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Nach Erdbeben : Zahl der Toten in Ecuador steigt auf mehr als 500

  • Aktualisiert am

Ecuadors Präsident Rafael Correa hat am Sonntag die vom Erdbeben verwüstete Stadt Jama besucht und die Mobilisierung der Streitkräfte für die Rettungsarbeiten angeordnet. Bild: AFP

Aus den Trümmern in Ecuador werden immer mehr Tote geborgen – aber auch Überlebende. Der Wiederaufbau dürfte lange Zeit dauern und Milliarden kosten.

          Nach dem Erdbeben in Ecuador sind bisher 525 Todesopfer geborgen worden. Aber auch Überlebende werden noch aus den Trümmern gezogen. Am Mittwochmorgen registrierte das Potsdamer GeoForschungsZentrum GFZ ein Beben der Stärke 6,0 vor der Küste Ecuadors. Von möglichen weiteren Schäden war zunächst nichts bekannt.

          Mehr als 400 Helfer aus Mexiko, Kuba, Chile, Kolumbien, Spanien und der Schweiz nehmen an den Bergungsarbeiten teil, wie Außenminister Guillermo Long über Twitter bekanntgab. Auch aus Deutschland lief Hilfe an.

          Man stehe „in engem Kontakt mit der ecuadorianischen Regierung, um den genauen Bedarf und Unterstützungsmöglichkeiten zu eruieren“, hieß es am Dienstag aus dem Auswärtigen Amt. Experten des Organisationsbündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ reisten am Montag nach Ecuador, wie das Bündnis mitteilte. Auch die Johanniter schickten nach eigenen Angaben über ihre Partnerorganisation ein Team in die Erdbebenregion.

          320 Menschen werden noch vermisst

          Nach Angaben des Roten Kreuzes in Ecuador wurden am Montagabend noch 320 Menschen vermisst. Das Beben der Stärke 7,8 hatte am Samstagabend vor allem einen rund 100 Kilometer breiten Küstenstreifen 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Quito getroffen.

          Der Katastrophenschutz des südamerikanischen Landes (SNGR) zählte 2658 Verletzte. Rund ein Drittel der Toten kam aus der 55.000 Einwohner zählenden Küstenstadt Pedernales, die größtenteils zerstört wurde. Auch die Städte Manta und Portoviejo wurden schwer beschädigt.

          In dem Video erzählt ein Helfer, einem Verwandten sei es zuvor gelungen, den verschütteten Mann auf dem Handy zu erreichen. Es war unklar, wann das Video entstanden war. Nach einem Bericht der BBC wurden am Montagabend in Manta sechs Menschen lebend aus den Trümmern eines Hotels geborgen – darunter ein dreijähriges Mädchen und ein Baby.

          Mehrere Ausländer unter den Toten

          Nach den Worten von Präsident Rafael Correa handelt es sich um die schlimmste Katastrophe in Ecuador seit dem Jahr 1949. Damals waren bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 im Zentrum des Landes mehr als 5000 Menschen gestorben. Correa ordnete nach örtlichen Medienberichten die Mobilisierung der Streitkräfte an, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Er verfügte demnach zudem, dass alle Trinkwasserhersteller des Landes ihre Produkte für Notfälle zur Verfügung stellen müssen.

          Unter den Opfern waren laut Correa ein Amerikaner, zwei Kanadier, sieben Kolumbianer, drei kubanische Ärzte und eine irische Nonne. Der Wiederaufbau werde Milliarden Dollar kosten, erklärte er am Montagabend. Es sei viel an erdbebensicheren Bauweisen zu verbessern. Nach dem verheerenden Beben in Haiti 2010 seien die Bauvorschriften in Ecuador verschärft worden, ältere Gebäude seien jedoch sehr anfällig, sagte Correa.

          Das Rote Kreuz rechne mit einem zweijährigen Einsatz, erklärte der Vorsitzende der Hilfsorganisation in Ecuador, Juan Cueva, wie die Nachrichtenagentur Andes meldete.

          Ein größeres Nachbeben in Quito spürbar

          Mehr als 300 Nachbeben erschütterten weiterhin die Provinzen Manabí und Esmeraldas, wie das Geophysische Institut mitteilte. Am Montag war ein größeres Nachbeben der Stärke 5,4 auch in Quito spürbar.

          Die Regierung Ecuadors hat für die erste Woche nach dem Beben 160 Millionen Dollar (140 Mio. Euro) aus dem Katastrophenfonds bereitgestellt. Die Europäische Union stellte eine Million Euro zur Verfügung. Die Vereinten Nationen entsandten ein Team in das südamerikanische Land.

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