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Empörung über Kathedralenbrand : Und wieder brennt eine Kirche

In der Kathedrale von Nantes fing es am Samstagmorgen an zu brennen. Bild: Reuters

Das Feuer in Nantes wurde wohl absichtlich gelegt, und in Frankreich entbrennt eine Diskussion: Wie kann man die Kirchen des Landes besser vor Übergriffen schützen?

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          In die Erschütterung über den Brand in der Kathedrale von Nantes hat sich am Sonntag Wut gemischt. Der französische Kulturerbe-Beauftragte Stéphane Bern beklagte die am Samstagmorgen mutmaßlich durch Brandstiftung ausgelösten Schäden als Zeichen eines „schrecklichen Nihilismus“. „Man fragt sich, was aus unserer Gesellschaft geworden ist, wenn nichts mehr Sinn macht und Wert hat“, sagte er der Zeitung „Le Parisien“. „Wir stehen vor dem Problem des Zusammenlebens, wenn man Kultstätten angreift.“

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Polizei nahm noch am Samstagnachmittag einen 39 Jahre alten Mann aus Ruanda fest, der als freiwilliger Helfer damit beauftragt gewesen war, die Eingänge zur Kathedrale am Freitagabend zuzusperren. Am Sonntagabend kam der Mann wieder frei. Es gebe keine Verbindung zu dem Feuer und keine weitere Strafverfolgung, so Staatsanwalt Pierre Sennès.

          Das Feuer war am Samstagmorgen an drei Brandherden ausgebrochen, unter der Orgel im Hauptschiff sowie in den beiden Nebenschiffen. Die Orgel aus dem Jahr 1620, die den letzten Großbrand 1972 unversehrt überstanden hatte, wurde fast vollkommen zerstört. Orgelmeisterin Marie-Thérèse Jehan, die sich die Schäden am Samstagnachmittag ansah, sagte unter Tränen: „Das trifft mich ins Mark. Eine der größten und ältesten Orgeln Frankreichs ist unwiederbringlich verloren.“ Drei Stunden brauchten die Feuerwehrleute, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Auch die bemalten Glasfenster aus dem 15. Jahrhundert, die auf Anne de Bretagne zurückgehen, erlitten schwere Schäden, eines wurde vollständig zerstört. Auf ersten Fotos, die von der Diözese veröffentlicht wurden, sind verkohlte Trümmerhaufen im Innenraum zu sehen, Reste der Hauptorgel, die auf den Boden stürzten.

          Präsident Emmanuel Macron dankte den Feuerwehrleuten, weil sie „große Risiken auf sich genommen haben, um dieses gotische Juwel zu retten“. Auch bei ihm weckten die Flammen die Erinnerung an den Brand in Notre-Dame in Paris am 15. April 2019, dessen Ursache weiterhin unklar ist. „Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen“, twitterte Macron von Brüssel aus. Premierminister Jean Castex inspizierte in Begleitung von Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin schon am Samstag die Brandschäden und versprach staatliche Hilfe beim Wiederaufbau.

          Der rechtsnationale Politiker Philippe de Villiers verlangte, sich nach dem neuerlichen Kirchenbrand zivilisatorische Fragen zu stellen. „Während des Lockdowns waren die Kirchen geschlossen. Jetzt brennen sie“, sagte er. Die Eliten sollten über den Niedergang des Abendlandes nachdenken. Tatsächlich sind in den vergangenen Monaten unzählige Kirchen in Frankreich beraubt, geschändet oder durch Brände beschädigt worden. Anfang Juli brannte das Dach der Pauluskirche in Corbeil-Essonnes, einem Vorort von Paris. Im März 2019 brach ein Feuer vor einer Holztür der Pfarrkirche Saint-Sulpice in Paris aus. Im Februar 2019 legten Unbekannte einen Brand in der Kathedrale Saint-Alain-de-Lavaur im Südwesten. Schon im Januar 2019 brannte die Sankt-Jakobs-Kirche in Grenoble aus. In fünf anderen Kirchen kam es 2018 zu ungeklärten Bränden. In der Sankt-Peters-Kirche in Orleans zündeten die Täter nicht nur Notenblätter an, sie schmierten auch Graffiti an die Kirchenwände. Die Ermittler notierten, jemand habe Beleidigungen und „Allahu akbar“ an die Wand geschrieben. Meist berichtet nur die Lokalpresse darüber, wenn wie in Wihr-au-Val im Elsass oder in Sumène in der Nähe von Montpellier Marienstatuen geköpft werden.

          Mehr Aufmerksamkeit erfuhr die mutwillige Beschädigung der Orgel der Basilika in Saint-Denis, in der die sterblichen Überreste der französischen Könige bestattet sind. Bei dem noch immer nicht aufgeklärten Übergriff vor einem Jahr wurden auch Fenster mit Glasmalereien beschädigt. Die Zahl der christlichen Kultstätten, die 2018 Opfer von Vandalismus wurden, beläuft sich nach Angaben des Innenministeriums auf 877, Tendenz steigend. Nach dem Brand in Nantes wird mit größerem Nachdruck die Frage gestellt, wie die mehr als 42.000 katholischen Kirchen in Frankreich besser geschützt werden können.

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