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Bilder eines zerstörten Landes

Von DANIEL PILAR

9. Juni 2015. Ende April erschütterte ein Erdbeben mit der Stärke 7,8 den Himalaya. Besonders schwer wurde Nepal getroffen, das an den folgenden Tagen zusätzlich unter mehreren schweren Nachbeben litt. Das Land mit knapp 26,5 Millionen Einwohnern ist auch einen Monat nach der Katastrophe kaum noch wiederzuerkennen. Eine halbe Million Häuser wurde zerstört, die Bewohner leben bis heute in Zeltkolonien, bisweilen mitten auf der Straße. Fast drei Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die kulturellen Schätze des Landes sind weitgehend zerstört. Unser Fotograf ist an den Ort der Katastrophe gereist. Mit zurückgebracht hat er Bilder eines zerstörten Landes.

  • © Daniel Pilar „Der Tempel war unser Leben“, hatten die Bewohner von Bungamati kurz nach dem Erdbeben gesagt. Das Macchindranath-Heiligtum aus dem 16. Jahrhundert war nicht nur ihr spirituelles Zentrum, es brachte auch Touristen und damit Geld ins Dorf. Einsatzkräfte legen nun mit Hand an, um die Überreste zu retten. Es dürfte Jahre dauern, bis der Tempel wieder steht.
  • © Daniel Pilar Etwa 500 000 Häuser hat das Erdbeben der Stärke 7,8 Nepal zerstört. Auch mehr als einen Monat später leben in Kathmandu noch Menschen in Notunterkünften. Der kleine Flughafen der Hauptstadt hatte sich in den Tagen nach dem Beben als Nadelöhr erwiesen, an dem die Hilfslieferungen festhingen. Jetzt soll die Phase des Wiederaufbaus beginnen.
  • © Daniel Pilar Die einstige Königssitz Bhaktapur wirkt heute teilweise wie eine Geisterstadt. Das Erdbeben am 25. April hat dort laut Unesco 80 Prozent der Tempel und historischen Gebäude kaputt gemacht. Viele Anwohner hatten in den ersten Tagen nach dem Beben ihre Habseligkeiten aus den einsturzgefährdeten Häusern gerettet. Sie verließen den Ort fluchtartig.
  • © Daniel Pilar Für viele Menschen in Nepal ist an Normalität noch nicht zu denken. Der Prozessionswagen steht ungenutzt auf dem Durbar-Platz von Bhaktapur herum. Auch hier leben noch Menschen in Zelten, wie in diesen aus China. Die Trauer ist groß. Bei fast 9000 Toten hat so gut wieder jeder hier einen bekannten Menschen verloren.
  • © Daniel Pilar Chinesische Zelte stehen auch auf diesem Gelände einer Hochschule in Bhaktapur. Laut UN sind in Nepal nach dem Beben mindestens 2,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. 70 000 Kinder sind von Unterernährung bedroht. Etwa 8000 Schulen wurden zerstört. Ende Mai waren Nepals Kinder zum ersten Mal seit der Katastrophe wieder in den Unterricht gegangen.
  • © Daniel Pilar Mit dem Besen beseitigen Polizisten die Spuren der Zerstörung vom Sockel des Fasidega-Tempels am Durbar-Platz von Bhaktapur. Die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Tempel und Paläste sollen ab Mitte Juni wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Insgesamt sollen sich die Kosten für den Wiederaufbau auf etwa sieben Milliarden Dollar belaufen. Es gibt Grund zur Sorge, dass die internationale Hilfe nicht sauber verteilt wird. Korruption ist in Nepal ein bekanntes Problem. Um diese auszumerzen, bräuchte es aber einen größeren Besen als diese.
  • © Daniel Pilar Die Erdbeben-Opfer haben ihre Zelte auf Plätzen aller Art aufgebaut, wie dieser Verkehrsinsel auf der Ringstraße um Lalitpur außerhalb von Kathmandu. Die Hauptsache ist, dass sie möglichst weit weg von Gebäuden stehen. Dann werden sie bei Nachbeben auch nicht von herabfallenden Trümmern getroffen. Denn die Angst vor neuen Katastrophen ist immer noch groß. Am 12. Mai hatte ein zweites Erdbeben der Stärke 7,3 das Land noch einmal in Angst und Schrecken versetzt.
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Quelle: Daniel Pilar

Veröffentlicht: 10.06.2015 07:52 Uhr