Familien in provisorischen Unterkünften.

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Hilfe bei häuslicher Gewalt: Überwältigung eines Schlägers bei einer Übung in Wiesbaden

          Partnerschaftsgewalt : Du gehörst mir!

          Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Oft geht es dabei um Macht und Kontrolle. Auch Maria musste deshalb sterben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.