https://www.faz.net/-gum-9c3aa

Narongsak Osottanakorn : Auf seine Worte hört derzeit die ganze Welt

Narongsak Osottanakorn bei einer seiner Pressekonferenzen Bild: AFP

Narongsak Osottanakorn leitet in Thailand eine der aufwendigsten Rettungsaktionen aller Zeiten. Eigentlich hätte der Provinz-Gouverneur schon versetzt werden sollen. Zur Strafe für seinen Kampf gegen Korruption, behaupten Aktivisten.

          Seit mehr als zwei Wochen warten jeden Morgen Menschen auf der ganzen Welt drauf, was Narongsak Osottanakorn zu sagen hat. Der Provinz-Gouverneur von Chiang Rai in Thailand informiert die Weltpresse fast immer selbst darüber, wie die Lage in der Tham-Luang-Höhle ist. Mal hatten er oder sein Stellvertreter gute Nachrichten: zum Beispiel, dass die eingeschlossene Jugendfußballmannschaft nach neun Tagen fast ohne Nahrung und Licht gefunden wurde.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Mal hatten sie schlechte Nachrichten: zum Beispiel, dass ein ehemaliger thailändischer Marinetaucher bei dem Rettungseinsatz ums Leben kam. Bei einem seiner ersten Auftritte musste Narongsak aber erst einmal eine Erklärung in eigener Sache abgeben. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Kommandostruktur hier immer noch dieselbe ist“, sagte der Mann, der Geologie und Ingenieurwesen studiert hat. „Ich leite die Operation, wie immer.“

          Nötig war diese Erklärung, weil Narongsak zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich gar nicht mehr in der Region arbeiten sollte. Die Gouverneure aller Provinzen werden in Thailand vom Innenministerium bestimmt. Die einzige Ausnahme ist Bangkok, dort wird der Gouverneur gewählt und ist zugleich Bürgermeister. Mit einer Anweisung vom April wurde Narongsak in die benachbarte Provinz Phayao versetzt. So eine Versetzung ist nicht unüblich, aber nach nicht einmal einem Jahr auch nicht die Regel.

          Als die Fußballmannschaft am 23. Juni zu dem verhängnisvollen Ausflug in die Höhle aufbrach, wäre Narongsak eigentlich nur noch ein paar Tage im Amt gewesen. Dann bekam er vom Innenministerium einen Sonderauftrag. Seitdem leitet er eine der aufwendigsten Rettungsaktionen, die es mindestens in Thailand je gab. Narongsak ließ Löcher in den Berg bohren, nach anderen Eingängen suchen, unvorstellbare Mengen an Wasser abpumpen und schickte am Sonntagmorgen schließlich die Taucher zu dem hochriskanten Rettungseinsatz mit den Worten in die Höhle: „Heute ist D-Day.“

          Kampf gegen Korruption

          Schon bevor absehbar war, ob die Rettungsaktion erfolgreich sein würde, wurde Narongsak gefeiert: Aktivisten forderten, seine Versetzung rückgängig zu machen. Sie behaupten, Narongsak sei nur versetzt worden, weil er sich gegen Korruption gewehrt habe. Lokalen Medienberichten zufolge weigerte sich Narongsak etwa, ein teures Tourismusprojekt umzusetzen, weil man mit dem Geld besser Straßen bauen könnte. Ein anderes Mal soll er den Plan abgelehnt haben, in der Mitte eines Flusses eine Statue für einen ehemaligen König zu errichten, weil dies die Umwelt schädige. Im März sagte Narongsak: „Ich bin bereit, überall hinzugehen, aber ich werde keine falschen Projekte unterschreiben.“ Einen Monat später wurde er versetzt.

          Mittlerweile hat Thailands Premierminister Prayut Chan-o-cha seinen Gouverneur für dessen gute Arbeit gelobt. Die Versetzung sei aber nicht mehr rückgängig zu machen. „Sie wurde schon vom König unterschrieben.“ Narongsak solle auch nicht bestraft werden, sondern mit seinem Talent die Entwicklung in der kleineren Region voranbringen. Sollte der Rettungseinsatz in Thailand noch schief gehen, kann der Premierminister das nicht auf Narongsak schieben. Die Entscheidung, die riskante Operation am Sonntag zu starten, hat der Gouverneur nicht alleine getroffen.

          Am Freitagabend traf Innenminister Anupong Paochinda vor Ort ein, stundenlang beriet er sich mit den Leitern der Rettungsaktion, dann ließ er die wartenden Journalisten trotz einer angekündigten Pressekonferenz einfach stehen. Beobachter vor Ort vermuteten, dass Anupong, der von 2007 bis 2010 Oberbefehlshaber der Königlich Thailändischen Armee war und nach dem Militärputsch 2014 Innenminister wurde, die finale Entscheidung treffen musste. Für Montag hat sich Premierminister Prayuth an der Höhle angekündigt. Alle hoffen, dass es dann Grund zur Freude gibt. Nicht zuletzt Narongsak Osottanakorn. 

          Topmeldungen

          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Gespräch mit Klimaaktivistinnen

          „Volkseinwand“ : Warum vertritt die Volksvertretung nicht das Volk?

          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will seinen Bürgern ermöglichen, beschlossene Gesetzentwürfe durch Volksabstimmungen zu verhindern. Das hätte gravierende Auswirkungen auf den Landtag – aber auch auf die Bundespolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.