https://www.faz.net/-gum-7oobv

Lawinenunglück am Mount Everest : Nepals Regierung will, dass der Aufstieg weitergeht

  • Aktualisiert am

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: der Mount Everest Bild: dpa

Die Sherpas am Mount Everest sind uneins, ob sie nach Ende der Trauerzeit wieder Touristen auf den Berg führen sollen. Die Linie der Regierung ist dagegen klar: Die Touristen sollen bleiben.

          2 Min.

          Nepals Regierung hat nach dem schweren Lawinenunglück am Mount Everest und einem Streik zahlreicher Sherpas die diesjährigen Gipfelgenehmigungen verlängert. Wer sich nun vom Everest zurückziehe, könne innerhalb von fünf Jahren wiederkommen, ohne noch einmal zahlen zu müssen, sagte Dipendra Paudel vom Tourismusministerium. Der Minister Bhim Acharya war am Donnerstag ins Basislager am höchsten Berg der Welt geflogen, um die Sherpas zum Weiterarbeiten zu bewegen - anscheinend ohne Erfolg.

          15 der 30 diesjährigen Expeditionen entschlossen sich nach offiziellen Angaben zur Umkehr. Zwar haben sich Meldungen, wonach die Sherpas in dieser Saison keine Expeditionen auf den Mount Everest mehr begleiten wollen, als falsch erwiesen. Doch die Sherpas im Lager sind offenbar uneins darüber, ob sie nach dem Ende der einwöchigen Trauerzeit am Samstag weiter aufsteigen sollen. „Die Meinungen gehen gerade auseinander. Wir sind tief betrübt über den Verlust unserer Brüder. Aber ich finde, wir sollten diejenigen nicht stoppen, die weitergehen möchten“, sagte Bergführer Jangbu Sherpa.

          Expeditionen üben Druck aus

          Bei dem Lawinenunglück am Karfreitag waren 13 Nepaler getötet worden, drei weitere sind noch unter Schnee und Eis begraben. Derzeit ist die Route auf den Gipfel nicht offen, weil die Lawine die Fixseile und Leitern zerstörte, und während der Trauerphase keinerlei Touren gemacht wurden. Die sogenannten Eisfall-Doktoren, die den besonders gefährlichen Weg durch den Khumbu-Eisfall präparieren, wollen allerdings wenn nötig die Route wieder öffnen.

          Bergsteiger Tim Rippel berichtete aus dem Basislager, es sei empörend, wie Expeditionen Druck auf die Sherpas ausübten. „So klettern wir nicht auf die Berge!!“, schrieb er in seinem Blog. Wut baue sich auf, und manche Sherpas sprächen schon von Vergeltungsmaßnahmen gegen diejenigen, die weitermachen wollen. Deswegen gehe er jetzt nach Hause, und seine Organisation Peak Freaks überlege sich, ob sie überhaupt noch einmal zum Everest zurückkehre. Gruppen-Expeditionen müssen für eine Gipfelgenehmigung mehrere zehntausend Euro zahlen.

          Bergsteiger richten Hilfsfonds ein

          Der bayerische Extrembergsteiger Karl Flock forderte die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Hinterbliebenen. „Das ist etwas absolut Notwendiges, das ist ein Muss“, sagte Flock. „Nepal ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Wenn eine Familie sowas trifft, dass der Vater zu Tode kommt, muss man helfen.“ Ohne die Sherpas würden die wenigsten der westlichen Touristen diese Achttausender besteigen können.

          Mehrere Bergsteiger, die gerade im Basislager am Everest sind, haben bereits Initiativen für eine Hilfe gestartet oder zu Spenden aufgerufen. Unter ihnen ist der Amerikaner Ed Marzec (67), der seinen persönlichen Bergführer Asa Bahadur Gurung in der Lawine verlor. Er spendete 10.000 Dollar (etwa 7240 Euro) und richtete den Sherpa Avalanche Fund für die Familien der 16 Toten ein. „Die 400 Dollar, die die Regierung als Entschädigung zahlt, sind eine Beleidigung“, sagte Marzec.

          Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kann verstehen, dass manche Sherpas nun nicht aufsteigen wollen. „Ich finde diese Entscheidung sehr mutig und hoffe, dass die Sherpas das durchhalten“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“. Die jetzige Form des Everest-Tourismus sei ohnehin Selbstbetrug, meint Messner, der als erster ohne künstlichen Sauerstoff auf dem Gipfel stand. „Die Leute geben viel Geld aus und glauben, sie haben den Everest bestiegen. In Wirklichkeit haben sie den Everest nicht verstanden und nicht bestiegen und stattdessen viele Leute in den Tod laufen lassen.“

          Topmeldungen

          Vor dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart

          Daimler-Betriebsratschef sauer : „Die SPD-Spitze hat es nicht verstanden“

          Der Verzicht auf eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor treibt einen Keil zwischen Gewerkschaften und SPD. Die IG-Metall spricht von einem „massiven Vertrauensverlust“, Daimler-Betriebsratschef Brecht ist „stinksauer“. Die SPD schießt scharf zurück.

          Reiseveranstalter in Sorge : Urlaub auf Abstand

          Dieser Sommer wird anders sein – mit Sonderregeln am Strand und im Hotel. Reiseveranstalter schöpfen Hoffnung, die Deutschen auch in Corona-Zeiten vom Urlaub am Mittelmeer zu überzeugen. Doch die Sorgen überwiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.