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Nach Unglück in Thailand : Die Rettung als Propagandashow

Hinter der Fassade dürften die kleinen Persönlichkeiten nun darum kämpfen, wieder in ihr normales Leben auf dem Lande zurückzukehren. „Wir haben keine Ahnung, welche Wunden die Kinder in ihrem Herzen davontragen“, sagte ein Mitarbeiter des thailändischen Justizministeriums. Vier der Fußballspieler scheinen aus Gastarbeiter-Familien zu stammen. Derzeit werde geprüft, ob sie die thailändische Staatsbürgerschaft erhielten, erklärte ein Offizier während der Show. Anschließend bekam jeder von ihnen einen Geschenkkorb von den Militärs überreicht. Auf dem Land ist die Armut noch weit verbreitet, jede Hilfe willkommen.

Die Jungen beim Verlassen des Krankenhauses in Thailand ... Bilderstrecke

Die Befreiung der Kinder grenzte an ein Wunder, wie es die spärlichen Äußerungen ihrer Retter verdeutlichen. Am 2. Juli hatten sie zwei britische Höhlentaucher gefunden. Von da an startete eine beispiellose, weltweit unterstütze Hilfsaktion. „Das war eines der schwierigsten, gefährlichsten und riskantesten Dinge, die ich jemals gemacht habe. Nicht mit Blick auf meine eigene Sicherheit, aber mit Blick auf die Menschen, für die ich verantwortlich war“, sagte der britische Höhlentaucher Jason Mallinson im Vorfeld der Pressekonferenz.

Die ausländischen Retter, die die Hilfe maßgeblich geplant hatten, waren am Abend im Thai-Fernsehen nicht erwünscht. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg war so gering, wie sie nur sein konnte. Ich war darauf vorbereitet, dass wir Todesfälle hinnehmen müssten. Vielleicht drei, vier, wahrscheinlich fünf hätten sterben können“, sagte der Amerikaner Charles Hodges. Eines der Risiken lag darin, das die Kinder beim Tauchen durch die Dunkelheit ihren Kopf an einen Felsen stießen und ihre Maske verrutschte. „Das wäre das Ende gewesen“, sagte der australische Taucher Richard „Harry“ Harris.

Im Hintergrund hatte die australische Regierung für ihre Taucher mit Thailand in jedem Fall Straffreiheit verhandelt, weil das Risiko der Rettungsaktion so hoch lag. Schwierig sei es gewesen, zu entscheiden, wer sich als erster auf die möglicherweise tödliche Reise aus der überfluteten Höhle mit den Marinetauchern machen sollte, erzählten die Jungen. Am Ende waren es Freiwillige, die zuerst die Hand hoben.

Am Schluss der Pressekonferenz knieten die zwölf Glücklichen vor dem Portrait von König Maha Vajiralongkorn nieder, der in Thailand gottgleich verehrt wird. Er hat genehmigt, aus Anlass der Rettung ein Fest auf dem Royal Plaza in Bangkok feiern zu lassen. Premierminister Prayuth Chan-ocha, der sich als General an die Macht geputscht hat, sprach von einem Bankett und Unterhaltung. Zwei Tage vor der Medienveranstaltung hatte er grünes Licht für die Entwicklung von Thailands erstem eigenem Unterseeboot für die Marine gegeben.

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