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Nepal nach dem Beben : „Wir wollen keine Müllkippe für Hilfe werden“

Helfer des nepalesischen Militärs in einem betroffenen Dorf Bild: Reuters

Der Leiter der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde warnt vor unkoordinierter Hilfe aus dem Ausland. Der Außenminister des Landes widerspricht. In Kathmandu kommt es unterdessen wegen fehlender Busse und Versorgungsengpässen zu Ausschreitungen.

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          Der Leiter der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde hat davor gewarnt, dass sein Land „zur Müllkippe für Hilfsgüter und Teams“ werden könnte, wenn die Hilfe nicht gezielt eingesetzt werde und zu viele Helfertrupps ins Land kämen. „Wir haben jetzt 22 bis 24 Such- und Rettungsteam aus dem Ausland hier. Mehr brauchen wir nicht, denn wenn wir die richtig einsetzen, sollte es ausreichen“, sagte Ram Kumar Dahal am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Auch müsse jeder, der komme, einen Plan haben: „Wir haben nicht die Kapazität, für jeden alles zu organisieren.“ Wichtiger als weitere Hilfsgüter sei Geld, das in den Katastrophen-Fonds der Regierung fließe.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Außenminister Mahendra Bahadur Pandey wies die Äußerungen des Behördenchefs in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zurück. Die Hilfe aller Länder sei willkommen. Organisationen müssten nur vorher Angaben darüber machen, was geliefert werde und wer die Hilfsgüter begleite. Der Außenminister verteidigte seine Regierung gegen Kritik an den schleppenden Rettungsarbeiten. Grund dafür seien das schlechte Wetter und die schwierigen geographischen Gegebenheiten des Himalaja-Staates.

          In Kathmandu kam es unterdessen zu Ausschreitungen zwischen erbosten Bürgern und der Polizei. Demonstranten forderten eine raschere Verteilung von Hilfsgütern und die Bereitstellung zusätzlicher Busse, da Tausende Bewohner die Hauptstadt in Richtung besser versorgter Regionen des Landes verlassen wollten. Schon am Dienstag hatten sich Aktivisten zu einer Kundgebung vor dem Sitz des Ministerpräsidenten zusammengefunden. Sie wollten die Regierung zu schnellerem Handeln auffordern. Die Versammlung wurde nach Angaben eines Teilnehmers von einer Polizeihundertschaft mit Gewalt auseinandergetrieben.

          Mehrere Rettungsteams aus Deutschland sind inzwischen in Nepal eingetroffen. Helfer der Organisation I.S.A.R. machten sich am Mittwoch in die besonders schwer betroffene Region Gorkha auf. Am Morgen war zudem ein Flugzeug des Deutschen Roten Kreuzes gelandet. Unter den 60 Tonnen Hilfsgütern waren Trinkwasseraufbereitungsanlagen des Technischen Hilfswerks.

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