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Nigeria : Flugzeug mit 153 Passagieren in Nigeria abgestürzt

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Die Bergungsarbeiten gingen nur langsam voran, weil Plünderer das Durchkommen der Rettungskräfte erschwerten. Bild: REUTERS

In der nigerianischen Millionenstadt Lagos ist ein Flugzeug abgestürzt. Nach Behördenangaben kamen dabei alle 153 Passagiere ums Leben, darunter offenbar auch ein Deutscher. Plünderer mussten von der Armee im Zaum gehalten werden.

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          Beim Absturz eines Passagierflugzeugs in ein dicht besiedeltes Viertel der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos sind nach Behördenangaben alle 153 Insassen ums Leben gekommen. Auch am Boden seien Menschen getötet worden, teilte der Chef der nationalen Luftfahrtbehörde mit. Es war die schlimmste Flugzeugkatastrophe in Nigeria seit fast zwei Jahrzehnten.

          Rettungskräfte seien an den Unglücksort geeilt, sagte Yushau Shuaib von der nationalen Katastrophenschutzbehörde. Die Maschine der nigerianischen Fluggesellschaft Dana Air war lokalen Medienberichten zufolge aus der Hauptstadt Abuja gekommen und kurz vor der Landung auf dem Murtala Muhammed International Airport in Lagos abgestürzt. Der Flug von Abuja nach Lagos dauert nur 50 Minuten – viele Nigerianer, die in der Wirtschaftsmetropole Lagos arbeiten, verbringen das Wochenende in Abuja.

          Kurz vor dem Absturz hatten die Piloten – ein Amerikaner und ein Inder – Militärangaben zufolge Triebwerksprobleme gemeldet. Nach Angaben der nigerianischen Luftwaffe lagen zwischen Notruf und Absturz weniger als zwei Minuten. Die Maschine war anscheinend nicht im Sturzflug abgestürzt, sondern war bei sonnigem Wetter mit dem Rumpf in die dicht besiedelte Wohngegend geprallt. Das Flugzeug riss durch Dächer, durchtrennte einen Mangobaum und rammte mindestens zwei Wohngebäude. Experten zufolge hatte die 20 Jahre alte Unglücksmaschine bereits in der vergangenen Woche Probleme und hätte vermutlich nicht starten dürfen. Die Dana Air ist allerdings nicht wie viele andere afrikanische Fluggesellschaften auf der schwarzen Liste der Europäischen Union verzeichnet.

          Auf Fernsehbildern vom Unfallort war das brennende Wrack als McDonnell Douglas MD-83 des amerikanischen Herstellers Boeing zu identifizieren. Der Chef der nigerianischen Zivilluftfahrtbehörde, Harold Denuren, sagte lokalen Medien, er rechne nicht mit überlebenden Passagieren. Die meisten von ihnen verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Das Flugzeug hatte den Angaben zufolge eine Hochspannungsleitung gestreift, bevor es das Haus traf. Die Trümmer des zweistrahligen Jets stürzten in ein zweistöckiges Gebäude der bevölkerungsreichsten Stadt Nigerias. Das Haus fing Feuer. Über dem Stadtteil stand dichter Rauch. Bis zum Montagabend haben Rettungskräfte erst 62 der mutmaßlich mehr als 150 Todesopfer bergen können.  An der Unglückstelle hatten sich unbeschreibliche Szenen abgespielt, als Tausende Schaulustige die umliegenden Straßen blockierten und die Rettungskräfte deshalb nicht durchkamen. Zahlreiche Menschen hatten zudem versucht, die Habseligkeiten der Unfallopfer zu stehlen. Die Armee musste mit Knüppeln, Gummigeschossen und Tränengas gegen die Plünderer vorgehen.

          Am Unglücksort in der Dämmerung Bilderstrecke
          Am Unglücksort in der Dämmerung :

          Auf ersten Bildern vom Unglücksort war das brennende T-Leitwerk mit dem Logo der nigerianischen Fluggesellschaft zu erkennen. Tausende Schaulustige strömten an den Unglücksort im Stadtteil Iju-Ishaga. Einige halfen der Feuerwehr, die Schläuche auszurollen. Mehr als drei Stunden nach dem Flugzeugunglück war aber noch immer nicht genügend Wasser zur Hand, um die Flammen zu löschen. Junge Männer brachten Plastikeimer mit Wasser. Die Behörden riefen zudem Transportfahrzeuge von nahegelegenen Baustellen herbei. Doch wegen der engen und überfüllten Straßen konnten sie die Absturzstelle nicht erreichen. Über der Gegend stieg eine weiße Wolke auf, Trümmerteile lagen auf dem schlammigen Boden verteilt.

          Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Jonathan bete, „dass der Allmächtige den Familien der Opfer den Mut und die innere Stärke verleiht, ihren unersetzlichen Verlust zu ertragen“, hieß es in einer Stellungnahme des Präsidentenbüros zu dem Unglück. Bei dem Flugzeugunglück ist wohl auch ein deutscher Passagier ums Leben gekommen. „Nach derzeitigen Erkenntnissen müssen wir leider davon ausgehen, dass wahrscheinlich ein deutscher Staatsangehöriger an Bord der verunglückten Maschine war“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag. Eine endgültige Bestätigung stehe aber noch aus. Es handelt sich offenbar um einen Entwicklungshelfer der GIZ. Unter den Toten befinden sich auch mindestens sieben chinesische Staatsangehörige, berichtete die chinesische Botschaft in Nigeria. Laut staatlichen libanesischen Medienberichten sind auch zwei Libanesen unter den Opfern.

          Der Flughafen Lagos wurde geschlossen. Erst im November hatte Dana Air ihr dreijähriges Bestehen gefeiert. Die Kapazität seiner beiden Jets vom Typ McDonnell Douglas MD-80 gibt das Unternehmen mit 140 Plätzen an. Der Flugzeughersteller McDonnell Douglas, der diesen Typ in den 1970-er Jahren entwickelt hatte, fusionierte 1997 mit dem Konkurrenten Boeing. 

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