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Nach Erdbeben in Indonesien : Stimmen aus den Trümmern

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in der Ruine eines beschädigten Gebäudes. Bild: dpa

In der indonesischen Provinz Westsulawesi wird das Ausmaß des Erdbebens erst Stunden nach der Katastrophe sichtbar. Mindestens 35 starben, mehr als 600 wurden verletzt. Noch immer liegen Menschen unter den Trümmern.

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          Eine kurze Videosequenz zeigt die ganze Dramatik des Ereignisses: Ein Mädchen ist zu sehen, das verschüttet in den Trümmern eines Hauses liegt. Nur noch sein Gesicht schaut heraus. Mit Mühe gelingt es dem Mädchen, den Rettungskräften ein paar Worte zu sagen: „Bitte helft mir, es tut weh.“ Es ist noch dunkel, als das Video aufgenommen wird. Das Beben der Stärke 6,2 hat den Ort Majene um 1.18 Uhr in der Nacht zum Freitag getroffen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Laut der amerikanischen Erdbebenwarte USGS lag das Epizentrum 36 Kilometer südlich von Mamuju, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Westsulawesi, in einer Tiefe von 18,4 Kilometern. „Das Beben war sehr stark ... Ich war aufgewacht und mit meiner Frau zusammen weggerannt“, sagte ein 28 Jahre alter Anwohner der „Jakarta Post“. „Die Straßen sind aufgerissen und viele Gebäude sind eingestürzt.“ Angesichts Dutzender Verschütteter ließ sich erst Stunden später überhaupt erahnen, wie viele Menschen durch das Beben ihre Leben verloren haben.

          In den sozialen Netzwerken zeigten sich viele Indonesier erschüttert über die Katastrophe, die wenige Tage auf den Absturz eines indonesischen Passagierflugzeugs mit 62 Menschen an Bord und mehrere tödliche Erdrutsche in der Provinz Westjava folgt. Von mindestens 35 Toten war zunächst die Rede. Es wurde jedoch erwartet, dass diese Zahl noch steigen würde. Mindestens 600 Menschen wurden verletzt, davon 200 schwer. Dutzende Häuser waren in Folge der Erschütterungen zusammengebrochen, darunter Hotels und Krankenhäuser. Fieberhaft suchten die Rettungskräfte in den Trümmern nach Überlebenden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Für sie kommt die Bedrohung durch das Coronavirus hinzu: Indonesien ist in Südostasien das Land mit den meisten Fällen.

          „Wir können ihre Stimmen hören“

          Der Inselstaat liegt auf dem pazifischen „Feuerring“ und ist deshalb besonders häufig von Erdbeben betroffen. Auch die Region auf Sulawesi selbst war vor nicht allzu langer Zeit von einem Erdbeben heimgesucht worden, das jedoch um einiges verheerender war als das vom Freitag. Bei dem Erdbeben der Stärke 7,5 und dem darauffolgenden Tsunami waren im September 2018 mindestens 4300 Menschen ums Leben gekommen oder verschollen. Vor einem Tsunami wurde diesmal zwar nicht gewarnt. Jedoch hatte die Agentur für Meteorologie und Geophysik die Bevölkerung vor allem in Küstennähe zur Wachsamkeit aufgefordert. Demnach könne es in Folge stärkerer Nachbeben doch noch zu einer großen Welle kommen, etwa wenn es zu Erdrutschen am Meeresgrund kommen sollte. Derartige Erdrutsche gelten als mutmaßliche Ursache für den Tsunami 2018.

          Rettungskräfte suchen in der Stadt Mamuju nach Überlebenden in den Trümmern.
          Rettungskräfte suchen in der Stadt Mamuju nach Überlebenden in den Trümmern. : Bild: Mawardi/AFP

          Auch am Freitag hatte es bereits Dutzende Nachbeben gegeben. Außerdem war ein Beben der Stärke 5,9 dem stärkeren Schock vorausgegangen. Es hatte Erdrutsche ausgelöst und die Stromversorgung beeinträchtigt. Neben Krankenhäusern und Hotels waren auch das Büro des Gouverneurs von Westsulawesi und ein Einkaufszentrum durch das Beben zumindest teilweise zerstört worden. „Wir versuchen gerade, die Menschen aus dem Verwaltungsgebäude zu retten. Wir können ihre Stimmen hören, aber sie können sich nicht bewegen“, sagte Muhammad Idris, ein Sprecher des Gouverneurs. Eine Straße nach Mamuju sei aufgrund einer zerstörten Brücke nicht mehr befahrbar. Die Suchtrupps waren auch mit Baggern und Kränen auf der Suche nach Verschütteten. Es fehlte aber offenbar an einigen Orten an schwerem Gerät. Internationale Organisationen wie das Internationale Rote Kreuz und Caritas International kündigten an, ihre Hilfskräfte in die Region schicken zu wollen.

          Topmeldungen

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