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Nach dem Flugzeugunglück : Keine Hoffnung mehr auf Überlebende

Trauernde Angehörige: Es gibt keine Hoffnung mehr auf Überlebende Bild: dpa

Der Airbus 330 aus Rio de Janeiro hätte am Pfingstmontag um 11.15 Uhr am Pariser Großflughafen Roissy Charles de Gaulle landen sollen. Die Angehörigen, die in der Ankunfthalle im Terminal 2E warteten, glaubten zunächst an eine Verspätung des Fluges.

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          Der Airbus 330 aus Rio de Janeiro hätte am Pfingstmontag um 11.15 Uhr am Pariser Großflughafen Roissy Charles de Gaulle landen sollen. Die Angehörigen, die in der Ankunfthalle im Terminal 2E warteten, glaubten zunächst an eine Verspätung des Fluges mit der Flugnummer AF 447, wie sie bei Langstreckenflügen gang und gäbe ist.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Doch um kurz vor 12 Uhr an diesem strahlenden Frühlingstag kamen freundliche Air-France-Mitarbeiter, die alle Wartenden zum Mitkommen aufforderte. Im gerade erst eingerichteten Krisenzentrum wurde den Angehörigen bei frischen Getränken die schreckliche Nachricht überbracht. 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder, ein Baby und zwölf Air-France-Mitarbeiter waren an Bord der Maschine.

          „Es besteht keine Hoffnung mehr“

          Um vier Uhr morgens mitteleuropäischer Sommerzeit tauchte sie zum letzten Mal auf dem Radarschirm auf, seither ist sie spurlos verschwunden. In einer ersten Erklärung an die Presse war die Pariser Flughafenbehörde am Montag noch deutlicher geworden: „Es besteht keine Hoffnung mehr“. Auch Air France selbst hat jede Hoffnung auf Überlebende aufgegeben. „Die Air France erklärt den Familien und Nahestehenden der Passagiere und Besatzungsmitglieder ihr tiefes Beileid“, erklärte die Fluggesellschaft am Montag. „Wir stehen ohne Zweifel vor einer Luftfahrtkatastrophe“, sagte ihr Vorstandsvorsitzender Pierre-Henri Gourgeon. Verkehrsminister Dominique Bussereau wurde ins Krisenzentrum einbestellt.

          Und wenn es sich um eine Flugzeug-Entführung handelte? Doch Umweltminister Jean-Louis Borloo, der von Präsident Sarkozy als ranghöchstes Kabinettsmitglied für das Krisenmanagement mobilisiert wurde, zerstörte die vage Hoffnung der Angehörigen in einem ersten Radiointerview: „Das Flugzeug hätte jetzt keinen Treibstoff mehr. Es ist nicht möglich, dass es sich noch in der Luft befindet.“ Borloo sagte: „Die Hypothese eines Unfalls ist am wahrscheinlichsten.“ Er würde ja gern hoffen, aber „nichts auf dem spanischen Radarschirm, nichts auf den marokkanischen Radarschirmen, nichts auf den französischen - wir müssen vom Schlimmsten ausgehen“. Air France richtete eine Notrufnummer ein (0033-157021055). Auch das französische Außenministerium aktivierte einen Krisenstab. Die für den Zivilflugverkehr zuständige brasilianische Behörde richtete im Flughafen Galeão in Rio de Janeiro ein Informationszentrum für Angehörige der Passagiere des Air-France-Flugzeuges ein.

          Passagierliste zunächst unter Verschluss

          An Bord der Unglücksmaschine waren nach Angaben von Air France auch 26 Deutsche. Unter den 228 Passagieren und Besatzungsmitgliedern waren außerdem 61 Franzosen und 58 Brasilianer, wie Air France am Montagabend in Paris mitteilte. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin konnte die Zahl zunächst nicht bestätigen. Noch überprüfe man, wieviele Deutsche an Bord waren. Air France hatte die Passagierliste des Unglücksflugs 447 zunächst unter Verschluss gehalten. Das ermöglichte wilde Spekulationen. Nach einem im Internet verbreiteten Gerücht, der Chef der Pariser Großbank BNP-Paribas sei an Bord gewesen, sank der Aktienkurs von BNP vorübergehend. Auch der Kurs von Air-France-KLM fiel.

          Der Air-France-Flug war um 0.19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Flughafen Tom Jobim in Rio de Janeiro gestartet. Nach brasilianischen Angaben kam der letzte Kontakt mit dem Air-France-Airbus um 3.33 Uhr zustande. Um kurz vor vier Uhr morgens soll der Airbus 330-200 etwa 1500 Kilometer nordöstlich von Rio in schwere Unwetter geraten sein. Um 4.14 Uhr erhielt Air France von dem Airbus mehrere automatische Nachrichten, die auf einen Ausfall mehrerer Komponenten schließen lassen, darunter der elektrische Kreislauf an Bord der Maschine. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr. Das Notsignal wurde kurz vor Erreichen der afrikanischen Luftverkehrskontrolle abgegeben. „Die Maschine nahm keinen Kontakt mit marokkanischen Fluglotsen auf“, teilte der marokkanische Verkehrsminister Karim Ghellab am Montag mit.

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